Tourismusausschuss: "ITB nach Frankfurt holen"

Ein Gespräch mit Martin Katz, Vorsitzender der Geschäftsführung, Ameropa-Reisen, Bad Homburg, über die Vision des IHK-Tourismusausschusses und die Ernennung der ersten Frankfurter Kongress-Botschafter.
Herr Katz, wie wird Frankfurt im In- und Ausland als Kongress- und Tagungsort wahrgenommen?
Katz: Es besteht nach wie vor ein Missverhältnis: Auf der einen Seite haben wir mit dem Frankfurter Flughafen und der Bahn exzellente Anbindungen – auf der anderen Seite finden in der Mainmetropole noch zu wenige Kongresse und Tagungen größeren Stils statt. Mitglieder des IHK-Tourismusausschusses machen dafür auch gewisse Defizite in der Infrastruktur verantwortlich und sehen hier Nachholbedarf. Anspruchsvolle Kongresse mit mehr als 5 000 Teilnehmern sind in Frankfurt schwer zu realisieren. Gleichwohl gibt es mittlerweile eine exzellente Zusammenarbeit zwischen der Messe Frankfurt als großem Infrastrukturanbieter, der Tourismus- und Congress GmbH Frankfurt mit hoch professionellem Handling und auch der IHK, wo im Tourismusausschuss enorm viel Know-how und Kontakte zusammenkommen.
Der IHK-Tourismusausschuss, dessen Vorsitzender Sie sind, hat für die Wahlperiode bis 2014 Themenschwerpunkte definiert – unter anderem die Förderung des Geschäftsreisetourismus. Inwieweit hat das Gremium die Initiative Frankfurter Kongress-Botschafter mitgestaltet?
Katz: Der Kongress-Botschafter wurde in unserem Ausschuss erfunden. In einer Kick-off-Veranstaltung haben wir im November 2009 zunächst Themen zusammengetragen, mit denen wir uns in dieser Legislaturperiode beschäftigen wollen. Das war damals ein lebhaftes Brainstorming. Über 160 Ideen haben wir gesammelt und anschließend kategorisiert. Zehn Arbeitsgruppen sind daraus entstanden. In der von Thomas Hilberath, dem General Manager des Hotels InterContinental, geleiteten Arbeitsgruppe entstand schließlich die Idee des Kongress-Botschafters. Zwei weitere Kernthemen, nämlich Shoppingtourismus und Ausbildung, haben sich als weitere Schwerpunkte unserer Ausschussarbeit herauskristallisiert.
Begleitet der Ausschuss das Thema Kongress-Botschafter weiterhin?
Katz: Das operative Geschäft liegt künftig in den Händen des Frankfurter Convention Bureaus. Aber der Ausschuss wird den Fortgang natürlich begleiten, indem wir zum einen weitere Botschafter akquirieren und zum anderen die ernannten Botschaftter mit unseren Ideen und Anregungen unterstützen.
Zwei Mediziner und zwei Kreative sind die ersten Frankfurter Kongress-Botschafter. Welche Zielgruppen haben Sie besonders im Blick?
Katz: Das war Zufall, dass beim Auftakt gleich zwei Vertreter aus einer Branche ernannt wurden. Der Ansatz ist nämlich nicht, sich auf bestimmte Branchen zu konzentrieren. Ganz im Gegenteil: Wir wollen alle Branchen, die in Frankfurt vertreten sind, ansprechen. Oft denken die meisten vor allem an Finance, aber zum Beispiel Chemie, Pharma, Medien, Kreativwirtschaft, Automobil und Versicherungen sind ebenso wichtige Zielgruppen. Gemeinsam haben Thomas Hilberath und ich das Projekt in der IHK-Vollversammlung vorgestellt. Nun wollen wir die Idee auch in die anderen IHK-Ausschüsse hineintragen. Wichtig sind aber vor allem die Persönlichkeiten, die als potenzielle Botschafter bereits einschlägige Erfahrungen im Kongresswesen mitbringen sollten.
Werden sich auch Mitglieder des Tourismusausschusses als Botschafter bewerben?
Katz: Im Moment noch nicht. Das hängt mit der Zusammensetzung des Gremiums zusammen. Es sind zwar zahlreiche Hotelliers dabei, aber kaum führende Verbandsmitglieder. Dennoch werden wir versuchen, unsere Branche – wo möglich – zu motivieren und über unsere Kontakte auf die Entscheidungsträger von Kongressen und Tagungen einzuwirken. Wir haben uns im Ausschuss zum Beispiel auch mit der Frage befasst, warum die ITB, die größte Messe der Touristikbranche, immer in Berlin stattfinden muss – und nicht in Frankfurt. Es ist zweifelsohne eine Vision, die ITB nach Frankfurt zu holen, aber an diesem Beispiel lässt sich erkennen, dass die Mitglieder des Ausschusses in großen Dimensionen denken.
Was erwarten Sie mittelfristig von dieser Initiative?
Katz: Ich bin sicher, dass es den Botschaftern gelingen wird, weitere Kongresse und Tagungen nach Frankfurt zu bekommen. Aber dieser Prozess muss einhergehen mit einer Weiterentwicklung der Infrastruktur. Der Hotelmarkt wächst dynamisch, an den Unterbringungskapazitäten scheitert es nicht. Es wird vielmehr darauf ankommen, an Beispielen zu dokumentieren, dass Frankfurt über die erforderlichen Räumlichkeiten und Locations – auch für Großveranstaltungen – verfügt. Die Initiative haben wir bislang eher in kleineren Zirkeln vorgestellt. Aber wenn das Projekt ans Laufen kommt und die ersten Kongresse über einen Botschafter initiiert worden sind, wird das Projekt eine Sogwirkung entfalten.
Warum sind Kongress-Botschafter ein Gewinn für die Region FrankfurtRheinMain?
Katz: Sie sind Multiplikatoren. Sie sind Repräsentanten. Sie sind überzeugte Fans des Standortes. Und man kann am besten überzeugen, wenn man selber überzeugt ist. Die Kongress-Botschafter transportieren die Vorteile der Region authentisch, das ist der Ansatz. Wir wollen die Überzeugungskraft dieser Persönlichkeiten ganz bewusst als Botschafter der guten Nachrichten aus FrankfurtRheinMain nutzen. Man kann viele Hochglanzbroschüren drucken oder einen perfekten Internetauftritt gestalten: Die beste Werbebotschaft ist bekanntlich nun einmal die Mund-zu-Mund-Propaganda – das gilt im Internetzeitalter vielleicht sogar noch mehr als früher.
Interview
Petra Menke
Chefredakteurin
IHK WirtschaftsForum, Unternehmermagazin der IHK Frankfurt
IHK WirtschaftsForum
November 2011