Abgrenzung des Ballungsraumes greift zu kurz: Organisationsstrukturen an Lebenswirklichkeiten anpassen

 

19.11.2010

Die funktionalen Verflechtungen in der Metropolregion FrankfurtRheinMain gehen deutlich über das Gebiet des derzeitigen Ballungsraumgesetzes hinaus. Dies ist das zentrale Ergebnis der Analyse „Gutachten zur funktionalen Verflechtung in der Metropolregion FrankfurtRheinMain". Die Untersuchung wurde im Auftrag von Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK), Handwerkskammer Rhein-Main (HWK), und Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V. (VhU) von der Prognos AG erstellt. Dazu wurden die Bereiche Pendler, Wirtschaft, Bildung sowie Einzelhandel und Gesundheitsversorgung untersucht.

„Der geografische Rahmen der Metropolregion wird derzeit zu kurz gesteckt", sind sich Dr. Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, Dr. Christof Riess, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Rhein-Main, und Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V., bei der Vorstellung der Studie einig. „Organisationsstrukturen müssen sich an den Lebensgewohnheiten der Menschen und den Arbeitsverflechtungen der Unternehmen in dieser Region orientieren", so die Vertreter der Wirtschaftsverbände.

 

Aus Sicht der Wirtschaft ist das bisher geplante neue Ballungsraumgesetz nicht ausreichend, da es die bestehenden Chancen zur Weiterentwicklung der Region nicht vollständig nutzt. „Das novellierte Ballungsraumgesetz muss die Region in den Abmessungen erfassen, die die Menschen und Unternehmen dieser Region tatsächlich erleben. Die politisch festgelegte Abgrenzung der Metropolregion und des sog. Ballungsraumes ist zu eng gefasst", betonen IHK, HWK und vhu. Der Lebensrhythmus der Menschen in der Region gibt vor, Städte wie Darmstadt, Aschaffenburg, Wiesbaden, Mainz und Gießen sowie Landkreise wie den Rheingau-Taunus-Kreis nicht länger außen vor zu lassen, sondern in das Gebiet des Ballungsraumes zu integrieren.

 

Angesichts der steigenden Konzentration in Ballungszentren sind nicht mehr einzelne Städte, sondern ganze Regionen der Kristallisationspunkt. „Regionen sind der Humus, auf dem Wirtschaft und Gesellschaft künftig gedeihen werden. Um als Region reüssieren zu können, benötigen wir geeignete und verbindliche Organisationsstrukturen. Die haben wir bislang nicht. Wichtig ist es nun, die administrativen Strukturen so auszurichten, dass der hohe Lebensstand der Region auch in Zukunft gehalten werden kann", fordern die Vertreter der regionalen Wirtschaft.

 

Bereits im Mai 2010 haben IHK, HWK und VhU ein Thesenpapier mit Vorschlägen der Wirtschaft zur Weiterentwicklung von FrankfurtRheinMain vorgelegt. Kernpunkt dabei ist die Forderung nach mehr Verbindlichkeit bei der Kooperation innerhalb der Metropolregion. Unterschiedliche Aufgaben werden in der Metropolregion bislang von einer Vielzahl von Akteuren mehr oder weniger erfolgreich bearbeitet. Insbesondere mangelt es an einer koordinierenden, verbindlichen Organisationsstruktur. Dem bisherigen Ballungsraumgesetz ist es nicht gelungen, dass sich die Metropolregion überzeugend dar- und aufstellt und ihre Aufgaben verbindlich koordiniert und hinreichend effizient erledigt. Der hohe Grad an Freiwilligkeit und das geringe Maß an regionaler Verfasstheit sind dafür die Hauptursachen.

 

IHK, HWK und VhU befürworten eine Holdingstruktur, in deren Mittelpunkt ein öffentlich-rechtlicher Verband (FRM-Verband) steht, der die Gebietskörperschaften innerhalb der Metropolregion verbindlich bündelt. Der Verband soll das Gesamtinteresse der Kommunen in der Metropolregion abwägend und ausgleichend bilden und gebündelt vertreten. Weiterhin soll der Verband den kommunalen Beitrag zur Finanzierung der regionalen Aufgaben sicherstellen.

 

Das Gutachten zur funktionalen Verflechtung in der Metropolregion FrankfurtRheinMain steht unter www.frankfurt-main.ihk.de/funktionaleverflechtung zum Download bereit.

 

 

 

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