Kreativwirtschaft: Von wegen brotlose Kunst
Die Dienstleistungen und Produkte der Kultur- und Kreativwirtschaft sind längst nicht mehr nur ein ästhetisches Sahnehäubchen, sondern ein nicht zu unterschätzender volkswirtschaftlicher Faktor: Mit über einer Million Beschäftigten in 237 000 Unternehmen ist die Kultur- und Kreativwirtschaft zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden. Rund 131 Milliarden Euro Umsatz werden pro Jahr durch die Branche erwirtschaftet – das entspricht in etwa dem jährlichen Handelsvolumen zwischen Deutschland und den Niederlanden. Von den vielen Kleinunternehmen und Selbstständigen der Branche gehen wichtige Impulse für wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen aus. Sie zählt zu den Vorreiterbranchen auf dem Weg zur wissensbasierten Ökonomie, gilt als Experimentierfeld für innovative Ideen, moderne Arbeitsformen und alternative Geschäftsmodelle.
Elf Teilbranchen werden der Kultur- und Kreativwirtschaft zugerechnet: die Musikwirtschaft, der Buchmarkt, der Kunstmarkt, die Filmwirtschaft, die Rundfunkwirtschaft, der Markt für darstellende Künste, die Designwirtschaft, der Architekturmarkt, der Pressemarkt, die Werbe- sowie die Software- und Games-Industrie. Kultur- und Kreativwirtschaft ist also Vielfalt pur – und so facettenreich wie die Branche selbst sind auch ihre Potenziale. Um diese freizusetzen, Chancen zu eröffnen und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu steigern, hat die Bundesregierung im Rahmen ihrer Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes beim RKW eingerichtet.
Acht Regionalbüros bieten in über 70 Städten Beratungen an
Um die Arbeit des Kompetenzzentrums vor Ort zu verankern, wurden acht Regionalbüros geschaffen. Sie sind Ansprechpartner für Kreative und Kulturunternehmer. In regelmäßigen Sprechtagen bieten sie in mehr als 70 Städten bundesweit Orientierungsberatungen an. Sie beraten unentgeltlich – direkt vor Ort und im persönlichen Gespräch. Im Mittelpunkt stehen dabei die Klärung erster unternehmerischer Ideen, die wirtschaftliche Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen sowie die Verknüpfung mit spezifischen Angeboten für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Aber auch das Netzwerken und der Erfahrungsaustausch nehmen eine zentrale Rolle ein.
Das Angebot der Orientierungsberatungen richtet sich insbesondere an die hohe Anzahl von Mikrounternehmen, Neugründern, Projektemachern und Freelancern, die im weiten Feld der Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren Ideen vorwiegend erwerbswirtschaftliche Ziele verfolgen. Um die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Unternehmen zu fördern, werden die meist außerhalb der bestehenden Förderstrukturen arbeitenden Kreativen in den Orientierungsgesprächen an bestehende Wirtschaftsförderprogramme und -strukturen herangeführt.
Die Feststellung, dass unter Kreativen und Kulturunternehmern eine gewisse Reserviertheit gegenüber klassischen Wirtschaftsförderern existiert, ist keine große Überraschung. Deshalb wird insbesondere bei der Auswahl der jeweiligen Sprechtagsorte Wert darauf gelegt, Orte zu finden, die in der Kreativszene verankert sind. Das Frankfurter Mainraum – Gründerhaus Kreativwirtschaft in der Ostbahnhofstraße hat sich in nur kurzer Zeit zu genau einem solchen Ort entwickelt.
Autor
Norman Schulz
Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes
Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland,
c/o RKW Hessen
Eschborn
schulz@rkw-kreativ.de
Links zum Thema
Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, Ansprechpartner für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland: www.rkw-kompetenzzentrum.de/kreativ
Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung: www.kultur-kreativ-wirtschaft.de
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