Räumliche Nähe zum Markt
Unternehmensberatungen sind Triebkräfte für die Kommerzialisierung von Wissen

Verschiedene Untersuchungen belegen, dass die Metropolregion FrankfurtRheinMain zu den stärksten und vielfältigsten Wissensregionen Europas zählt. Eine einzigartige Konzentration von staatlichen und privaten Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen produziert neues Wissen als Rohstoff für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wohlstand. Doch Wissen muss an den Markt gebracht werden, wenn daraus Wachstum und neue Arbeitsplätze erwachsen sollen.

Auf der betrieblichen Ebene hat die Unternehmensberatung als Triebkraft für die Kommerzialisierung von Wissen eine herausragende Funktion. Insofern ist es logisch, dass „Beratung in Wirtschaft, Recht und Technik“ im Wirtschaftsgeschehen der Region FrankfurtRheinMain ein hohes Gewicht hat. Allein im Stadtgebiet Frankfurt sind mehr als 55 000 Personen beziehungsweise zwölf Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der wirtschaftsnahen Beratung tätig. Nicht mitgezählt sind dabei die Freiberufler und die Berater in der IT-Branche. Die Branche umfasst ganz kleine Unternehmen ebenso wie ganz große. Insgesamt sind in der Statistik der IHK Frankfurt für das Stadtgebiet rund 10 000 Beratungsunternehmen erfasst. Auch in der übrigen Region, in den großen Städten wie in den Gemeinden, spielt die Unternehmensberatung im Wirtschaftsgefüge hinsichtlich Arbeitsplätzen, Wertschöpfung und Know-how-Transfer eine wichtige Rolle.

Zur unmittelbaren Nachbarschaft der Wissensproduzenten kommen noch die vorzüglichen Standortbedingungen des Frankfurter Raums für Unternehmen aller Art hinzu. Aufgrund der starken Konzentration von Unternehmen gibt es einen ergiebigen Markt direkt vor der Haustür. Die zentrale Lage und hohe Konnektivität der Region garantieren zudem den schnellen Zugang zu den Schlüsselmärkten in Deutschland, Europa und darüber hinaus. Nach einer Untersuchung der Frankfurter Universität unterhalten zwei Drittel aller Beratungsunternehmen des Frankfurter Raums Geschäftsbeziehungen zum Ausland. Es liegt auf der Hand, dass der internationale Flughafen Frankfurt hierfür ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.

Aus Sicht der Frankfurter Wirtschaft bildet die Beratungsbranche einen Teil der privatwirtschaftlichen Infrastruktur. Sie ergänzt die harten Standortfaktoren wie Flächen für Wirtschaft und Wohnen, Verkehrsinfrastruktur, Arbeitskräftepotenzial, Ausbildungsinfrastruktur, Ver- und Entsorgung, soziale Infrastruktur sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes ist die privatwirtschaftliche Infrastruktur von großer Bedeutung. Für jede Fragestellung, für jedes Problem gibt es hier eine qualifizierte Antwort und kompetente Lösung.

Die vielfältige Wirtschaftsstruktur stellt große Anforderungen an die Beraterbranche. Hierzu zählt nicht nur die Vielfalt der Branchen, sondern auch die Vielfalt hinsichtlich der Größe, des Alters, der Markt-orientierung von Unternehmen sowie der hier angewandten Technologien. Beratungsunternehmen müssen ein breites Spektrum abdecken, entweder im eigenen Unternehmen oder durch die Kooperation mit spezialisierten Partnern. Die erfolgreiche Bewältigung verbessert die Wettbewerbsfähigkeit des beratenen Unternehmens und stärkt das Know-how sowie die Kompetenz des beratenden Unternehmens. Denn natürlich gibt es im Frankfurter Raum auch die Konkurrenz von importierter Beratungsleistung. Grundsätzlich ist aber die räumliche Nähe zum Markt vorteilhaft.

Mit Blick auf die Region lässt sich feststellen, dass Unternehmens-profil und Erfolg der Beratungsunternehmen in der Regel einem Stadt-Umland-Gefälle folgen. Unternehmen, die in den großen Städten ihren Sitz haben, sind durchschnittlich größer, internationaler orientiert und profitieren besser vom allgemein wachsenden Beratungsmarkt. Dem Beraterstandort Frankfurt kommt eine besondere Bedeutung als Knotenpunkt internationaler Vernetzung zu. Im Prinzip spiegelt sich im Beratungsgeschäft der hohe Internationalisierungsgrad der Frankfurter Wirtschaft. In einer gemeinsamen Untersuchung von IHK Frankfurt, Stadt Frankfurt, FrankfurtRheinMain GmbH und Wirtschaftsförderung Frankfurt wurden im IHK-Bezirk 12 400 ausländische Unternehmen identifiziert, mehr als drei Viertel haben ihren Sitz im Stadtgebiet Frankfurt. Der damit zusammenhängende Beratungsmarkt unterscheidet sich zwangsläufig von dem der breiten Fläche und von Städten mit geringerer Internationalisierung. Die Beratungsbranche in FrankfurtRheinMain ist somit hinsichtlich Angebotspotenzial, Struktur und Marktbedingungen sehr gut aufgestellt und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Region.

Den wichtigsten Beitrag, den die Politik leisten kann, damit sich die Beraterbranche hier wohlfühlt und gut weiterentwickelt, ist der Ausbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur. Das ist in zweifacher Hinsicht von Bedeutung: Zum einen müssen die lokalen Standortbedingungen auf die Bedürfnisse der Beratungsbranche in einer dynamischen Welt zugeschnitten werden und weiter an Qualität gewinnen. Zum anderen müssen die Vielfalt der Wirtschaftsstruktur und die Stärke der lokalen Ökonomie erhalten bleiben. Das bedeutet Marktpotenzial. Für Investitions- und Wachstumsentscheidungen der ansässigen Unternehmen sind hervorragende Standortqualitäten die notwendige Voraussetzung. Das gleiche gilt für Ansiedlungen.

Die Konzentration der Beratungsunternehmen in der Region ist Bestandteil der Standortqualität und zugleich imagebildend. Im globalen Beratungsgeschäft gibt es hinsichtlich des Beraterstandortes FrankfurtRheinMain eine grundsätzliche Kompetenzvermutung oder einen Adressenvorteil. Dieser Ruf muss weiter gestärkt werden. Die IHK Frankfurt und die Wirtschaftsförderung Frankfurt ziehen bei der Vermarktung des Beraterstandortes an einem Strang.

Wie wichtig es ist, die Beratungsbranche in das Standortmarketing einzubeziehen, zeigt das folgende Beispiel: Eine Untersuchung zum Finanzcluster Frankfurt hat die Bedeutung der sogenannten Kibs (knowledge intensive business services) für die Entwicklung des Finanzplatzes herausgestellt. Unternehmensberatungsunternehmen zählen zu den Kibs. Sie haben gro-ßen Anteil an der Wettbewerbsfähigkeit des Clusterkerns – hier dem Finanzsektor – und tragen erheblich zum Wachstum und zur Beschäftigung in der Clusterregion bei. Der Fokus auf die Finanzplatzentwicklung reicht also über den Finanzsektor hinaus und tangiert unmittelbar die Beratungsbranche. Die starke Konzentration von Beratungsunternehmen und ihre Heterogenität bedeuten aus Sicht des Kunden allerdings auch eine gewisse Intransparenz. Dies erschwert auch das Standortmarketing. Es kann vermutet werden, dass auch in der Binnensicht ein Mangel an Transparenz besteht. Das kann im Neugeschäft die projektbezogene Kooperation erschweren.

Das Beratungsgeschäft ist reputationsgetrieben. Langfristige Kundenbeziehungen und neue Geschäftsverbindungen aufgrund von Empfehlungen sind typische Erscheinungen im Consulting Business. Intransparenz des Leistungsspektrums kann in diesem Zusammenhang auch als Schutz gegen die Konkurrenz gesehen werden. Hier eine Lösung zu finden, die zugleich die Interessen der Beratungsbranche wahrt und überdies die Bedürfnisse der Neukunden wie die des Standortmarketings befriedigt, haben sich die IHK Frankfurt und die Wirtschaftsförderung zur gemeinsamen Aufgabe gemacht.

     
Dr. Urda Martens-Jeebe
Geschäftsführerin
Wirtschaftsförderung Frankfurt am Main


Der Ausbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur – hierzu zählt auch der Flughafen – ist Voraussetzung dafür, dass sich die Beraterbranche in FrankfurtRheinMain weiterentwickelt.

IHK WirtschaftsForum
Januar 2008
 

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