Airport Security Management
Schwachpunkt Mensch

Das Sicherheitsmanagement an Flughäfen setzt verstärkt auf die Vorfeldarbeit. Das Ziel: "Find the bomber, not the bomb." Und dennoch: Niemand kann eine hundertprozentige Sicherheit im Luftverkehr garantieren.

Der Flughafen Frankfurt gehört zu den Top Ten im weltweiten Airportvergleich. 2008 wurden in Frankfurt knapp 53,5 Millionen Passagiere und ohne Luftpost rund 2,1 Millionen Tonnen Fracht gezählt. Über 100 Airlines aus aller Welt kommen regelmäßig nach FRA. Hinter London-Heathrow und Paris liegt Frankfurt in Europa mit seiner Fluggastzahl auf dem dritten Platz. Beim Cargo-Umschlag nimmt Frankfurt nach Paris den zweiten Rang ein.

Etwa 500 Betriebe und Behörden haben am Flughafen Frankfurt ihren Sitz, mit insgesamt circa 71 000 Arbeitsplätzen ist der Airport Deutschlands größte Arbeitsstätte. Für die Einbindung von Frankfurt in den interkontinentalen Luftverkehr ist die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Drehscheibe FRA eine notwendige Voraussetzung.

Der Flughafen gibt entscheidende ökonomische Impulse und ist ein Standortfaktor ersten Ranges bei jeder Firmenansiedelung. Als renommierte Messe- und Bankenstadt sowie als Dienstleistungszentrum und Sitz unzähliger ausländischer Fremdenverkehrsämter und Firmenniederlassungen bleibt die Stellung der Mainmetropole wie der Region FrankfurtRheinMain untrennbar verbunden mit der Zukunftsfähigkeit des Flughafens. Der geplante Ausbau mit Nordwest-Landebahn und Terminal 3 ist dafür unerlässlich.

Das Thema Sicherheit nimmt an Flughäfen einen zunehmend höheren Stellenwert für Flughafenbetreiber ein. Dies ist zum einen durch die im Nachgang zu den Terroranschlägen in New York und London stark erhöhten Sicherheitsanforderungen und zum anderen durch die hiermit einhergehenden Negativ-Beeinträchtigungen der Flughafenprozesse bedingt. Unter Berücksichtigung der prognostizierten Verdoppelung der Passagierzahlen bis zum Jahr 2020 stehen die Flughafenbetreiber vor der Herausforderung, auf der einen Seite ihr Sicherheitsmanagement neuen Bedrohungen anzupassen und auf der anderen Seite effiziente, skalierbare und kundenorientierte Prozessarchitekturen zu entwickeln.
 
Motivation der Sicherheitsmitarbeiter konstant hoch halten
Dabei darf über der Forderung von neuer, verbesserter Technik zur Anschlagsprävention der Faktor Mensch nicht vergessen werden. Denn je sicherer technische Systeme werden, umso mehr wird der Mensch zu einem zentralen Risikofaktor. Deshalb ist es wichtig, die Sensibilität und die Motivation der Sicherheitsmitarbeiter konstant hoch zu halten. Hierfür spielen gerade auch die weichen Faktoren der Führung eine bedeutende Rolle. Also Motivation, Identifikation mit Aufgabe und Unternehmen, Aus- und Fortbildung, Gruppendynamik, Qualitätsbewusstsein, individuelle Belastungsgrenzen, Arbeitsumfeld, Arbeitsplatzgestaltung, vor allem auch Beherrschbarkeit der eingesetzten Technik und Wirkung psychologischer Belastungen durch Interaktion mit gestressten Kunden.

All dies sind Themen, die kontinuierlich bewertet werden müssen, um Schwachstellen zu erkennen und reduzieren zu können. Letztlich gibt es keine hundertprozentige Sicherheit im Luftverkehr, obwohl Politik und Behörden häufig dazu neigen, dies durch die angeordneten Maßnahmen zu suggerieren. Denn die Täter bleiben mit veränderten Tatbegehensweisen die Agierenden, und auch in Zukunft werden bei neuen Formen von Angriffen die Verantwortlichen immer nur reagieren können.

Daher ist im Sinne einer erfolgreichen Prävention zu berücksichtigen, dass die Verantwortung zur Verhinderung von Anschlägen im Luftverkehr nicht beim letzten Glied der Kette, bei den Luftsicherheitsassistenten, liegen kann. Beispiele erfolgreicher Vorfeldarbeit sind die Sauerlandgruppe in Deutschland oder der geplante Anschlag in Großbritannien. Das Ziel muss lauten: "Find the bomber, not the bomb!" Die Durchführung einer umfassenden Risiko-Analyse durch die Behörden in intensiver Kooperation mit den Unternehmen sollte daher zukünftig im Fokus jeglicher Sicherheitsarbeit, speziell auch der Sicherheitsforschung, stehen.  


Autor

Volker Zintel
Generalbevollmächtigter Konzernsicherheit
Fraport
Frankfurt am Main
(bis 31. März)
v.zintel@fraport.de

IHK WirtschaftsForum
April 2010