Sicherheit im Straßengüterverkehr
Zwischen Anspruch und Ökonomie

Das hohe Sicherheitsniveau im Straßengüterverkehr lässt sich nur dann halten und weiter verbessern, wenn alle Beteiligten in diesen Bereich regelmäßig investieren und die modernen technischen Möglichkeiten nutzen.

Die amtlichen Statistiken zum Unfallgeschehen im Bereich des Straßengüterverkehrs belegen, dass sich das Transportlogistikgewerbe mit seiner Sicherheitsphilosophie auf dem richtigen Weg befindet: So ist die Anzahl der bei Lkw-Unfällen Getöteten und Schwerverletzten seit 1992 im Vergleich zum Jahr 2008 um mehr als 40 Prozent zurückgegangen. Dies ist umso bemerkenswerter, da sich im gleichen Zeitraum die Transportleistung mit einem Anstieg um 87,9 Prozent fast verdoppelt hat. Detailliertere Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen und der Dekra Verkehrssicherheitsreport Lkw 2009 unterstreichen das hohe Sicherheitsniveau im Straßengüterverkehr.

Das für Deutschland prognostizierte Anwachsen der Straßengüterverkehrsleistung für den Zeitraum 2004 bis 2025 wird auf 80 Prozent beziffert. Mehr Verkehr darf dabei aber keinesfalls mehr Unfälle bedeuten. Die Akzeptanz des Lkws in der Öffentlichkeit lässt sich nur sichern, wenn wie bisher sig-nifikante Verbesserungen in der Verkehrssicherheit überzeugen können. Investitionen in die Verkehrssicherheit sind also weiterhin eine unverzichtbare Aufgabe, um noch mehr Nachhaltigkeit herzustellen.

Für den Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) als Spitzenverband des deutschen Transportlogistikgewerbes – mit seinen etwa 10 000 über die jeweiligen Landesorganisationen angeschlossenen Mitgliedsunternehmen – nimmt die Verkehrssicherheit einen herausragenden Stellenwert ein. Unbestritten bedarf es dafür betrieblicher Investitionen in die Verkehrssicherheit, die vordergründig betrachtet Kosten verursachen, wie beispielsweise durch Ausrüstung von Fahrzeugen mit Fahrerassistenzsystemen, Ausrüstungen zur Ladungssicherung oder in Form von Fahrerschulungen. Diese Anstrengungen lohnen sich allerdings in einer Gesamtschau. Abgesehen von erspartem menschlichen Leid, führen geringe Schadenshäufigkeiten zu niedrigeren Versicherungsprämien, weniger Ausfallzeiten von Fahrpersonal und Fahrzeugen und sind letztendlich ein Qualitätsbeweis. Die Vertrauensbasis zwischen Transportunternehmer und Kunde hängt zum großen Teil davon ab. Im überbetrieblichen Umfeld lassen sich Imageverbesserungen herstellen, selbst wenn sich dies für die einzelnen Unternehmen nicht zahlenmäßig in Bilanzen niederschlägt.

Sicherheit: Wichtig für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen
Investitionen in die Verkehrssicherheit sind damit ein Grundstein für auf Dauer fortbestehende und erfolgreiche Geschäftsbeziehungen und somit von existenzieller Bedeutung für den Transportlogistikunternehmer. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass die Gewerbeführung und die angeschlossenen Mitgliedsunternehmen jede sinnvolle und praktikable Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit unterstützen. Alle Risiken zu vermeiden ist gleichwohl unmöglich. Grenzen setzt vor allen Dingen der (Unsicherheits-)Faktor Mensch und das von ihm ausgehende Risiko. Folglich konzentrieren sich die Anstrengungen des BGL auf diesen Schwachpunkt im System.

Der BGL ist als aktives Mitglied des Deutschen Verkehrssicherheitsrates in zahlreichen Gremien, Kampagnen und Aktionen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit eingebunden. Er beteiligt sich auch an Projekten, die das sichere Verhalten und das Miteinander im Straßenverkehr zum Inhalt haben. Einige Beispiele hierfür sind die bundesweit stattfindenden Fernfahrerstammtische, die Einbindung in sogenannte Ordnungspartnerschaften mit der Polizei, das Projekt DocStop zur medizinischen Unterwegsbetreuung von Lkw-Fahrern oder das mit dem ADAC TruckService erarbeitete Pannen- und Unfallhilfekonzept für Transportunternehmer.

Die von der Fahrzeugindustrie entwickelten Fahrerassistenzsysteme – Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), Abstandsregeltempomat und Spurassistent – haben bereits vor Jahren einen hohen Reifegrad erreicht. Dies hat der BGL im Jahr 2007 zum Anlass genommen, in Brüssel wie in Berlin im Rahmen der Initiative „Fahrer-Assistenz-Systeme: Sicher. Für Dich. Für Mich.“ eine zügige europaweite obligatorische Ausrüstung von schweren Nutzfahrzeugen mit diesen Fahrerassistenzsystemen zu fordern. Die Initiative steht unter der Schirmherrschaft von Günter Verheugen, dem Kommissionsvizepräsidenten und Kommissar für Unternehmen und Industrie. Sie wird unter anderem von der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen (BGF, inzwischen BG Verkehr als Rechtsnachfolge) und der Kravag-Versicherung begleitet. Nach Auffassung des BGL kann am besten mit verbindlichen Standards das Ziel einer möglichst schnellen Verbreitung neuer Sicherheitstechniken erreicht werden. Im Juli 2009 wurde die entsprechende EU-Verordnung in Kraft gesetzt.

Praxishandbuch zur Ladungssicherung
Der Bundesverband hat zudem die Bedeutung der Ladungssicherung für den sicheren Warentransport früh erkannt und seine Kompetenzen in diesem Bereich ausgebaut. Gemeinsam mit der BG Verkehr wurde echte Pionierarbeit sowohl in der Entwicklung als auch in der Fortschreibung von Methoden zur Ladungssicherung geleistet. Das daraus entstandene „Praxishandbuch Laden und Sichern“ gilt mittlerweile als Standardwerk im Transportlogistikgewerbe. Darüber hinaus dient es vielfach auch den Kontrollbehörden als Grundlage für Unterwegskontrollen. Ladungssicherung ist allerdings nicht nur ein Problem der Verkehrssicherheit, sondern zugleich als Teil der komplexen logistischen Dienstleistung und als Teil der technischen und kommerziellen Vorbereitung des Gütertransports zu verstehen.

Naturgemäß sind auch Maßnahmen zur Durchführung einer ordnungsgemäßen Ladungssicherung mit Aufwendungen verbunden, die sich im Preis-Leistungsverhältnis des Straßengüterverkehrs niederschlagen. Ladungssicherung ist aber zugleich ein wesentliches Merkmal der Qualitätssicherung im Gütertransport. Nicht nachhaltig sind für den BGL immer wieder feststellbare Praktiken einzelner Wettbewerber, sich durch das Einsparen von Ladungssicherungshilfsmitteln oder die Verwendung für das Ladegut ungeeigneter Fahrzeuge Wettbewerbsvorteile gegenüber seriös arbeitenden Unternehmen zu verschaffen. Dieser Weg ist eine Sackgasse. Aus diesem Grund misst der Bundesverband Schwerpunktkontrollen zur Ladungssicherung einen hohen Stellenwert bei. Dabei sollte es aber vor allem darum gehen, die Beteiligten für die Problematik und das Gefahrenpotenzial zu sensibilisieren.

Auf dem Gebiet der Qualifizierung des Fahrpersonals bevorzugt der BGL seit Jahrzehnten die dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Gemeinsam mit den Straßenverkehrsgenossenschaften startete er die Imagekampagne „Zeig dein Profil“, um junge Menschen für den Kraftfahrerberuf zu begeistern. Erstausbildung ist der richtige Weg, auch und gerade in Zeiten mit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Qualifizierter Fahrernachwuchs sichert den Weg in die Zukunft. Grundqualifikation und Weiterbildung nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz müssen in diesem Umfeld so entwickelt werden, dass sie einen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit auf der Straße durch motiviertes und qualifiziertes Personal leisten. Von Beginn an hat sich der BGL mit dieser Motivation in die Gesetzgebung und die Umsetzung eingebracht. Gemeinsam mit den Bildungswerken des Verkehrsgewerbes entwickelte er Rahmenlehrpläne für Grundqualifikation und Weiterbildung, um den Transportlogistikunternehmen ein Konzept aus einem Guss anbieten zu können.


Autor

Prof. Karlheinz Schmidt
Hauptgeschäftsführer
Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL)
Frankfurt am Main


Link zum Thema

Weitere Infos und Kontakte zum Thema Sicherheit im Straßengüterverkehr finden Interessierte auf der Internetseite des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) unter www.bgl-ev.de.


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