Deutsche Auslandshandelskammern
 

Solarindustrie
Bewusstseinswandel

In den Vereinigten Staaten haben sich die Rahmenbedingungen für die Förderung erneuerbarer Energien weiter verbessert. Insbesondere die Solarindustrie profitiert von steuerlichen Anreizen und günstigen Krediten.

Seit Jahren mehren sich die Anzeichen dafür, dass innerhalb der amerikanischen Bevölkerung ein Bewusstseinswandel zu einem umweltbewussteren und sparsameren Umgang mit Energie und den natürlichen Ressourcen stattfindet. Hinzu kommt, dass der Wechsel der US-Administration unter Barack Obama eine weitgehende Neuorientierung in der US-Energiepolitik eingeleitet hat. Die vom neuen US-Präsidenten eingeleiteten Maßnahmen verbessern nun die Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum im Bereich erneuerbare Energien erheblich.

Der im Februar 2009 verabschiedete „Recovery and Reinvestment Act“ hat mit dem Beschluss des „Advanced Energy Tax Credit“ die Förderung der Fotovoltaik-Industrie durchgesetzt. Der Advanced Energy Tax Credit kreditiert 30 Prozent der Investitionskosten und ist als direkte Barzahlung angelegt. Dank dieser Maßnahmen wurde die Solarindustrie auch weniger hart von der Wirtschaftskrise getroffen.

Im ersten Halbjahr 2009 waren in den USA dadurch bereits mehr neue Produktionsanlagen in Planung als in den vergangenen drei Jahren zuvor; ein Beleg für den weiteren Aufschwung des Fotovoltaik-Anlagenbaus in den USA. Diese Entwicklung verdeutlicht zudem, dass die jüngsten politischen Weichenstellungen als Beschleuniger wirken. Dass diese Entwicklung enorme Marktchancen bietet, haben Hersteller aus Europa, aber auch aus Asien längst erkannt. Viele drängen auf den US-Markt und setzen dabei auf eigene Produktionsstätten, da höhere Lohnkosten durch niedrigere Transportkosten nahezu ausgeglichen werden. Prognosen zufolge wird es bis 2012 in den USA 38 Fotovoltaik-Produktionsanlagen geben. Derzeit sind es 27 Anlagen.

Deutsche Unternehmen auf dem US-Markt
Deutsche Solarunternehmen, wie beispielsweise Suntechnics, Solarworld und Schüco, sind schon seit Längerem auf dem US-Markt aktiv. Viele davon haben mit einem Standort begonnen und sind durch Aufkäufe amerikanischer Solarunternehmen beziehungsweise durch die Eröffnung von Zweigstellen stetig gewachsen. Zudem beginnen deutsche Solarunternehmen damit, in den USA solares Equipment zu fertigen oder ihre Fertigungskapazitäten auszuweiten.

Laut der Studie „Photovoltaik Manufacturing in the U.S.“ des Medien- und Marktforschungsunternehmens Greentech Media liegen die größten Chancen der deutschen Fotovoltaik-Industrie im schnell wachsenden amerikanischen Produktionsstandort. Die Analysten gehen bis 2012 von jährlichen Wachstumsraten um die 50 Prozent aus. Für den Modulabsatz erwarten sie eine Wachstumsrate von 45 Prozent.

Die Mischung aus steuerlichen Anreizen und Krediten, Kooperationspartnern und Modulpreisen macht viele Regionen in den USA zu interessanten Investitionsstandorten. Hierbei sind die sonnigen Staaten nicht immer unbedingt diejenigen, die auch am meisten Sonnenenergie erzeugen. Obwohl das sonnige Kalifornien 2008 die Liste der Top-US-Solarstaaten anführt, folgt New Jersey im Nordosten der USA auf Platz zwei. Colorado, Nevada und Arizona folgen auf den Plätzen drei bis fünf.

Bei der Auswahl des Standorts für eine US-Zweigstelle oder Produktionsstätte kann es für deutsche Unternehmen hilfreich sein, Experten zurate zu ziehen, die sich mit den regionalen Besonderheiten auf dem Markt auskennen. Die Auslandshandelskammern Nordamerikas mit ihrer Expertise im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz können für deutsche Unternehmen bei der Auswahl eines geeigneten Standortes ein Ansprechpartner sein. Es bleibt abzuwarten, ob und in welchem Umfang die US-Regierung ihre ehrgeizigen Ziele weiterhin in die Praxis umzusetzen kann und ob die Wachstumsprognosen für 2010 zutreffen werden. Aber eines steht jetzt schon fest: Mit den USA als Solarstandort ist wieder zu rechnen. 


Autor

Kai Ulrich
Deputy Managing Director
German American Chamber of Commerce
California Branch, San Francisco


Round Table

Ein Round Table zum Thema „Solarchancen in den USA“ mit einem Überblick über Marktchancen sowie Erfahrungsberichten der SMA Technology und der Messe „Solar Power“ findet
am Freitag
26. März
10.15 bis 12.15 Uhr
in der IHK Frankfurt am Main statt.

Infos und Kontakt
IHK Frankfurt am Main
International

IHK WirtschaftsForum
März 2010