Citylogistik
Erfolgreiches Marktsegment

Zu wenig Stellflächen, Staus, veraltete Regelungen für den Anlieferverkehr in Fußgängerzonen: Zahlreiche Hindernisse erschweren Kurier-, Express- und Paketdiensten die pünktliche Zustellung von Waren.

Im Koalitionsvertrag bescheinigt die amtierende Bundesregierung der „Mobilität […] eine Schlüsselfunktion in der Gesellschaft“. Daher verwundert es nicht, dass auf allen politischen Ebenen und in unterschiedlichen Ressorts lebhafte Debatten zur „Zukunft des Verkehrs“ stattfinden. Mit Blick auf den Stadtverkehr sind die Herausforderungen besonders deutlich. Aufgrund ihrer großen Nutzungsvielfalt sind Stadtzentren in hohem Maße Ziel- und Ausgangspunkt für Lieferverkehre. Im Kontext der auch in Frankfurt intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Citylogistik, beschrieb das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin bereits in den Neunzigern die Bedeutung des wachsenden Marktes für Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP-Dienste): Als Ausdruck der gewandelten Anforderungen des Marktes (kleinere Sendungsgrößen in kürzeren Zyklen über zunehmend größere Strecken) erbringen KEP-Dienstleister mit ihren zeitlich getakteten Transportangeboten einen beständig wachsenden Anteil an den Belieferungs- und Abholungstransporten gerade von Innenstädten. KEP-Dienste stehen daher nicht nur für ein modernes Marktsegment des Güterverkehrs, sondern sind zugleich Synonym für ein erfolgreiches Rationalisierungsmodell der Logistik.

Die Bedeutung der KEP-Logistik für Konsumenten und die lokale Wirtschaft ist stetig gewachsen. Von 1995 bis 2006 verzeichnete die KEP-Branche ein im gesamtwirtschaftlichen Vergleich überdurchschnittliches jährliches Wertschöpfungswachstum von 4,9 Prozent. Im selben Zeitraum stieg das KEP-Transportaufkommen um 52 Prozent und lag damit weit über der Entwicklung des Transportsektors insgesamt. Auch auf lokaler Ebene ist effiziente Logistik Teil und Grundlage der Entwicklung. Effiziente Planung muss hier Kapazitäten, zeitliche Vorgaben und externe Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Zufahrtsbeschränkungen, in Einklang bringen. Optimierte Tourenführungen und Arbeitsmethoden sowie ein auf dieser Basis minimierter Fahrzeugeinsatz sind Bestandteil der Entwicklung in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld. Um allerdings alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können, bedarf es bestimmter Rahmenbedingungen.

Schon kleine Störungen führen zu Planungsunsicherheiten
Zunächst bedarf es eines Ausbaus und des Erhalts der regionalen und überregionalen Infrastruktur. Logistiker unterhalten Güterverkehrszentren meist am Rande von Ballungsräumen, um bei günstiger Fernstraßenanbindung die lokal bedienten Destinationen gut zu erreichen. Die Leistungsfähigkeit des örtlichen Straßennetzes für den täglichen Zustellbetrieb stellt sich häufig als sensibel dar. Bereits kleine Störungen können zu beträchtlichen Planungsunsicherheiten führen. Im Frankfurter Osten ist dieser Umstand auf den Strecken in Richtung Innenstadt oft zu beobachten. Für den gesamten Fahrzeugverkehr sind hier Verbesserungen wünschenswert. Für eine stadtverträgliche Logistik sind unzureichende Verkehrsverbindungen, Zufahrtsbeschränkungen, ein Mangel an Stellflächen sowie ein hohes Verkehrsaufkommen ernste Herausforderungen: Die Transporteure müssen auf solche infrastrukturbedingten Hindernisse mit dem Einsatz von mehr Fahrzeugen antworten, um Zeitverluste ausgleichen und die Lieferversprechen an die Kunden pünktlich einhalten zu können.

Zielsetzungen zur Luftreinhaltung und der Wunsch nach einer verbesserten Infrastruktur für den Stadtverkehr müssen nicht im Widerspruch stehen. Der Ruf nach einer Verkehrsvermeidung kann letztlich keine Antwort sein, da sie wirtschaftliche Notwendigkeiten nur unzureichend berücksichtigt. Die Optimierungsstrategien der KEP-Dienste können eine gute Grundlage für eine bedarfsgerechte, verbesserte Organisation der Verkehrsflüsse sein. Denn im Transportwesen sind in aller Regel ökonomisch sinnvolle und ökologisch wünschenswerte Verhaltensweisen keine Gegensätze. Logistiker betreiben schließlich ein Geschäftsmodell, das darauf basiert, eine Transportleistung mit möglichst geringem Gesamtaufwand – und das heißt, mit möglichst geringem Ressourceneinsatz – zu erbringen. Nicht zu vergessen, dass Verkehrsteilnehmer in ihrer Gesamtheit profitieren, wenn durch optimierte Liefertätigkeiten auch der Verkehrsfluss insgesamt verbessert werden kann.

Fahrzeuge an zentralen Stellen im Stadtgebiet positionieren
Beispielsweise sollte in den Innenstädten die Möglichkeit bestehen, Fahrzeuge an zentralen Stellen zu positionieren, um von diesen Stellplätzen aus die größtmögliche Anzahl an Belieferungen durchzuführen. Während die Fahrzeuge für den Transport ins Zustellgebiet benötigt werden, diese Fahrtstrecken also unumgänglich sind, entspricht ihre längerfristige Stationierung an einzelnen Punkten im Stadtgebiet durchaus den Bedürfnissen des Lieferverkehrs. Schließlich ist die Anzahl der Fahrzeugbewegungen im Zustellbetrieb dafür ausschlaggebend, welche Verkehrs- und Emissionsbelastungen von den Lieferverkehren ausgehen. Ein Mangel an Haltemöglichkeiten erhöht in den meisten Fällen die Anzahl der Fahrzeugbewegungen.

Durch den Einsatz neuester Technologien und alternativer Antriebe, aber auch durch die Weiterentwicklung betrieblicher Abläufe und Methoden, leisten Unternehmen einen Beitrag zur Verringerung negativer Einflussfaktoren im Stadtverkehr. Aber oft sind Abläufe im Straßenverkehr durch einfache Maßnahmen schlanker zu gestalten, etwa bei der Parkraumorganisation und den Zufahrtsregelungen. Hierfür bedarf es des Austauschs mit den Verantwortlichen der Kommunen. Denn die Reduzierung der gefahrenen Kilometer und der Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge sind im Interesse aller.

Neben dem steigenden Transportaufkommen sind gerade die veränderten Öffnungszeiten des Einzelhandels Teil der sich wandelnden Herausforderungen. Die bestehenden Regelungen für den Anlieferungsverkehr spiegeln diese Entwicklung meistens nicht wider. Die Berücksichtigung von branchentypischen Abläufen ist bei der Formulierung beziehungsweise der bedarfsgerechten Optimierung von Rahmenbedingungen notwendig, um durch einfache Maßnahmen Effizienzpotenziale zu erschließen. Nur so ist ein nachhaltiger Ausgleich von kommunalen Interessen (Verkehrsmengen, Emissionen) und privatwirtschaftlichen (Planungssicherheit für Transporteure und Kunden) zu erzielen.

Allgemeine Konzepte und grobe, zentrale Regelungsinstrumente sind kaum geeignet, die aktuellen Anforderungen bedarfsgerecht und nachhaltig zu lösen. Insbesondere der Verkehr ist eine jeweils lokale Herausforderung. Daher müssen die Kommunen in ihren Möglichkeiten, die örtlichen Verhältnisse zu gestalten und im Sinne aller Beteiligten zu optimieren, gestärkt werden und in den Dialog mit der Transportwirtschaft treten.  


Autor

Lars Purkarthofer
Public Affairs
United Parcel Service Deutschland
Neuss
lpurkarthofer@ups.com

IHK WirtschaftsForum
April 2010