Siemens Compliance-Programm
Rote Karte für schwarze Schafe
Die Korruptionsfälle, die vor zwei Jahren bei Siemens bekannt wurden, haben die Reputation sowie die Führung und Kultur des Unternehmens tief erschüttert. Das Ausmaß der Vorfälle war nicht auf das Vergehen Einzelner alleine zurückzuführen, sondern hatte systemische Ursachen. Das Auswechseln der Unternehmensspitze und der Aufbau einer neuen Compliance-Organisation waren daher Maßnahmen, um Handlungsfähigkeit und Vertrauen wiederzugewinnen.
Um das Prinzip „Nur saubere Geschäfte sind Siemens Geschäfte“ zur Geltung zu bringen und Compliance-Maßnahmen nachhaltig zu gestalten, setzte der Global Player ein umfassendes Compliance-Programm auf. Dieses verfolgt zwei Ziele. Da Systeme und Verhalten sich gegenseitig beeinflussen, aber beide in jüngster Vergangenheit versagt hatten, waren sie zu verändern. Organisatorische Veränderungen können leichter und schneller bewerkstelligt werden als eine kulturelle Neuorientierung. Beides ist aber von größter Dringlichkeit.
Bezüglich der Strukturen geht es zum Beispiel um die Behebung sogenannter Material Weakness durch Kontrollmechanismen, die der Größe eines Weltunternehmens entsprechen. Auf der Verhaltensseite kommt es zunächst darauf an, ein klares Sig-nal von der Unternehmensspitze zu senden und jedem Mitarbeiter zu verdeutlichen, wie alle Geschäftsaktivitäten Compliance-Anforderungen zu genügen haben. Um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, war und ist es notwendig, die Vorfälle genau zu untersuchen, mit den Behörden zusammenzuarbeiten und angemessene Sanktionen zu ergreifen. Der Weg hin zu einer Führungskultur, in der ethische Standards und Compliance-Prinzipien in einen geschäftlichen Vorteil transformiert werden, ist allerdings noch ein längerer. Dieses Vorhaben muss als Change-Management-Prozess angegangen werden.
Verantwortung übernehmen - auf allen Unternehmensebenen
Erfolgreiche Compliance im Sinne eines Integritätsmanagements fordert die Übernahme von Verantwortung auf allen Ebenen des Unternehmens ein. Dabei geht es nicht nur um die Kenntnis und Einhaltung von Regeln und Richtlinien. Voraussetzung eines solchen Integritätsmanagements sind vielmehr der glaubwürdige und vertrauensvolle Dialog und die Kommunikation durch alle Hierarchieebenen hindurch. Nur so können der notwendige Veränderungsprozess eingeleitet und die Akzeptanz der Mitarbeiter erreicht werden.
Erfolgreiche Compliance im Sinne eines Integritätsmanagements fordert die Übernahme von Verantwortung auf allen Ebenen des Unternehmens ein. Dabei geht es nicht nur um die Kenntnis und Einhaltung von Regeln und Richtlinien. Voraussetzung eines solchen Integritätsmanagements sind vielmehr der glaubwürdige und vertrauensvolle Dialog und die Kommunikation durch alle Hierarchieebenen hindurch. Nur so können der notwendige Veränderungsprozess eingeleitet und die Akzeptanz der Mitarbeiter erreicht werden.
Das Compliance-Programm stützt sich auf die drei Säulen Vermeiden, Früherkennen sowie Reagieren / Sanktionieren. Im Bereich Vermeiden trainiert und vermittelt Siemens Wissen und setzt ein Kontrollsystem um, das wesentliche Schwachstellen beseitigen soll. Im Bereich Früherkennen setzt das Unternehmen auf das Verantwortungsbewusstsein seiner Mitarbeiter und deren Loyalität zum Unternehmen. Mit der Einrichtung des Helpdesk und dessen Instrumenten Ask us und Tell us ermuntert Siemens seine Mitarbeiter, weltweit am Aufbau einer Integritätskultur für das Unternehmen mitzuwirken und schwarzen Schafen die Rote Karte zu zeigen. Im Bereich Respond sanktioniert das Unternehmen und sendet dabei klare Signale: Fehlverhalten wird angemessen und konsequent sanktioniert, niemand darf bei Überschreiten der roten Linie auf ein rettendes Auffangnetz hoffen.
Das Compliance-Programm konzentriert sich nicht nur auf interne Maßnahmen, sondern zielt auf einen Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen, mit NGOs und internationalen Organisationen, die Maßstäbe in Sachen Ethik und Compliance im Wirtschaftsleben setzen. So ist Siemens beispielsweise in der Collective-Action-Arbeitsgruppe des World Bank Institutes (WBI) aktiv. Das Unternehmen ist außerdem Mitglied der Arbeitsgruppe des United Nations Global Compacts (10th Principle) sowie der Antikorruptions-Arbeitsgruppe der International Chamber of Commerce (ICC). Siemens ist dabei, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Compliance-Themen haben die Wirtschaft und die Gesellschaft verändert – Compliance hat auch Siemens verändert.
Dr. Andreas Pohlmann
Chief Compliance Officer
Siemens
München
IHK WirtschaftsForum
November 2008