Elektromobilität
Verkehr unter Strom

Die Bundesregierung will Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität machen. FrankfurtRheinMain ist bundesweit ein Vorreiter: Die Region ist nämlich eine von acht Modellregionen Elektromobilität.

Jährlich werden 55 Millionen Pkws weltweit produziert. 200 Millionen werden es 2050 sein. Die Weltbevölkerung wächst und damit auch der Energiebedarf. Erdöl und Kohle allein können diesen auf lange Sicht nicht decken. Die Verantwortlichen in Industrie und Politik sind sich deshalb im Hinblick auf die Reduzierung der CO2-Emissionen und den Erhalt der Mobilität einig: Ohne alternative Kraftstoffe und ohne eine Elektrifizierung der Autos wird es nicht funktionieren.


            

Im Parkhaus Börse sind seit Februar zwei Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Betrieb.


Die deutsche Bundesregierung sieht die Umstellung auf neue Antriebstechnologien als eine zentrale Herausforderung an die Mobilität des 21. Jahrhunderts. Es ist ein wichtiges Thema für die Unternehmen aller Branchen. Und für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist es von ebenso strategischer wie wirtschaftspolitischer Bedeutung. Die Bundesregierung, mit Verkehrsminister Peter Ramsauer an der Spitze, hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen. In diesem Zusammenhang geht es einerseits um eine zügige Markteinführung von leistungsfähigen und bezahlbaren Elektrofahrzeugen. Zum anderen geht es darum, den Anschluss an die internationale Konkurrenz nicht zu verlieren. Die Roadmap für die nächsten zehn Jahre stellt der Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität, der am 19. August 2009 verabschiedet wurde. Bekräftigt wurde der Plan durch die Meseburg-Beschlüsse vom November 2009. Ziel ist es, die Forschung und Entwicklung sowie die Marktvorbereitung und die Markteinführung von batterieelektrisch betriebenen Fahrzeugen in Deutschland voranzubringen. Die Bundesregierung verfolgt damit den ehrgeizigen Plan, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren.

Marktentwicklung in drei Phasen
Die Entwicklung des Marktes für Elektromobilität soll bis 2020 in drei Phasen erfolgen: In der Marktvorbereitungsphase bis zum Jahr 2011 werden die Aktivitäten weitgehend durch das Konjunkturpaket II bestimmt, in dem 500 Millionen Euro vor allem dem Bereich der Elektromobilität zugutekommen. Der Schwerpunkt liegt auf einer großen Bandbreite von Forschungs- und Entwicklungsthemen: von der Batterieentwicklung über Stromnetze und Forschung in den Bereichen der Informations- und Kommunikationstechnologien bis hin zu Demonstrationsvorhaben in Modellregionen, beispielsweise zur Kopplung mit erneuerbaren Energien und Einsatz in den Flotten des öffentlichen Personennahverkehrs. Weiterhin wird der Normungs- und Standardisierungsbedarf im Bereich Elektromobilität aufgezeigt. Auf dem Gebiet der Qualifikation soll eine Ausbildungsinitiative gemeinsam mit Industrie- und Arbeitnehmervertretern gestartet werden.

In der zweiten Phase (Markthochlauf) bis zum Jahr 2016 soll weiterhin die Forschung und Entwicklung in den Bereichen Energiespeicher, Fahrzeugtechnik sowie Technik für Infrastruktur-, System- und Netzintegration vorangetrieben werden. Über die Forschungsförderung hinaus soll die Markteinführung mit einem Anreizprogramm für 100 000 Elektroautos unterstützt werden. Die Phase drei (Volumenmarkt) soll 2017 beginnen und 2020 zu dem genannten Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen führen. In dieser Phase sollen Forschung und Entwicklung mit sich verändernden Gewichtungen fortgesetzt werden. In Ballungsräumen soll bereits eine flächendeckende Batterieladeinfrastruktur aufgebaut sein. In der Perspektive bis 2030 erhofft sich die Bundesregierung, dass bis dahin über fünf Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren.

Um die Entwicklung Deutschlands zum Leitmarkt für Elektromobilität zu beschleunigen, initiierte das Bundesverkehrsministerium den Förderschwerpunkt „Modellregionen Elektromobilität“. Es werden dafür bis zum Jahr 2011 etwa 115 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Bis zum Jahr 2011 soll erprobt werden, wie sich umweltverträgliche Mobilität und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden lassen. In der Modellregion RheinMain steht die Umsetzung von drei Modulen im Vordergrund:

Modul 1 verbindet Frankfurt, Mühlheim und Offenbach mittels der „EcoStyle-Linie 103“, einem mit modernsten Batterien elektrisch angetriebenem Bus. Entlang der Buslinie werden verschiedene Projekte zeigen, wie erneuerbare Energien in den Bereichen Verkehr, Wohnen und Arbeiten genutzt werden können. Im Rahmen von Modul 2 wird am Beispiel der Sonderverkehrssituation Rollfeld am Flughafen Frankfurt der Einsatz batteriebetriebener Fahrzeuge ausgebaut. Modul 3 wird den stadtgebundenen Lieferverkehr elektromobil erschließen, im Bereich Individualverkehr und ÖPNV werden weitere Modellversuche initiiert. Darüber hinaus soll schrittweise eine Infrastruktur für E-Mobilität aus- und aufgebaut werden. Zudem sollen Mobilitätsanalysen einen zielgerichteten Ausbau der Modellregion gewährleisten.

Stromverbrauch aus rein regenerativen Quellen
Im Frankfurter Stadtgebiet soll ein Netz von Stromladestationen eingerichtet und getestet werden. Der Stromverbrauch dafür muss aus rein regenerativen Quellen stammen, sonst macht der Einsatz von E-Autos klimapolitisch keinen Sinn. Wird nämlich ein E-Auto mit Strom nach dem bisherigen Energiemix gespeist, kommt der Pkw auf einen umgerechneten CO2-Ausstoß von 90 Gramm je Kilometer. Ein solcher Wert wäre auch mit einem sparsamen Auto mit Benzin- oder Dieselmotor zu erreichen. Wenn sich das Modell trägt, dann könnten in Zukunft Pendler aus dem Umland mit dem Elektroauto zu ihrem Arbeitsplatz fahren, die Batterie könnten sie während der Arbeitszeit wieder aufladen. Im Februar hat die Mainova im Parkhaus Börse in der Meisengasse weitere Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Betrieb genommen. Dort können die Nutzer in den nächsten sechs Monaten ihre Fahrzeuge zunächst kostenlos aufladen. Bis Ende 2011 sollen insgesamt 25 öffentliche Ladestationen aufgebaut sein.

Der Anteil der Elektrofahrzeuge am Gesamtmarkt wird weiter zunehmen. Doch die noch sehr hohen Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge, die geringe Reichweite und lange Ladedauer der Akkus und die noch nicht sehr weit ausgebaute notwendige Infrastruktur führen bisher zu einer niedrigen Kundenakzeptanz. Daher werden Elektrofahrzeuge bisher vornehmlich im kommunalen, behördlichen oder gewerblichen Bereich eingesetzt. In der Zukunft sollen Shuttle-Busse und Taxis folgen.

Auch in den kommenden Jahren werden die benzinangetriebenen Fahrzeuge nicht aus dem Straßenbild verschwinden. Aber aufgrund der hohen Ölpreise und des wachsenden Konkurrenzdrucks durch die Elektromobile werden diese auch immer ausgereifter. Der Einsatz von Leichtbau, verbesserten Brennverfahren und Abgasnachbehandlungsmethoden der Benzin- und Dieselmotoren werden bald ganze Flotten mit Verbrauchswerten von drei Litern und weniger auf 100 Kilometer aufwarten können. In den nächsten 20 Jahren werden vermutlich sowohl Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren als auch Elektroautos unsere Straßen prägen.

Die Gewinner des globalen Wettbewerbs werden vor allem die Hersteller geeigneter Batterien sein. Bei der Batterietechnologie ist aus Sicht von Deutschland wichtig, nicht den Anschluss an Asien zu verlieren. Etwa 90 Prozent aller in der Welt verkauften Lithium-Ionen-Batterien stammen aus China, Japan und Korea.

Autorin
IHK Frankfurt am Main
Standortpolitik


Modellregionen Elektromobilität

Die Modellregionen sind regionale Konsortien, die sich auf ein Gesamtkonzept für Elektromobilität in einem Raum (Stadt oder Region) verständigt haben. Ihnen gehören unter anderem Unternehmen, Wirtschaftsverbände, öffentliche Institutionen, Forschungseinrichtungen und Universitäten an. Das Modellvorhaben dient der Entwicklung der Elektromobilität unter realen Bedingungen sowie dem Testen der Alltagstauglichkeit von Elektrofahrzeugen und der Ladeinfrastruktur. Zu den Modellregionen zählen Berlin/Potsdam, Bremen/Oldenburg, Hamburg, München, Rhein-Main, Rhein-Ruhr, Sachsen (insbesondere Dresden und Leipzig) sowie die Region Stuttgart.


Foto: Petra Menke

IHK WirtschaftsForum
April 2010

 

Termine

Derzeit sind keine Veranstaltungen geplant.

Zukunft der Mobilität

Elektromobilität

Elektromobilität