Belly-Fracht
Unter Zeitdruck

Im Luftverkehr wird ein Großteil des Frachtaufkommens in Passagierflugzeugen befördert. Dadurch können die weltweiten Märkte innerhalb kürzester Zeit mit Waren bedient werden.

Der Flughafen Frankfurt ist mit 1,8 Millionen Tonnen Frachtaufkommen in 2009 der zweitgrößte europäische Frachtflughafen und siebtgrößter weltweit. 60 Prozent oder 1,1 Millionen Tonnen des Frachtaufkommens entfallen auf Lufthansa-Cargo. Dabei ergänzen sich Luftfracht und Passagiertransport, denn rund die Hälfte des gesamten Frachtaufkommens wird in den Bäuchen (englisch Belly) der Passagierflugzeuge als Beifracht (Belly-Fracht) befördert. Luftfracht und Passagiertransport wird damit zur Kuppelproduktion.

Frankfurt ist die zentrale Lufthansa-Drehscheibe (englisch Hub) für den internationalen Passagierverkehr. Hier werden im Sommer 2010 nahezu 2 800 wöchentliche Frequenzen zu 162 Zielen in 73 Ländern angeboten, die größtenteils auch für Belly-Frachttransporte offenstehen. Innerhalb kürzester Zeit können die weltweiten Märkte von Frankfurt aus in hoher Frequenz bedient werden. Soll beispielsweise eine Ladung nach Moskau oder Madrid geliefert werden, kann dies innerhalb von fünf bis sieben Stunden nach Auftragsanfrage erfolgen. Peking ist in 16 Stunden erreichbar, Singapur und Los Angeles in 17 Stunden.
 
Flughafen Frankfurt: Fracht-Drehkreuz der Großspeditionen
Die enge Vernetzung der Speditionen mit den Belly- und Frachternetzwerken bestimmt den Erfolg des Logistikstandorts Frankfurt. Der Flughafen Frankfurt zählt zu den europäischen Fracht-Drehkreuzen der Großspeditionen, an denen die Warenströme für den Weitertransport gebündelt werden (Consolidation Hubs). Monatlich werden 47 000 Lkws mit 540 Frachtflugbewegungen und über 24 000 Passage-Flugbewegungen koordiniert. Die Verladung von Belly-Fracht steht unter kontinuierlichem Zeitdruck. Die Fracht muss spätestens 70 Minuten vor der geplanten Startzeit an der Abfertigungsposition des Flugzeugs angeliefert werden. Dabei ist eine entsprechende Transportzeit vom Cargo-Center bis zum Flughafen zu berücksichtigen. Zeitkritisch wird dies, wenn kurzfristig Positionswechsel des Flugzeugs vorgenommen werden. Typische Frachtsendungen in den Bellies der Passagierflugzeuge sind eilige Güter wie Hightech-Material, Ersatzteile, Tageszeitungen oder aber auch verderbliche Güter wie Obst, Gemüse, Blumen, Fleisch oder Fisch.

Die Nachfrage nach Frachtkapazität in Passagierflugzeugen fließt in die Kapazitäts- und Netzplanung der Lufthansa Passage ein. Sie wirkt sich je nach prognostizierten Mengen auf das bereitgestellte Fluggerät und auf die Abflugzeiten der Maschinen wie auch auf die gesamte Wirtschaftlichkeit des Hubs Frankfurt aus. Im vergangenen Jahr hatten die Erlöse aus der Belly-Fracht einen Anteil von etwa fünf Prozent am Gesamterlös des Unternehmens. Ein Wegfall von Belly-Erlösen, zum Beispiel durch die Schwächung des Frachthubs Frankfurt durch ein absolutes Nachtflugverbot, würde die heute bereits schwierig zu erreichende Wirtschaftlichkeit einer Strecke durch ständig sinkende Einnahmen pro Passagier weiter verschlechtern. Einzelne Destinationen würden in die roten Zahlen rutschen, was mittelfristig zu einer Einstellung der Strecke führen kann.

Neben den Qualitätsfaktoren Zeit und Erreichbarkeit ist die Sicherheit jeder Warensendung von zentraler Bedeutung. Lufthansa Cargo hat ihr Sicherheitskonzept erweitert und eine Zertifizierung der Frachtstationen als "Premium Security Station" eingeführt. Neben den großen Frachtdestinationen wie Frankfurt, München, New York, Chicago oder Shanghai werden an diesen Stationen umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen angeboten. Sie übertreffen dabei die jeweiligen lokalen und nationalen Anforderungen. Ab August müssen sämtliche Frachtstücke, die an Bord von Passagiermaschinen von oder nach den USA transportiert werden, durchleuchtet werden. Seit Februar 2009 gilt diese Regelung bereits für 50 Prozent aller Frachtstücke. Bislang benötigen Verlader für das Versenden ihrer Fracht eine Zertifizierung als "Bekannter Versender" und "Reglementierter Beauftragter", wie vom EU-Recht gefordert. Dies ist künftig nicht mehr unbedingt nötig, da Lufthansa Cargo die vollständige Sicherheitsüberprüfung eines Containers übernehmen kann.


Autor

Markus Pauly
Kaufmännischer Leiter Hub Frankfurt
Lufthansa
Frankfurt am Main


IHK WirtschaftsForum
April 2010