Bankenausschuss: Kräfte für Finanzplatz bündeln
Frankfurt ist der Finanzplatz, der für den Finanzstandort Deutschland steht. IHK Frankfurt und Bankenausschuss kämpfen gemeinsam für den Finanzplatz und dessen kontinentaleuropäische Führungsrolle.
Der Finanzplatz Frankfurt ist der bedeutendste Standort für Banken und Finanzdienstleistungen in Kontinentaleuropa und von entscheidender Bedeutung für die Wirtschaftskraft der Region FrankfurtRheinMain. Zahl und Bedeutung von Kreditinstituten, Börse, Finanzintermediären, aber auch fachbezogener Wissenschaftseinrichtungen, sichern eine Stellung, die europaweit nur von der City of London übertroffen wird. Im weltweiten Ranking der Finanzzentren behauptet Frankfurt den vierten Platz hinter New York, London und Tokio. Auch nach der Finanzkrise hat der Finanzplatz Frankfurt nichts von seiner Attraktivität eingebüßt.
Mit ihrem Bankenausschuss verfügt die IHK Frankfurt über ein hoch kompetentes Fachgremium für das deutsche Finanzzentrum am Main. IHK Frankfurt und Bankenausschuss kämpfen gemeinsam für den Finanzplatz Frankfurt und die kontinentaleuropäische Führungsrolle. Nach einem langen Überzeugungs- und Entwicklungsprozess ist es inzwischen gelungen, ein gemeinsames Dach für die Außendarstellung und das Marketing des Finanzplatzes Frankfurt zu schaffen. Bankenausschuss und IHK Frankfurt unterstützen „Frankfurt Main Finance“ als erfolgreiches Markenzeichen für den Finanzplatz, seine Community und Institute.
Bedeutung des Finanzplatzes Frankfurt ausbauen
Der Bankenausschuss begleitet die Strategie, den Finanzplatz zum Zentrum der Aufsicht über die europäischen Finanzmärkte zu entwickeln. International tätige Unternehmen der Finanzindustrie betrachten das deutsche Finanzzentrum als den bevorzugten Standort ihrer Geschäftsaktivitäten. Hier werden zentriert an einem Ort neue Finanzprodukte erdacht, produziert und länderübergreifend vertrieben. Der Bankenausschuss wirbt für das Bewusstsein der Finanzindustrie, dass der Erfolg des Finanzplatzes Deutschland und mittelbar auch ihr eigenes Ansehen eng mit einer Schwerpunktbildung am Finanzplatz Frankfurt verbunden sind. Damit wird die kritische Masse der Finanzplatz-Akteure am Main stabilisiert – nicht nur die der Banken als die klassischen, weitreichend verankerten Finanzinstitute, sondern auch neuerer Player mit zunehmendem Gewicht für das Finanzwesen, wie Investmentfonds oder Private-Equity-Gesellschaften.
Die jüngsten Finanzmarktturbulenzen haben nicht nur die Akteure an den Märkten in Aufruhr versetzt, sie haben auch die verschiedenen Regulierungsgremien weltweit auf den Plan gerufen. Die Frage nach dem richtigen Regulierer geht aber auch mit der Frage nach dem richtigen Maß der Regulierung einher. Dies setzt eine intensive Diskussion über die Tiefe möglicher regulatorischer Eingriffe voraus. Es geht vor allem darum, eine wirkungsvolle Regulierungsarchitektur zu implementieren. Jüngstes Beispiel dafür ist die Forderung des Finanzausschusses des Europäischen Parlaments, die gesamte künftige Finanzaufsicht Europas in Frankfurt zu bündeln.
Finanzmarkt-Regulierung international abstimmen
Deshalb fordert der Bankenausschuss eine international abgestimmte Regulierung der Finanzmärkte. In der „Frankfurter Erklärung zur Regulierung der Finanzmärkte“ appelliert das Gremium, auf nationale Alleingänge bei der Finanzmarktregulierung zu verzichten und keinerlei Maßnahmen einzuleiten, die den Finanzplatz Frankfurt und damit die deutsche Finanzindustrie im internationalen Wettbewerb benachteiligen. Eine gut ausbalancierte Regulierung begünstigt die Ansiedlung weiterer Finanzmarktakteure und setzt Grenzen, wo es zu Fehlentwicklungen auf den Kapitalmärkten kommt. Nach Ansicht des Ausschusses ist es für die Regulierung und die Aufsicht über die Akteure am Finanzmarkt erforderlich, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht am Finanzplatz Frankfurt gebündelt wird. Zudem spricht sich der Ausschuss dafür aus, die Vorrangstellung Frankfurts als Wissenschaftsstandort mit hoher finanzwirtschaftlicher Kompetenz zu festigen, um Produktivität, Innovationskraft und damit Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes nachhaltig zu erhöhen. Des Weiteren muss ein koordiniertes, selbstbewusstes Marketing für den Finanzplatz Frankfurt – als Synonym für den Finanzplatz Deutschland insgesamt – das deutsche Finanzzentrum im globalen Wettbewerb klar positionieren und seine Standortvorzüge bewusst machen.
Frankfurt hat sich im Wettbewerb global vernetzter Börsen ausgesprochen gut geschlagen. Dies ist sicher der Vielzahl von Stärken zu verdanken, die diesen Finanzplatz auszeichnen. Das weltweite Netzwerk, das die Deutsche Börse um den Globus gespannt hat und weiter spannen muss, ändert nichts an der lebensnotwendigen Verbundenheit mit dem Finanzplatz Frankfurt. Einerseits gibt die Deutsche Börse dem Raum Frankfurt durch ihren Erfolg nachhaltig wirtschaftliche Stabilität und sichere Arbeitsplätze sowie internationales Ansehen. Andererseits schöpft die Deutsche
Börse aus dieser Region Kraft, ohne die sie die Herausforderungen des globalen Wettbewerbs kaum bewältigen könnte.
Neben dem Finanzkapital spielt aber auch das Humankapital im Wettstreit der Metropolen eine entscheidende Rolle. Der Finanzplatz hat mit dem House of Finance und der Frankfurt School of Finance & Management eine intellektuelle Infrastruktur geschaffen, die mit den Finanzplätzen London und Paris durchaus gleichberechtigt konkurrieren kann.
Autor
Dr. Lutz Raettig
Vizepräsident und Vorsitzender
Bankenausschuss IHK Frankfurt und
Geschäftsleiter
Morgan Stanley Bank International
Niederlassung Deutschland
Frankfurt
lutz.raettig@morganstanley.com
IHK WirtschaftsForum
Februar 2011

Die Mitglieder:
1 Hans-Dieter Homberg, Vorsitzender des Vorstandes, Taunus-Sparkasse; 2 Hans-Joachim Reinhardt, Geschäftsführer, IHK Frankfurt; 3 Andreas Povel, Geschäftsführer, Xchanging Transaction Bank; 4 Tilman Wittershagen, Mitglied der Geschäftsleitung, Deutsche Bank, Filiale Deutschlandgeschäft; 5 Udo Belz, Leiter der Niederlassung, IKB Deutsche Industriebank; 6 Dr. Frank Pörschke, Sprecher des Vorstandes, Eurohypo; 7 Dr. Volker van Rüth, ehemaliger persönlich haftender Gesellschafter, Hauck & Aufhäuser Privatbankiers; 8 Herbert-Hans Grüntker, Vorsitzender des Vorstandes, Frankfurter Sparkasse; 9 Dr. Reinhard Schlenke, Sprecher des Vorstandes, Alte Leipziger Bauspar AG; 10 Sylvia M. Seignette, Vorsitzende der Geschäftsführung, Crédit Agricole Corporate and Investment Bank Deutschland; 11 Dr. Ingrid Hengster, Mitglied des Vorstandes, RBS (Deutschland); 12 Jürgen Weber, Vorsitzender des Vorstandes, Sparda-Bank Hessen; 13 Wolfgang Köhler, Mitglied des Vorstandes, DZ Bank Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank; 14 Michael Schmid (Referent), Bereichsvorstand, Sonderbeauftragter des Vorstandes für Mittelstandskredite, Commerzbank;
15 Dr. Andrea Marlière (Referentin), Geschäftsführerin, NetCo Consulting; 16 Dr. Hans Reckers (Referent), Vorstandsmitglied a. D., Deutsche Bundesbank; 17 Dr. Rainer Stephan, Chairman, Barclays Bank PLC Frankfurt Branch; 18 Dr. Lutz Raettig, Geschäftsleiter, Morgan Stanley Bank, International Limited, Niederlassung Deutschland; 19 Dr. Gertrud Traud (Referentin), Chefvolkswirtin, Helaba Landesbank Hessen-Thüringen; 20 Dr. Horst Reinhardt, Mitglied des Vorstandes, Landwirtschaftliche Rentenbank.
Dem Ausschuss gehören außerdem an: Hans-Dieter Brenner, Vorsitzender des Vorstandes, Helaba Landesbank Hessen-Thüringen; Detlef Hermann, Bereichsvorstand Mittelstandsgeschäft, Commerzbank; Fred B. Irwin, Mitglied des Vorstandes, Citigroup Global Markets Deutschland; Dr. Bernd Laber, Bereichsvorstand International, Commerzbank; Kornelia Manchanda, Direktorin der Niederlassung Hessen, UniCredit Bank; Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter, B. Metzler seel. Sohn & Co.; Hans-Joachim Tonnellier, Vorsitzender des Vorstandes, Frankfurter Volksbank; Franz Waas, Vorsitzender des Vorstandes, DekaBank Deutsche Girozentrale.
Finance Future Forum
Rückblick: Finanzplatztag