KfW-Kredite
Keine Angst vor Auslandsgeschäften

Die Märkte in Mittel- und Osteuropa sind inzwischen für viele Unternehmen nahe liegende Standorte, die Globalisierung beginnt sozusagen vor der Haustüre. Laut einer Studie der KfW-Bankengruppe fließen mittlerweile 29 Prozent der Gesamtinvestitionen der mittelständischen Wirtschaft dorthin. Aber auch in Westeuropa und den attraktiven Märkten Asiens, Amerikas und Afrikas steigt die Zahl der engagierten deutschen Unternehmen kontinuierlich an. Günstige Fördermittel tragen wesentlich dazu bei, dass auch kleinere Betriebe den Sprung ins Auslandsgeschäft wagen.

In aller Regel bedeutet ein langfristig angelegtes Auslandsengagement für Unternehmen eine erhebliche finanzielle Kraftanstrengung. Art und Struktur der Finanzierung wollen gut überlegt sein, schließlich entscheiden sie wesentlich über Erfolg oder Misserfolg des Vorhabens. Öffentliche Förderkredite wie die der KfW-Mittelstandsbank helfen, die Finanzierungsbasis für Auslandsinvestitionen zu verbreitern – und legen damit nicht selten erst den Grundstein für den Erfolg im Ausland.

Ein Blick auf die Konditionen: Der effektive Jahreszins für den KfW-Unternehmerkredit-Ausland beginnt bei 4,20 Prozent. Mit Hilfe dieses Darlehens, es ist banküblich abzusichern, kann der Kreditnehmer bis zu zehn Millionen Euro günstig über öffentliche Mittel finanzieren. Das Besondere dabei: Der individuelle Zinssatz bemisst sich jeweils nach Sicherheiten und Bonität des Kreditnehmers. Die KfW spricht in diesem Zusammenhang auch von risikogerechten Zinsen. Ein weiteres Plus des Programms: Im Rahmen des Unternehmerkredites-Ausland ist auch der Anteil von EU-Partnern in einem Joint Venture förderfähig.

Alle Investitionen förderbar
Gefördert werden können mit dem Unternehmerkredit-Ausland der KfW-Mittelstandsbank praktisch alle Investitionen im Ausland, einschließlich etwa nötiger Patente und Lizenzen. Aber auch Forschung und Entwicklung am neuen Standort sowie vorbereitende Projektstudien. Letztere müssen allerdings mit dem Plazet einer Industrie- und Handelskammer oder Auslandshandelskammer versehen sein.

Ergänzt werden kann der Unternehmerkredit durch das KfW-Unternehmerkapital. Es handelt sich dabei um ein mezzanines Finanzierungsprodukt. 50 Prozent der Kreditsumme werden als eigenkapitalähnliches Darlehen gewährt. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre, getilgt wird aber erst in den letzten drei Jahren. Für diesen Teil des Darlehens, auch Nachrangtranche genannt, sind keine Sicherheiten erforderlich. Deshalb wird bei der Festlegung des Zinssatzes nur die Bonität, das heißt die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten des Kreditnehmers, beurteilt. 50 Prozent der Kreditsumme werden als Fremdkapitaltranche mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei bis zu zwei tilgungsfreien Jahren ausgereicht. Dieser Teil des Darlehens muss banküblich besichert werden. Bei der Festlegung des Zinssatzes spielt also neben der Bonität auch die Qualität der Sicherheiten eine Rolle.

Dieses günstige Finanzierungsangebot steht allen Auslandsinvestoren zur Verfügung, die bereits mindestens fünf Jahre erfolgreich als mittelständische Unternehmer tätig sind und über positive Zukunftsaussichten verfügen. Die Mittel können sowohl für den Erwerb von Investitionsgütern als auch zu maximal einem Fünftel für Betriebsmittel verwendet werden. Insgesamt beläuft sich das maximale Finanzierungsvolumen auf vier Millionen Euro. Wie der Unternehmerkredit kann auch das Unternehmerkapital bei einer ausländischen Bank vor Ort beantragt werden. Das hat den Vorteil, dass die Erfolgsaussichten des Projektes maßgeblich vom Kreditinstitut am Ort der Investition mit bewertet werden.

Hilfe für Bankengründung
Die KfW-Entwicklungsbank fördert unter dem Stichwort Mikrofinanzierung die Gründung von Banken in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern, die kleinen Unternehmen bezahlbare Kredite anbieten. Vor allem in Ost- und Südosteuropa ist dies noch die Ausnahme. An diesen Projekten beteiligt sich auch die zur KfW-Bankengruppe gehörende Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) mit Sitz in Köln. Diese brachte zum Beispiel Beteiligungskapital in die bulgarische ProCredit Bank ein, Bulgariens erste Bank für Kleinunternehmen.

Auch im rohstoffreichen Russland ist die Kreditvergabe für mittelständische Unternehmen – zumal in den Regionen jenseits der Metropolen Moskau und St. Petersburg – noch unzureichend. Dies stellt oft auch deutsche Lieferanten vor Probleme. Ihre Maschinen werden für die Modernisierung von veralteten Produktionsanlagen in dem Riesenmarkt zwar dringend benötigt, können aber von den Unternehmen häufig nicht finanziert werden. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung ein Förderprogramm für russische KMU in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro aufgelegt. Partnerbanken sind neben der KMB-Bank unter anderem die Regionalbanken Center Invest Bank in Südrussland, die Sibakadembank, Nowosibirsk, die Uraltransbank aus Ekaterinburg am Ural und die NBD-Bank mit Sitz in Nischni Novgorod.    


Holger Schwabe
Referent Public Relations
KfW Bankengruppe, Berlin
holger.schwabe@kfw.de

Viviane Witte
IHK Frankfurt
International


Infos

Weitere Infos zu den Förderprodukten der KfW Mittelstandsbank sind online abrufbar unter www.kfw-mittelstandsbank.de.

IHK WirtschaftsForum
November 2006