Im Jahr 2009 ist das Gründungsinteresse kräftig gestiegen – vor allem aufgrund drohender Erwerbslosigkeit. Doch nur vier von zehn Gründern sind vornehmlich von Pioniergeist getrieben. Gerade jeder 17. strebt eine Gründung in einer Hightech-Branche an. Dies sind Kernbotschaften des DIHK-Gründerreports 2010. Die Hauptaussagen des DIHK-Gründerreports 2010, der auf insgesamt 363.501 Gesprächen mit Existenzgründern fußt:
Gründungsinteresse steigt kräftig.
Erstmals seit vier Jahren wollen in Deutschland wieder deutlich mehr Menschen ein eigenes Unternehmen gründen. Im Krisenjahr 2009 stieg die Zahl der Gespräche bei den IHKs verglichen mit 2008 um 14 Prozent. Wie schon in den Vorjahren dominiert aber Arbeitslosigkeit als Hauptmotiv bei den Existenzgründungen. Sechs von zehn Gründern streben mit der Selbständigkeit vornehmlich einen Ausweg aus der Erwerbslosigkeit an und wollen weniger aus unternehmerischer Berufung heraus eine Idee umsetzen, heißt es in dem Gründerreport. Viele sähen darin auch die Chance auf ein höheres Einkommen als mit Arbeitslosengeld II (Hartz IV). Gründungsbranchen
Viele Gründer bringen zumeist nur wenig eigenes Kapital für die Gründung mit und streben daher eine Selbständigkeit in Branchen an, in denen eine Kleingründung möglich ist. Mehr als zwei von drei wollen deshalb im Dienstleistungssektor starten, etwa im Sozialwesen, als Künstler, in der Marktforschung, in der Gebäudebetreuung, im Garten- und Landschaftsbau oder in den Bereichen Telekommunikation und Informationsdienstleistungen. Besonders viele träumen vom eigenen Lokal: Jeder siebte Teilnehmer einer IHK-Gründungsberatung will sich im Gastgewerbe selbständig machen. Deutlich mehr Stellungnahmen für Förderanträge
Mit einem Anstieg von 32 Prozent ist die Nachfrage nach Gutachten für Förder- und Bürgschaftsanträge deutlich angestiegen. Hier zeigt sich, dass viele Gründer Schwierigkeiten haben, den erhöhten Anforderungen der Banken an Sicherheiten nachzukommen. Wenige Gründungen mit hohem Innovationspotenzial
Nur etwa sechs Prozent der Gründungsinteressierten wollten sich in Hightech-Branchen selbständig machen. Dies entspricht einem Rückgang von 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2006, als die Kammerorganisation erstmals die Zahl der Hightech-Gründer bei den Kammern erhob. In dem Report werden dafür vor allem zwei Gründe genannt: der vergleichsweise hohe Bedarf an Startkapital wegen langer Vorlaufzeiten und des großen Aufwands für Forschung und Entwicklung und das hohe Risiko, am Markt zu scheitern. Für Hightech-Gründer sei es deshalb besonders schwer, "Finanzierungspartner zu finden", heißt es in dem Bericht. Gerade Gründungen in der Informations- und Kommunikationstechnik oder Gesundheits- und Medizintechnik "setzen jedoch Impulse für Wachstum und Beschäftigung. Im ersten Geschäftsjahr schaffen Hightech-Unternehmen vier bis sechs Arbeitsplätze - und damit doppelt so viel wie der Durchschnitt der Gründungen Gründungsqualität lässt nach
Ein großes Problem: Pioniergeist steht zumeist nicht Pate bei den Existenzgründungen – und die Qualität der Geschäftskonzepte lässt nach: Gerade arbeitslose Gründer begeben sich oftmals übereilt in das Abenteuer Selbstständigkeit: Zwei Drittel der arbeitslosen Gründer können die Vorzüge ihrer Idee gegenüber Konkurrenzangeboten nicht hinreichend erklären, die eher unternehmerisch motivierten Gründer sind zumeist deutlich besser vorbereitet. Fazit des DIHK
Trotz fast 200 Förderprogrammen für Existenzgründer ist es nicht gelungen, eine Welle von Gründungen mit hohem Erfolgspotenzial anzustoßen. Gebraucht wird in den Schulen und Universitäten eine deutschlandweite Offensive für das Verständnis von Unternehmertum. Ohne findige Unternehmer verspielt Deutschland die Chance auf Wachstum und Innovationen. Angesichts der demografischen Entwicklung und Gründungsneigung der Deutschen wird es im Jahr 2050 über eine halbe Millionen Unternehmer weniger geben als heute. Vor diesem Hintergrund ist es schon ein Skandal, dass in den meisten Schulbüchern das Thema Unternehmertum allenfalls ein Schattendasein fristet. Die Verankerung von unternehmerischer Selbstständigkeit im Bildungssystem ist ein wichtiger Baustein der Initiative der Bundesregierung "Gründerland Deutschland“, die die IHK-Organisation unterstützt. Die Bundesregierung sollte dabei auch die Länder mit ins Boot holen - insbesondere wegen deren bildungspolitischer Kompetenz.
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