Innovatives Personalmanagement
Wie Unternehmen den demografischen Wandel erfolgreich meistern können
Die Deutschen – und mit ihnen die Bewohner der meisten westlichen Industrienationen werden immer älter und immer weniger. Für die Wirtschaft bedeutet der demografische Wandel, dass Unternehmen mit immer weniger und immer älteren Mitarbeitern mehr leisten müssen. Den Beratungsunternehmen erwächst hieraus nicht nur ein neues Betätigungsfeld. Sie müssen sich auch selber den Herausforderungen alternder Belegschaften und eines verringerten Fach- und Führungskräftepotenzials stellen, um sich ihre Wettbewerbsfähigkeit bewahren zu können.
Viele Beratungsunternehmen haben sich auf den demografischen Wandel im eigenen Haus bereits eingestellt. Sie motivieren Mitarbeiter auf allen Hierarchieebenen zu kontinuierlicher Weiterbildung. Moderne Instrumente wie E-Learning ermöglichen dabei die Gestaltung individueller Programme und begrenzen den Aufwand. Es geht aber nicht nur darum, die Qualifikation der Mitarbeiter auf dem jeweils neuesten Stand zu halten. Gleichzeitig muss der Verlust von Know-how durch das Ausscheiden älterer Mitarbeiter vermieden werden. Mentorenprogramme, bei denen erfahrene Mitarbeiter ihr Wissen gezielt jüngeren Kollegen weitergeben, sowie webbasierte Knowledge-Management-Lösungen spielen hier eine zentrale Rolle. Als wissensbasierte Organisationen sind die Beratungen prädestiniert, den notwendigen Know-how-Transfer zu steuern.
In einer Zeit alternder Belegschaften ist die Existenz altersabhängiger Gehaltsbestandteile nicht mehr zeitgemäß. Sie konterkarieren zudem alle Strategien, durch ein intelligentes Management des Humankapitals die Leistungs- und Innovationsfähigkeit der Belegschaft zu erhöhen. Viele Beratungen haben folgerichtig Systeme aus individueller Leistungsmessung und -beurteilung sowie Anreizen und Weiterbildung eingeführt, um Leistungsanreize zu schaffen. Bei der Bindung vorhandener und der Rekrutierung neuer Mitarbeiter gehen die Beratungsunternehmen neue Wege. Dazu zählen etwa eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch flexible Arbeitszeitgestaltung oder das Angebot, nach der Teilnahme an zeitraubenden Projekten eine längere Auszeit zu nehmen.
Angesichts des gravierenden Fach- und Führungskräftemangels pflegen die Beratungen stärker als bisher ihr Image als Arbeitgeber, um potenzielle Mitarbeiter auf ihr Unternehmen aufmerksam zu machen und sie zu einem Einstieg zu motivieren. Neben den herkömmlichen Instrumenten wie der Direktansprache der Kandidaten auf Absolventenmessen oder an den Hochschulen, gewinnen integrierte Imagekampagnen mit starken webbasierten Elementen zunehmend an Bedeutung.
All diese Bemühungen werden jedoch nicht ausreichen, um den wachsenden Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern zu decken. Der „War for Talents“ wird künftig auf einer globalen Ebene ausgetragen werden. Denn der demografische Wandel ist nur in den Industriestaaten eine Herausforderung. Weltweit gibt es große Talent-Pools, und gerade in den Schwellenländern steigt ihre Qualifikation mit rasender Geschwindigkeit. Vor allem die international agierenden Unternehmensberatungen werden ihre Mitarbeiter verstärkt weltweit rekrutieren und die Vorteile einer intelligenten, weltweit angelegten Arbeitsteilung nutzen. Dazu benötigen sie globale Talent-Management-Strategien, und sie müssen in der Lage sein, mit kulturell weitaus vielfältigeren Belegschaften als heute zu arbeiten. Im Idealfall mittels einer meist noch zu erarbeitenden, einheitlichen Unternehmenskultur.
Diese Entwicklung bietet den Beratern aber auch enorme Chancen. Nur wer global präsent ist und gleichzeitig lokale Geschäftschancen erkennen kann, wird seine Klienten auf dem Weg in die Emerging Markets erfolgreich begleiten können. Bis dato sind dazu jedoch nur ganz wenige Unternehmensberatungen aufgestellt.
Karen Hoyndorf
Geschäftsführerin
Accenture, Kronberg Ts
In Deutschland mangelt es schon jetzt an Fach- und Führungskräften. Deshalb pflegen die Unternehmensberatungen ihr Image als Arbeitgeber, um qualifizierte Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen und für sich zu gewinnen.
IHK WirtschaftsForum
Januar 2008
Januar 2008
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