Mit öffentlichen Partnern neue Märkte erschließen

PPP-Projekte im Ausland: Betriebswirtschaftlicher Erfolg und Entwicklungspolitik müssen kein Widerspruch sein

Ein erfahrener öffentlicher Partner an der Seite kann Unternehmen bei ihren ersten Schritten in den neuen Markt helfen und Türen öffnen. Als eine Form der Kooperation zwischen Staat und Privatwirtschaft bieten Public Private Partnerships (PPP) eine effektive Möglichkeit, privatwirtschaftliche und entwicklungspolitische Zielsetzungen zum beiderseitigen Nutzen zu bündeln. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat drei öffentliche und eine Organisation der deutschen Wirtschaft mit der Planung, Finanzierung und Verwirklichung von PPP-Projekten betraut: DEG, GTZ, KfW und Sequa.

Unternehmen profitieren von der Erfahrung der staatlich beauftragten Institutionen und von deren Kontakten zu Regierungen, Behörden und Organisationen in Entwicklungsländern. So konnte zum Beispiel die hessische Enviro-Chemie aus Roßdorf gemeinsam mit der DEG erfolgreich PPP-Projekte in Brasilien und Rumänien durchführen. Nach einer Pilotanlage zur Behandlung von industriellen Abwässern in der Nähe von Rio de Janeiro errichteten die Spezialisten für industrielle Wasser- und Abwasserreinigung in der Nähe der rumänischen Stadt Campina eine mobile Anlage zur Behandlung petro-chemischer Abwässer. Die Anlage reinigt am Abwasserablauf einer Raffinerie – dem Hauptverursacher für die Verschmutzung des Sees Pestelui – ölkontaminierte Abwässer.

Auch die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit profitiert von der Kooperation mit privaten Partnern: Wo die Wirtschaft investiert, entstehen Arbeitsplätze, wird Know-how geschaffen und werden Einkommen für die Menschen der Region erwirtschaftet. Das Vorhaben in Rumänien wurde vom dortigen Umweltministerium unterstützt. Dabei arbeiteten Unternehmen, Behörden und Universitäten eng zusammen, um den Knowhow-Transfer sicherzustellen, das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Umweltschutz zu verbessern und das Implementieren weiterer Wasser- und Abwasseraufbereitungsanlagen anzuregen.

Im Rahmen des PPP-Programms können Unternehmen eine Unterstützung ihrer Vorhaben beantragen. Voraussetzung dafür ist aber, dass sie die wirtschaftliche, soziale oder ökologische Situation im Partnerland verbessern und der Antragsteller sich an der Durchführung wesentlich (mit mindestens 50 Prozent) beteiligt. PPPs sind dabei weder Subventionen noch Exporthilfen, noch zinslose Darlehen. Das unternehmerische Engagement in der Zielregion muss nach Abschluss der PPP-Maßnahme wirtschaftlich rentabel weitergeführt werden können.

PPPs in verschiedenen Sektoren möglich
PPPs sind nicht auf einzelne Wirtschaftssektoren beschränkt. Sie reichen von der Aus- und Weiterbildung über die Qualitätssicherung und den Arbeits- und Umweltschutz bis zur Investition in neue Technologien. Auch die wirtschaftliche Größe des Unternehmens ist kein Kriterium für die Durchführung einer PPP-Maßnahme, sie sollte allerdings in einem angemessenen Verhältnis zu den Projektkosten stehen.

Der Startschuss für die ersten PPP-Projekte fiel im Jahr 1999. Seitdem wurden rund 850 PPP-Projekte in rund 70 Ländern vereinbart. Auch die MC2 Meta Consulting Center, Wiesbaden, gehört zu den Unternehmen, die das PPP-Instrument nutzen. Das mittelständische Unternehmen mit einem Beratungsschwerpunkt in Südostasien schlug der GTZ Anfang 2006 ein PPP-Projekt zum Aufbau eines MBA-Studiengangs für Management Consultants und zur Gründung eines Unternehmensberaterverbandes in Vietnam vor.

Durch den Knowhow-Transfer soll die Qualität der vietnamesischen Beratungsleistungen erheblich erhöht und ein Beitrag zur Entwicklung eines Consultingmarktes geleistet werden. MC2, die sich auf Beratungsmanagement, Knowledge-Management, Internationalisierung und Markteintrittsstrategien spezialisiert haben, setzen mit ihrer Investition auf das Entstehen langfristiger Kooperationen mit vietnamesischen Firmen und eine Erweiterung ihres Beraternetzwerks.

Abgeschlossen ist inzwischen ein PPP-Projekt im Senegal, in dem die Bad Homburger Epos Health Consultants unterstützt von der GTZ ein Informationssystem für Krankenhäuser entwickelten und einführten. Im Senegal wurde im Rahmen einer Gesetzesreform eine autonome Betriebsführung der öffentlichen Krankenhäuser eingeführt, die notwendigen Voraussetzungen und Kompetenzen in den einzelnen Krankenhäusern jedoch fehlten. Im Zuge der PPP-Maßnahme installierte Epos gemeinsam mit dem senegalesischen Kooperationspartner Alliance Technologie Informatique (ATI) in zwei Pilotkrankenhäusern ein EDV-gestütztes Informationssystem, durch das medizinische, administrative und finanzielle Daten erfasst und ausgewertet werden können.

Die Effektivität und Effizienz der medizinischen Versorgung wurde dadurch erheblich gesteigert. Das im Rahmen des PPP-Vorhabens erstellte Produkt soll jetzt als nationales Krankenhausinformationssystem (KIS) über das Gesundheitsministerium auch anderen Krankenhäusern im Senegal zur Verfügung gestellt werden. Epos und ATI planen, das KIS auch in anderen Ländern des frankophonen Afrikas anzubieten. Entwicklungspolitisch bewirkt das Projekt eine Verbesserung des Krankenhausmanagements und der Versorgungsqualität. Die Fachkompetenz nimmt zu und die regionale Wirtschaft, insbesondere die Branche der IT-Dienstleistungen, wird gefördert.

Strategische Allianzen zwischen Staat und Privatwirtschaft
Neue Überlegungen des BMZ zu Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft gehen über das ursprüngliche Konzept von PPP-Projekten hinaus: Mittelfristig sollen neben Einzelprojekten mit Unternehmen auch strategische Allianzen zwischen Staat und Privatwirtschaft aufgebaut werden. Gruppen von Unternehmen oder Branchenverbände sind besonders für solche Formen der Zusammenarbeit geeignet. Ein Beispiel für eine solche strategische Allianz ist das Projekt „Cotton made in Africa“.

An dieser langfristig orientierten Partnerschaft, die auf eine Initiative der Otto-Gruppe zurückgeht, sind neben den Unternehmen Otto und Tom Tailor die DEG und die GTZ, die Umweltstiftung WWF Deutschland, die Deutsche Welthungerhilfe sowie Baumwollproduzenten in Afrika beteiligt. Wichtigstes Ziel der Initiative ist es, durch die gezielte Nachfrage nach afrikanischer Baumwolle die Armut in den Baumwollregionen Afrikas zu bekämpfen und dauerhafte Entwicklungsperspektiven zu schaffen. Dazu sollen beispielsweise soziale, ökologische und ökonomische Mindeststandards in der Baumwollproduktion eingeführt werden. Pilotprojekte in Benin, Sambia und Burkina Faso laufen bereits. Von der Initiative können mehr als 100 000 Kleinbauern, die Baumwolle anbauen, profitieren. Und die beteiligten Textilunternehmen gewinnen Lieferanten für hochwertige Rohfasern.

Interessierte Unternehmen können ihre PPP-Projekt-Vorschläge formlos bei den genannten Organisationen einreichen. Dazu reicht zunächst eine kurze Projektskizze. Sie soll eine Beschreibung des Projekts, des deutschen und gegebenenfalls des ausländischen Partners, der betriebswirtschaftlichen Ziele, der entwicklungspolitischen Wirkungen sowie der voraussichtlichen Kosten des Vorhabens enthalten. Die angeschriebene Organisation reagiert in der Regel innerhalb von 14 Tagen. Sie prüft den Vorschlag und die Bonität des antragstellenden Unternehmens, stellt Rückfragen und entscheidet über die PPP-Fähigkeit des Vorhabens.

Genügt das Projekt den PPP-Kriterien, werden umgehend weitere Verhandlungen mit dem Unternehmen vereinbart, um aus einer guten Idee ein gutes Konzept zu schmieden. Dieses Konzept bildet die Grundlage für die Entscheidung. Erfolgt die Zusage, wird zwischen Unternehmen und Organisation ein Vertrag geschlossen, in dem die Kosten der Gesamtinvestition, die Beiträge des öffentlichen und des privaten Partners und der zeitliche Rahmen festgelegt werden.

     
Baschar Al-Frangi
Public Private Partnership
Public Relations, Büro für die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft
GTZ, Eschborn
baschar.al-frangi@gtz.de


Kontakte

Anbei eine Übersicht von Gesellschaften, die im Ausland PPP-Projekte durchführen:

Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
(GTZ), Andrea Kolata
Telefon: 06196 7973 77
ppp-buero@gtz.de

DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, Rolf Gerber
Telefon: 0221 4986 1476,
ppp@deginvest.de

KfW Entwicklungsbank
Tina Butterbach
Telefon: 069  7431 2391 
ppp@kfw.de

Sequa Partner der deutschen Wirtschaft
Susanne Sattlegger
Telefon: 0228 98238 12
susanne.sattlegger@sequa.de

Grundsätzlich können PPP-Anträge bei jeder der genannten Institutionen eingereicht werden. Sie arbeiten eng zusammen und verweisen die Antragsteller im Zweifelsfall an die richtige Organisation.

IHK WirtschaftsForum
November 2006