Alt sein, mobil bleiben
Mobilität sicherstellen: Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Verkehrsinfrastruktur in ländlichen Regionen
Auf den ersten Blick scheint unklar, ob und welchen Zusammenhang es zwischen dem demografischen Wandel und der Verkehrsinfrastruktur geben soll. Bei genauerem Hinsehen jedoch erscheint das Themenfeld als äußerst vielschichtig. Denn eine sinkende Bevölkerungszahl geht nicht zwangsläufig mit einer niedrigeren Verkehrsleistung einher. Das Auto wird künftig gefragter denn je sein.
In Zukunft werden Bevölkerungs- und Altersgruppen, die heute andere Verkehrsträger nutzen, mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Auto unterwegs sein. Dies trifft zum Beispiel auf Frauen zu: So finden sich unter den älteren oder hochbetagten Frauen heute noch viele, die keinen Führerschein haben, über kein Auto verfügen oder auf die beides zutrifft. Ebenso wie bei den Männern, erreicht der Anteil der Führerscheinbesitzer unter den jüngeren Frauen fast 100 Prozent. Auch die Fahrzeugverfügbarkeit der Frauen steigt kontinuierlich an. Dazu kommt eine soziale Prägung auf das Auto. Sie wird mit dazu beitragen, dass die Verkehrsnachfrage im Individualverkehr auch künftig hoch bleibt. Erst wenn diese Nachholeffekte abgeklungen sind, die Bevölkerungszahl aber weiter sinkt, ist mit einem Rückgang der Verkehrsleistung zu rechnen. Nach den vorliegenden Prognosen ist mit solchen Effekten aber erst nach 2030 zu rechnen.
Konkret bedeutet dies, dass die Verkehrsinfrastruktur gerade für den Individualverkehr künftig eine große Bedeutung haben wird. Dabei wird allerdings in Zukunft weniger der Neubau von Verkehrsinfrastruktur im Vordergrund stehen, sondern vielmehr deren Erhalt beziehungsweise die gezielte Beseitigung von Engpässen – und zwar gleichermaßen bei Straße und Schiene.
Letztlich ist die Verkehrsinfrastruktur nicht nur wesentlich für den Individualverkehr, sondern sie ist darüber hinaus das Rückgrat des globalen Wirtschaftssystems: Dieses hat sich während der vergangenen Jahrzehnte stark verändert, sodass viele Wertschöpfungsketten heute nicht mehr nur regional, sondern global vernetzt sind. Als Folge werden heute mehr Halb- und Fertigprodukte denn je nach Kundenwünschen produziert, transportiert oder ausgeliefert. Da eine Änderung dieser Wirtschaftsweise nicht zu erwarten ist, wird die Bedeutung von Transporten unabhängig vom ausführenden Verkehrsträger und damit der Logistik kaum abnehmen.
Neue Herausforderungen in ländlichen Gebieten
Auf der Schiene ist nur mit indirekten Folgen des demografischen Wandels zu rechnen. Insbesondere im Schienennetz muss aber die Beseitigung von Engpässen Priorität haben, da sonst verkehrspolitische Ziele wie die größtmögliche Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene gar nicht umzusetzen sind. Auf vielen Strecken behindern sich Regional-, Fernverkehrs- und Güterzüge gegenseitig, da sie sich dieselben Trassen teilen. Auf diesen Strecken ist eine Entzerrung zwingend erforderlich, um Personen- und Güterverkehrsangebote gleichermaßen attraktiv gestalten zu können.
Auf der Schiene ist nur mit indirekten Folgen des demografischen Wandels zu rechnen. Insbesondere im Schienennetz muss aber die Beseitigung von Engpässen Priorität haben, da sonst verkehrspolitische Ziele wie die größtmögliche Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene gar nicht umzusetzen sind. Auf vielen Strecken behindern sich Regional-, Fernverkehrs- und Güterzüge gegenseitig, da sie sich dieselben Trassen teilen. Auf diesen Strecken ist eine Entzerrung zwingend erforderlich, um Personen- und Güterverkehrsangebote gleichermaßen attraktiv gestalten zu können.
Während in den Ballungsräumen dichte Netze im öffentlichen Personennahverkehr schon auf vielen Strecken eine echte Alternative zum Auto sind, steht der öffentliche Personenverkehr in vielen ländlichen Regionen vor einer großen Herausforderung: So nimmt nicht nur die Bevölkerungszahl ab beziehungsweise die Zahl älterer Menschen zu, sondern in einigen Regionen wird die natürliche Bevölkerungsentwicklung durch Abwanderung der jüngeren Generationen noch verstärkt. Insbesondere auf dem Land führt dies zu einer starken Abnahme der Bevölkerungszahl.
Damit steht die Bevölkerung vor Ort vor einem Dilemma: Kleinere Geschäfte haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten oftmals aufgegeben und Supermärkte konzentrieren sich in den automobil gut erreichbaren Randlagen der größeren Ortschaften. Dadurch fehlt es gerade in kleineren Gemeinden an Möglichkeiten für die Einwohner, sich vor Ort zu versorgen oder kulturelle Einrichtungen zu besuchen. Auch Ärzte und Krankenhäuser sind häufig schwer erreichbar, da sie sich in größeren Städten oder in Ärztezentren niedergelassen haben. Die Aufgabenträger im öffentlichen Personennahverkehr sind daher in Zukunft ebenso wie die Verkehrsverbünde gefordert, solche Probleme rechtzeitig zu lösen. Die Herausforderung liegt dabei in der Sicherstellung der Mobilität aller Bevölkerungsgruppen in den ländlichen Regionen. Die Frage nach der Finanzierbarkeit eines solchen Angebots darf dabei allerdings nicht außer Acht gelassen werden.
Alternative Angebote für Schüler entwickeln
Bislang stellen vielerorts die noch vorhandenen Schülerverkehre gute Anbindungen sicher. Für die Zukunft müssen verstärkt alternative Angebote geschaffen werden, da die Schülerzahlen abnehmen. Mögliche Maßnahmen liegen in der Nutzung kleinerer Fahrzeuge, im verstärkten Angebot von Rufbussen oder anderen flexiblen Angebotsformen wie auch Bürgerbussen. Eine intakte Verkehrsinfrastruktur ist für derartige Angebote allerdings eine zwingende Voraussetzung. Hier werden sich im Detail auch Veränderungen ergeben: Vor dem Hintergrund einer Bevölkerung mit einem steigenden Anteil an älteren und hochbetagten Menschen sind zum Beispiel Busse oder Bahnen so auszustatten, dass sie einen barrierefreien Zugang zu den Verkehrsmitteln des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichen. Kurze Wege werden von vielen älteren Menschen noch oft zu Fuß zurückgelegt werden, so dass auch die Fußwege, Bürgersteige, Ampeln und Zebrastreifen barrierefrei auszugestalten sind.
Bislang stellen vielerorts die noch vorhandenen Schülerverkehre gute Anbindungen sicher. Für die Zukunft müssen verstärkt alternative Angebote geschaffen werden, da die Schülerzahlen abnehmen. Mögliche Maßnahmen liegen in der Nutzung kleinerer Fahrzeuge, im verstärkten Angebot von Rufbussen oder anderen flexiblen Angebotsformen wie auch Bürgerbussen. Eine intakte Verkehrsinfrastruktur ist für derartige Angebote allerdings eine zwingende Voraussetzung. Hier werden sich im Detail auch Veränderungen ergeben: Vor dem Hintergrund einer Bevölkerung mit einem steigenden Anteil an älteren und hochbetagten Menschen sind zum Beispiel Busse oder Bahnen so auszustatten, dass sie einen barrierefreien Zugang zu den Verkehrsmitteln des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichen. Kurze Wege werden von vielen älteren Menschen noch oft zu Fuß zurückgelegt werden, so dass auch die Fußwege, Bürgersteige, Ampeln und Zebrastreifen barrierefrei auszugestalten sind.
Das Land Hessen hat sich in der Koalitionsvereinbarung zum Ziel gesetzt, die demografische Trendwende zu erreichen. Mit den genannten Maßnahmen soll unabhängig von dieser Vereinbarung die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Diensten (zum Beispiel Verwaltungen, Ärzte, Krankenhäuser) mit dem ÖPNV und mit eigenem Pkw auch in ländlichen Räumen sichergestellt werden. Dazu tragen Konzepte der Stadtentwicklungspolitik und der Dorferneuerung bei. Zusammen mit der Verkehrsinfrastruktur kann die Umsetzung dieser Konzepte dazu beitragen, die ländlichen Regionen in Hessen zu stabilisieren. Den Perspektiven zur Entwicklung und Erhaltung der Verkehrsinfrastruktur muss in dem angestrebten Konzept zur nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume ein hoher Stellenwert zukommen, wenn diese Entwicklung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und sozial nachhaltig sein soll.
Dieter Posch
Hessischer Staatsminister für Wirtschaft
Verkehr und Landesentwicklung
Wiesbaden
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