Frankfurt Global Business Week eröffnet

21.05.2012

Die dritte Frankfurt Global Business Week, die in diesem Jahr unter dem Motto „Wettbewerb der Metropolregionen“ steht, hat am Montag in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK) begonnen. In den nächsten fünf Tagen diskutieren mehr als hundert Referenten in zahlreichen Veranstaltungen über die Metropolregion FrankfurtRheinMain sowie über die Themen Nachhaltigkeit, Energie, Mobilität, Dienstleistungen und Tourismus. Parallel zur Frankfurt Global Business Week findet in der IHK zum ersten Mal auch die Africa Business Week statt, die die Gelegenheit bietet, sich über Geschäftschancen und Kooperationsmöglichkeiten in Afrika zu informieren.

„Der Standortwettbewerb ist eine der wesentlichsten Herausforderungen unserer Metropolregion. Als Unternehmer kann ich aus Erfahrung sagen: Sich dem Wettbewerb zu stellen, ist zwar nicht immer bequem, gehört aber zum Geschäft“, betonte Dr. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt am Main, in seiner Eröffnungsrede. „Als Unternehmer spüren wir den Wettbewerb und die Konkurrenz unmittelbar und jeden Tag. Wir müssen ständig über die Frage nachdenken: Wie werde ich besser in dem, was ich tue, produziere oder verkaufe.“ Ähnliches gelte auch für den Standortwettbewerb: Wenn nicht die besseren Argumente und Rahmenbedingungen geschaffen würden, um für Menschen, Unternehmen und auch Kapital attraktiv zu sein, dann spüre der Standort früher oder später die Konsequenzen.

Wie sich die Metropolregion FrankfurtRheinMain am besten im Standortwettbewerb positioniert und welche Rolle der neu aufgestellte Regionalverband dabei spielen kann, waren die Fragen der anschließenden Diskussionsrunde zum Thema „Die Region FrankfurtRheinMain nach der Neuaufstellung des Regionalverbands FrankfurtRheinMain“. Momentan befinde sich die Metropolregion zwischen Fortschritt und Rückschritt, erläuterte Moderatorin und FAZ-Redakteurin Mechthild Harting: Einerseits wurde im vergangenen Jahr das Ballungsraumgesetz zum Metropolregiongesetz weiterentwickelt und damit der bisherige Planungsverband in den Regionalverband umgewandelt, woraus sich eine neue, verbesserte Grundlage für die regionale Zusammenarbeit ergebe. Andererseits haben in den vergangenen Monaten verschiedene kommunale Körperschaften ihren Austritt aus regionalen Initiativen angekündigt.

Die Ursachen für das geringe Engagement einiger Kommunen verorteten die Teilnehmer der Diskussionsrunde unterschiedlich. „Wenn die Leistung stimmt, machen wir mit“ – das ist nach Auffassung von Michael Boddenberg, Hessischer Minister für Bundesangelegenheiten, das Prinzip, nach dem Kommunen sich für oder gegen die Mitgliedschaft bei regionalen Initiativen entscheiden. Auch nach der Weiterentwicklung des Ballungsraumgesetzes gelte es, mit Argumenten zu überzeugen, statt auf ‚Zwangsmitgliedschaften‘ zu setzen. Auf dieser Basis müsse der Regionalverband es gerade in punkto Standortmarketing schaffen, im internationalen Wettbewerb ein Gesicht zu bekommen.

Nach Ansicht von Dr. Helmut Müller, Oberbürgermeister in Wiesbaden und damit Vertreter einer Stadt, die aus der regionalen Standortmarketinggesellschaft ausgestiegen ist, sind für die Austritte der Gebietskörperschaften nicht nur finanzielle Gründe verantwortlich: „Entscheidend ist die Frage, ob die Instrumente sinnvoll sind  und ob sie in die richtige Richtung führen.“ Wichtig sei, dass konkrete Aufgaben in Zusammenarbeit bewältigt werden und nicht ein regionales administratives ‚Zwangskorsett‘ entstehe.

Horst Schneider, Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, äußerte wenig Verständnis für Kommunen, die sich nicht für die regionale Zusammenarbeit engagieren. Zwar müsse über finanzielle Fragen diskutiert werden. Doch gehe es nicht darum, zusätzliche administrative Strukturen zu schaffen, sondern gerade vor dem Hintergrund finanzschwacher Kommunen Reformfähigkeit zu beweisen und Strukturen effizienter und schlanker zu machen. Dies könne im Regionalverband gelingen. „Allerdings muss die Beteiligung an regionalen Gesellschaften auf einer vernünftigen Grundlage erfolgen. Beiträge anhand der Steuererträge der Kommunen und nicht wie bisher auf pro-Kopf-Basis könnten ein erster Schritt sein.“

Nach Auffassung von Uwe Becker, Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt und Dezernent für die Region FrankfurtRheinMain, müssten in der Region die Vorteile von regionalen Aktivitäten stärker als bisher kommuniziert werden. Die Gremien in den Kommunen müssten überzeugt werden, dass gemeinsames regionales Standortmarketing und damit auch finanzielles Engagement Mehrwert bringt. „Natürlich ist es nicht immer einfach, dies zu vermitteln. Doch auch, wenn man anschließend keine konkrete Bilanz ziehen kann, zeigen die Beispiele Infrastruktur, Smart Grids oder Energie, dass gemeinsames Engagement sich lohnt.“

„Wir müssen strategische Allianzen bilden“, forderte IHK-Präsident Dr. Müller die anwesenden Kommunal-, Regional- und Landespolitiker auf. Es sei wichtig, sich mit den kommunalen Wettbewerbern zusammenzuschließen – auch auf die Gefahr hin, dass einer der Wettbewerber temporär mehr profitiert als man selbst. Nur so erhalte die Metropolregion aber ein Gesicht und könne sich im internationalen Wettbewerb positionieren. Um einen weiteren qualitativen Sprung nach vorne zu machen, müssten außerdem die einzelnen Regionalgesellschaften zusammengeführt werden, beispielsweise der Kulturfonds und die Kulturregion. Bei solchen Vorhaben wolle die Wirtschaft nicht in den Entscheidungen der Politik eingreifen. „Wirtschaft ist nicht die bessere Politik“, so Dr. Müller. „Aber wir werden weiterhin schauen, welche Richtung der Regionalverband einschlägt“.

Der Direktor des Regionalverbands, Ludger Stüve, schlug zur künftigen Organisation der Metropolregion eine Holding-Struktur vor. Diese sollte möglichst offen für Gebietskörperschaften, Unternehmen und den Regionalvorstand selbst als Mitglieder sein und lenkende Funktionen ‚aus einer Hand‘ wahrnehmen. „Unternehmen siedeln sich bei uns an wegen der Infrastruktur und der geographischen Lage, nicht wegen der vorhandenen Organisationsformen. Diese gilt es, weiter zu verbessern. Eine regionale Holding würde dazu beitragen“, so Stüve.

In Einem waren sich die Teilnehmer einig: regionale Großereignisse wie der Architektursommer oder eine Internationale Bauausstellung, die die Region nur gemeinsam stemmen kann, haben eine wichtige Bedeutung für FrankfurtRheinMain. Sie bieten eine Identifikationsmöglichkeit und zeigen, dass sich Zusammenarbeit lohnt. Mit solchen Events sei auch der Nutzen der Metropolregion leichter kommunizierbar.


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