Demografiekongress 2013

Der dritte Kongress des Demografienetzwerkes FrankfurtRheinMain stand ganz im Zeichen der Jugend. Dies machten nicht nur die zahlreich anwesenden Schüler deutlich, sondern auch die Vorträge und Diskussionen. „Die deutsche Wirtschaft hat nicht die Kraft, auch nur auf einen jungen Erwachsenen zu verzichten“, betonte IHK-Präsident Dr. Mathias Müller in seiner Eröffnungsrede. In Zeiten des Fachkräftemangels könne es sich ein Land, dessen wichtigste Ressource die klugen Köpfe seien, nicht erlauben, junge Menschen zurückzulassen. „Noch immer verlassen zu viele Jugendliche die Schule ohne einen Abschluss und werden als Bildungsverlierer abgestempelt“, sagte er. Hier müssten Schulen, Eltern und Wirtschaft enger zusammenarbeiten, um diesen Jugendlichen eine Perspektive aufzuzeigen und sie fit zu machen für die Arbeitswelt.

 

„Jeder Schulabbrecher ist einer zuviel“, meinte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Auch er plädierte für eine intensivere Zusammenarbeit, um jungen Menschen dabei zu helfen, einen qualifizierten Abschluss zu erlangen und eine Arbeitsstelle zu finden. Es könne nicht sein, dass es Kindern wegen ihrer Herkunft oder sozialen Situation verwehrt bleibe, erfolgreich die Schule zu absolvieren.

 

Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff, Bonn, gab interessante Einblicke in seine Praxis und Erfahrungen in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Er sprach sich dafür aus, die Wirtschaft verstärkt in bildungspolitische Fragen einzubeziehen. Jugendliche mit Entwicklungsdefiziten könnten beispielsweise durch kurze und regelmäßige Praxisphasen in Unternehmen an Strukturen in der Arbeitswelt herangeführt werden. Wichtig sei vor allem die intensive Anleitung durch Vertrauenspersonen, damit die Jugendlichen durch das Einüben gleicher Abläufe wieder eine Routine in ihren Alltag bringen könnten.

 

Neben den Jugendlichen als wichtigstes Potenzial für den zukünftigen Arbeitsmarkt standen auch ausländische Fachkräfte im Mittelpunkt der Diskussion. Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, Bernd Ehinger, Präsident, Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, und Ludger Stüve, Direktor, Regionalverband FrankfurtRheinMain, diskutierten darüber, wie Fachkräfte zum Beispiel aus Spanien, Portugal oder Griechenland erfolgreich angeworben und integriert werden können. Sie waren sich darin einig, dass eine arbeitsmarktorientierte Zuwanderung notwendig ist, um den Fachkräftemangel zu bewältigen. Dabei dürfe allerdings keine der Gruppen auf dem Arbeitsmarkt gegeneinander ausgespielt werden.

 

Die verstärkte Zuwanderung ausländischer Fachkräfte sei dabei aber mehr als „ein Tropfen auf den heißen Stein des Fachkräftemangels“, so Müller. Der Zuzug von ausländischen Fachkräften sei zugleich Zeichen einer gelebten Willkommenskultur. „Die Fachkräfte aus den südeuropäischen Krisenländern sind keine Gastarbeiter 2.0, sondern stellen mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten eine Bereicherung für viele Unternehmen dar, die dringend auf qualifizierte Arbeitnehmer angewiesen sind“, sagte der IHK-Präsident. FrankfurtRheinMain sei zwar ein Arbeitsplatzmagnet und locke viele gut ausgebildete Fachkräfte an. Trotzdem müsse die Region noch enger zusammenrücken, um auch weiterhin ein attraktiver Standort für Arbeitnehmer aus dem In- und Ausland zu sein.

 

Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmer dann nicht mehr nur über die Jugend, sondern vor allem auch mit ihr. Im Forum Beruf und Familie tauschten sich beispielsweise junge Berufstätige und Studierende darüber aus, welche Erwartungen sie an ihre zukünftigen Arbeitgeber haben und wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen möchten. Dabei wurde deutlich, dass Flexibilität im Berufsleben für die Generation Y, also die in den Achtzigerjahren Geborenen, an erster Stelle steht. „Wenn es das Projekt erfordert, bin ich auch gerne bereit, Überstunden zu machen. Allerdings sollte es im Gegenzug aber auch Gelegenheiten geben, diese wieder abzufeiern und sich freizunehmen“, fasste es eine der Teilnehmerinnen zusammen.

 

Im Rahmen eines Goldfisch-Checks wurde die klassische Bewerbungssituation auf den Kopf gestellt: 33 Schüler der Philipp-Holzmann-Schule, Frankfurt, sowie des Gustav-Heinemann-Gymnasiums, Rüsselsheim, befragten dabei elf Unternehmensvertreter. Diese standen Rede und Antwort und konnten bei dieser Gelegenheit erfahren, was junge Menschen von ihren Arbeitgebern erwarten. Den Berufsanfängern sind Übernahmechancen nach der Berufsausbildung besonders wichtig, aber auch Fortbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen sind für viele der Jugendlichen elementar.

 

„Für die jungen Leute war es eine wichtige Erfahrung, mal über den eigenen Tellerrand zu blicken und sich intensiv mit ihrer Zukunft zu beschäftigen“, resümierte Yunus Demircan, Berufsschullehrer an der Philipp-Holzmann-Schule. Aber auch für die Unternehmensvertreter war dieser Rollentausch eine neue Erfahrung – und zugleich eine einmalige Möglichkeit, die eigene Arbeitgeberattraktivität auf den Prüfstand zu stellen.
 

IHK WirtschaftsForum

April 2013

 

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