Versicherungsschutz für Existenzgründer

I. Einführung


Um Risiken, die durch die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit, ob freiberuflich oder gewerblich, abzusichern, sollte im Vorfeld einer Existenzgründung eine "Risikoanalyse" durchgeführt werden. Dabei ist kritisch zu beleuchten, welche Versicherungen für den Existenzgründer tatsächlich notwendig sind und auf welche u. U. verzichtet werden kann. Die an dieser Stelle aufgeführten Informationen können dabei nicht die individuelle Beratung eines Versicherungsunternehmens, -maklers oder einer Agentur ersetzen, sondern sollen einen ersten Überblick über Risiken und Vorsorgemöglichkeiten geben.


II. Absicherung gegen zufällige, im Einzelfall ungewisse Ereignisse


Die Risiken bei einer selbständigen Tätigkeit lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:


existenzgefährdende Risiken


z. B. Brand, schwere Erkrankung etc.


finanzielle Risiken mit mittleren Auswirkungen


z. B. kurzfristiger Produktionsausfall, Diebstahlschäden, Unfälle geringerer Schwere


und geringere Risiken


z.B. Risiken, die den Existenzgründer im Schadensfall nur in begrenztem Maß belasten und durch eigene Mittel absicherbar sind.


Gerade durch Vorbeugung gegen einen Schadensfall, z. B. durch den Einbau einer Alarmanlage, können Beitragsnachlässe bei Versicherungsgesellschaften ausgehandelt werden. Auch die Kombination verschiedener Versicherungen zu Versicherungspaketen kann zu einer Kostenersparnis führen.


Man sollte sich bei der Auswahl des individuellen Versicherungsschutzes kompetenten Rat einholen und dabei einen Angebotsvergleich anstellen.


Nicht vergessen werden darf die Anmeldung bei der gesetzlichen Unfallversicherung, einer Pflichtversicherung für Unternehmen, welche u. a. die Arbeitsunfälle von Angestellten absichert.


III. Auswahl verschiedener Versicherungen


1. Betriebliche Versicherungen


Um das Unternehmen vor Verlusten durch Schäden, die durch mangelnde Qualifikation von Mitarbeitern oder Fahrlässigkeit entstehen, zu schützen, werden verschiedene Versicherungen angeboten.


Versicherungen gegen Schäden durch: Feuer, Sturm und Wasser


Zusätzlich zu den Schadenskosten bei o. g. Ereignissen kann durch eine Betriebsunterbrechungsversicherung auch das finanzielle Risiko für weiterzuzahlende Löhne, Zinsen u. ä. bis zur Schadensbeseitigung abgesichert werden: z.B. durch eine Diebstahl-/ Einbruchsversicherung und Glasversicherung.


1.1. Haftpflichtversicherungen:


Berufs- und Betriebshaftpflicht

Regulierung von Schäden, die durch die Tätigkeit des Unternehmens entstehen, z. B. Beschädigung von Kundeneigentum bei Anlieferung einer Ware.


Produkthaftpflicht

Übernahme der Haftung für Produktmängel, die zu Lasten des Unternehmens gehen.


Umwelthaftpflicht

Schutz vor Schadensersatzansprüchen durch Umweltschäden, die bei der selbständigen Tätigkeit verursacht werden.


Kraftfahrzeughaftpflicht

Pflichtversicherung sowohl für das privat wie für das gewerblich genutzte Fahrzeug und Absicherung der durch Kraftfahrzeugeinsatz verursachten Schäden. Durch den Zusatz einer Teil- bzw. Vollkaskoversicherung können auch die Schäden am eigenen Fahrzeug versichert werden.


Tipp: Vor dem Kauf des Fahrzeugs sollte mit der Versicherungsgesellschaft über die anfallenden Kosten gesprochen werden, da die Tarife nach Fahrzeugtyp, Motorleistung, Diebstahlshäufigkeit etc. stark variieren.


1.2. Weitere betriebliche Versicherungen


Elektronikversicherung bzw. spezielle Computerversicherungen

Absicherung von finanziellen Verlusten durch den Ausfall z. B. der EDV-Anlage.


Spezielle Versicherungen treten auch bei Computermissbrauch oder Viren bzw. dem Verlust von gespeicherten Informationen oder Programmen (zumindest finanziell) ein.


Maschinen- und Maschinenbetriebsunterbrechungsversicherung

Absicherung von finanziellen Verlusten, die durch Bedienungs- oder Wartungsfehler entstehen sowie Ertragsausfälle durch die Instandsetzung der beschädigten Maschine.


Transportversicherungen

Warentransportversicherungen versichern Güter, die auf eigene Gefahr von einem Dritten transportiert werden. Bei einem Eigentransport kann durch den Abschluss einer Werkverkehr- oder Auto-Inhaltsversicherung das Risiko minimiert werden.


Ausstellungsversicherung

Diese Versicherung tritt bei Schäden von Produkten während Messen und Ausstellungen ein.


Versicherung von Forderungsausfällen

Falls Außenstände z. B. durch eine Kundeninsolvenz uneinbringbar werden, können diese durch eine Delkredereversicherung bzw. Warenkreditversicherung (Inland) oder Ausfuhrkreditversicherung (Ausland) abgesichert werden.


Rechtsschutzversicherung

Kosten bei Rechtsstreitigkeiten wie Anwalts-, Gerichtskosten und ähnliche Kosten können durch den Abschluss dieser Versicherung vermindert werden. Unterschieden werden dabei z. B. Verkehrs- sowie Vermögensschaden, Grundstücks- und Mietrechtsschutz.


Betriebskostenversicherung

Bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit des Unternehmers werden die laufenden Betriebskosten übernommen.


Arbeitsausfallversicherung

Bei krankheitsbedingtem Ausfall von Mitarbeitern kann die Übernahme der Kosten für die 6-wöchige Lohnfortzahlung versichert werden.


2. Soziale Absicherung/ Private Versicherungen


Soziale Absicherung


Als abhängig Beschäftigter waren Sie in der gesetzlichen Kranken-, Renten-, Unfall-, und Arbeitslosenversicherung und seit dem 01.01.1995 in der gesetzlichen Pflegeversicherung pflichtversichert. Mit dem Schritt in die Selbständigkeit haben Sie nun selbst Sorge zu tragen, inwieweit Sie sich absichern. Sie sind jedoch weiterhin in der privaten Pflegepflichtversicherung versichert und müssen hier Beiträge zahlen. Die Beiträge zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung fallen auf jeden Fall weg, da Sie als Selbständiger dort keine Möglichkeit haben, sich freiwillig abzusichern.


2.1. Gesetzliche Krankenversicherung


Als Träger der gesetzlichen Krankenversicherung treten die Orts-, Innungs- und Betriebskrankenkassen sowie die Ersatzkassen auf. Hier ist jeder Arbeitnehmer bis zu einer bestimmten Einkommensgröße Pflichtmitglied. Selbständig Erwerbstätige unterliegen grundsätzlich nicht der Krankenversicherungspflicht. Ein Selbständiger kann somit kein Mitglied bei der gesetzlichen Krankenversicherung sein. Es sei denn, er versichert sich vor Ablauf einer 3-Monatsfrist freiwillig dort weiter. Personen, die sich freiwillig versichern lassen und als Mitglieder aus der Versicherungspflicht ausgeschieden sind, müssen in den letzten fünf Jahren vor dem Ausscheiden mindestens 24 Monate oder unmittelbar vor dem Ausscheiden ununterbrochen mindestens 12 Monate versichert gewesen sein.


2.2. Gesetzliche Rentenversicherung


Zur gesetzlichen Rentenversicherung gehören die Rentenversicherungen der Arbeiter, Angestellten und die knappschaftliche Rentenversicherung. Da in der Rentenversicherung grundsätzlich alle Personen, die als Arbeitnehmer beschäftigt sind, versichert werden, hat der Selbständige (von einigen Ausnahmen wie z. B. Lehrer, Künstler, Handwerker, ... abgesehen) für diesen Versicherungsschutz selbst vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Ein Rentenanspruch besteht nach fünfjähriger Zugehörigkeit. Der selbständig Erwerbstätige hat die Möglichkeit, wenn er nicht bereits versicherungspflichtig ist, sich auf Antrag pflichtversichern zu lassen. Hierdurch erlangt er denselben Versicherungsschutz wie die pflichtversicherten Selbständigen. Der Antrag auf Pflichtversicherung ist innerhalb von fünf Jahren nach Beginn der selbständigen Tätigkeit zu stellen. Nach Bewilligung ist allerdings eine Rücknahme des Antrages nicht möglich, d. h. der Unternehmer bleibt für die Dauer der Selbständigkeit versicherungspflichtig.


2.3. Pflegeversicherung


Grundsätzlich sind alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig. Auch freiwillig versicherte Mitglieder unterliegen der Versicherungspflicht. Für sie besteht jedoch die Möglichkeit einen Befreiungsantrag innerhalb von drei Monaten zu stellen, wenn der Nachweis einer entsprechenden privaten Versicherung erbracht werden kann. So können z. B. die freiwillig versicherten Existenzgründer zwischen einer privaten oder gesetzlichen Pflegeversicherung wählen. Derjenige, der seine gesetzliche Pflegeversicherung verlässt, kann als Selbständiger dort nicht wieder Mitglied werden. In der gesetzlichen Pflegeversicherung sind Ehepartner und Kinder kostenfrei mitversichert. Die private erhebt dagegen für den Ehegatten einen zusätzlichen Beitrag. Kinder sind jedoch ebenfalls beitragsfrei pflegeversichert.


2.4. Gesetzliche Unfallversicherung


Die gesetzliche Unfallversicherung ist eine Haftpflichtversicherung der Arbeitgeber. Aufgabe der Unfallversicherung ist es mit allen geeigneten Mitteln Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten, nach Eintritt von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Versicherten mit allen geeigneten Mitteln wiederherzustellen und sie oder ihre Hinterbliebenen durch Geldleistungen zu entschädigen. Träger der Unfallversicherung sind in der Regel die Berufsgenossenschaften. Inwieweit Unternehmer auch versicherungspflichtig sind, wenn sie keine Personen beschäftigen, ist von der jeweils unterschiedlichen Satzung der Berufsgenossenschaften abhängig.


2.5. Private Versicherungen


Wir stellen hierbei nur kurz einige Versicherungsformen vor, ohne diese näher zu erläutern. Sie sollten hier, wie auch bei allen anderen Versicherungsarten, auf jeden Fall sich mit einem Fachmann in Verbindung setzen.


2.6. Kapitallebensversicherung


Diese Versicherungsform dient als finanzieller Schutz im Alter und für die Familie. Zusätzlich zu der vereinbarten Versicherungssumme werden die von der Versicherung erwirtschafteten Überschüsse ausgezahlt. Weiterhin sichert die Versicherung die Hinterbliebenen beim Tod des Existenzgründers ab.


2.7. Risikolebensversicherung


Mit dieser Versicherung lässt sich lediglich das Todesfallrisiko finanziell absichern, d. h. stirbt der Versicherte, wird die vereinbarte Versicherungssumme an die Hinterbliebenen ausgezahlt.


2.8. Private Rentenversicherung


Im Gegensatz zur Kapitallebensversicherung mit einmaliger Auszahlung kann man sich für eine spätere Privatrente entscheiden. Es wird vertraglich die Beitragshöhe, Höhe der garantierten Rente, Beginn der Auszahlung und ggf. Leistungsumfang für die Hinterbliebenen vereinbart.


2.9. Berufsunfähigkeitsversicherung


Hierbei wird der Ausfall des Unternehmers durch Berufsunfähigkeit abgesichert. In der Regel wird diese Leistung gewährt, wenn der Versicherte länger als sechs Monate durch Krankheit oder Unfall an der Berufsausübung gehindert wird.


2.10. Private Unfallversicherung


Im Gegensatz zur gesetzlichen Unfallversicherung gilt die private Unfallversicherung "rund um die Uhr", d. h. nicht nur im Beruf, sondern auch in der Freizeit. Allerdings wird die Leistung nur bei Unfällen gewährt, nicht bei Krankheit.


2.11. Private Krankenversicherung


Sollte der Existenzgründer nicht freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung sein, so bleibt ihm nur die private Krankenversicherung zur Absicherung vor Krankheitskosten.


Krankenhaus-Tagegeldversicherung

Damit können bei stationärer Behandlung verschiedene Nebenkosten abgesichert werden.


Krankenhaus-Zusatzversicherung

Sollte der Unternehmer noch Mitglied bei der gesetzlichen Krankenversicherung sein, kann er mit der Krankenhaus-Zusatzversicherung Zusatzleistung (z. B. Ein- oder Zweibettzimmer, privatärztliche Behandlung) bei einem Krankenhausaufenthalt absichern.


Krankentagegeldversicherung

Diese Versicherung fängt Verdienstausfälle bei Erkrankung des Selbständigen auf, unabhängig davon, ob die Behandlung zu Hause oder im Krankenhaus erfolgt.


2.12. Pflege-Zusatzversicherung


Die gesetzliche-, wie die private Pflegepflichtversicherung bieten nur einen Grundschutz. Wer darüber hinaus gehende Leistungen im Pflegefall beanspruchen möchte, kann sich mit dieser Versicherung zusätzlich privat absichern.


IV. Schlussbemerkung


Die vorangegangen Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ohne fachkundigen Rat und mit einer individuellen Risikoanalyse kann ein solches komplexes Thema nur angerissen werden.


Weiterführende Informationen und Kontaktadressen erhalten Sie beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV), Friedrichstr. 191, 10117 Berlin, Telefon: 030/20 20 50 00 Fax: 030/20 20 60 00.



Wie viele Versicherungen braucht ein Unternehmen?


Diese Fragen werden zwar oft gestellt, gehen aber am Kern des Problems vorbei. Nicht die Zahl der Policen ist entscheidend, sondern ein am Bedarf orientierter Versicherungsschutz. Deshalb heißt eine Grundregel: Nicht so viele Policen wie möglich, sondern so viele Versicherungen wie nötig. Unterversicherung sollte dabei ebenso vermieden werden wie Über- oder Doppelversicherung.


Die Checkliste: Welche Versicherung brauche ich?


Mit Hilfe folgender Checkliste können Sie sich einen Überblick darüber verschaffen, welche Risiken Sie in Ihrem Unternehmen versichern sollten und welche nicht.