Israel
Forschung als Wachstumsmotor

Israels Wirtschaft boomt wieder. In den vergangenen vier Jahren stieg das BIP kontinuierlich mit Wachstumsraten von über vier Prozent. Die Hightech-Branchen, die 2006 um schätzungsweise 17 Prozentpunkte zulegen konnten, entwickeln sich zum Zugpferd der Wirtschaftsentwicklung. Nach den USA ist Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner Israels für Industrieprodukte. Insgesamt erreicht der bilaterale Warenaustausch im Jahr 2006 ein Rekordvolumen von 4,1 Milliarden Euro.

Kaum ein anderes Land hat den Strukturwandel vom Agrarstaat zum Produzenten von Spitzentechnologie so schnell vollzogen wie Israel. Das Land zählt heute zu den 20 führenden Industriestaaten der Welt. Mit einem geschätzten Pro-Kopf-Einkommen von rund 21 000 US-Dollar im Jahr 2007 hat das Land längst westeuropäische Standards erreicht. Der deutsch-israelische Warenaustausch wird charakterisiert durch einen beiderseits großen Anteil von Hochtechnologieprodukten, auch dies ist typisch für den Handel zwischen entwickelten Ländern.

Deutschland exportiert nach Israel unter anderem Ausrüstungen für den Kraftwerksbau, Energie- und Verkehrstechnik, Erzeugnisse der Telekommunikation, der Optik, der Mess- und Regeltechnik, Medizintechnik sowie natürlich auch der Chemie, des Fahrzeugbaus und Konsumgüter. Bei den Einfuhrgütern stehen chemische Produkte an erster Stelle, dann folgen Nahrungsmittel aus dem wettbewerbsfähigen israelischen Agrarsektor sowie elektronische Bauelemente, Mechatronikprodukte und wieder Medizintechnik und Nachrichtentechnik. Besonders erfreulich dabei ist der hohe Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen am deutsch-israelischen Außenhandel.

Eine wichtige Grundlage der deutsch-israelischen Wirtschaftsbeziehungen ist das vor sieben Jahren in Kraft getretene Assoziationsabkommen zwischen der EU und Israel, das den Freihandel zwischen Israel und der inzwischen erweiterten EU regelt. Bemerkenswert ist, dass Israel zu dem noch überschaubaren Kreis von Ländern gehört, die ein Freihandelsabkommen mit der EU sowie den USA und Kanada unterhalten.

Die konjunkturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen in Israel sind so gut wie seit Jahren nicht: Israel verzeichnete 2006 ein robustes Wachstum von real 5,1 Prozent, in diesem Jahr wird ein Plus von 4,8 Prozent erwartet. Als Wachstumsbranchen gelten die Elektroindustrie, die Pharmaindustrie und Geschäftsdienstleistungen.

Besonders beeindruckend sind die enormen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten (FuE). Mit einem Anteil der Ausgaben für FuE am Bruttoinlandsprodukt von etwa vier Prozent gehört Israel zur absoluten Weltspitze. Auf 10 000 Einwohner entfallen in Israel 140 Ingenieure beziehungsweise Wissenschaftler, in den USA sind es 70, in Deutschland gerade einmal 48. Die intensive industrielle FuE-Tätigkeit bietet auch deutschen Unternehmen gute Möglichkeiten zum Technologiezukauf und zu Forschungs-kooperationen.

Als einziges Land im Nahen und Mittleren Osten ist Israel schon seit 1996 Teil des Forschungsrahmenprogramms der EU, welches eine volle Teilnahme Israels an den EU-Forschungsprogrammen ermöglicht. Damit auch kleinere und mittlere israelische Firmen sich mit diesen Programmen beschäftigen, hat die israelische Regierung jüngst ein spezielles Förderinstrument eingeführt, das auch deutschen Partnern zugute kommen kann.   


IHK WirtschaftsForum
Juli - August 2007