Fachkräftemangel
Problemlösung nicht vertagen
Den Deutschen geht der Nachwuchs aus. Was mit Blick auf unsere Kinder gilt, schlägt sich natürlich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. Insbesondere der Fachkräftemangel wird den Betrieben noch so manches Problem bereiten – letztlich geht es um nichts Geringeres als die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen hierzulande. Doch es gibt Mittel und Wege für Unternehmen und Politik, diesem Problem zu begegnen. Nur aufschieben sollten es die Verantwortlichen nicht.
Schon in wenigen Jahren wird die Anzahl der gut ausgebildeten jungen Menschen nicht mehr ausreichen, um die aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Personen zu ersetzen. In Bezug auf erwartetes Bevölkerungswachstum und zukünftige Altersstruktur liegt die Region FrankfurtRheinMain im deutschen Quervergleich im Mittelfeld im zunehmend intensiven Wettbewerb der Metropolregionen ist dies noch keine komfortable Position. Zugegeben, in den ostdeutschen Bundesländern ist die Situation weitaus dramatischer. Für Unternehmen landauf, landab heißt Fachkräftemangel, dass zum Beispiel der Ersatz oder die Neueinstellung von Facharbeitern mit speziellen Qualifikationen, von Ingenieuren oder von IT-Spezialisten deutlich schwieriger wird, als dies ohnehin schon der Fall ist.
Unbesetzte Stellen werden den Unternehmensalltag immer mehr prägen deutlich öfter werden die Firmen bei Anfragen ihrer Kunden negative Antworten geben müssen, nach dem Motto: „Sorry, derzeit fehlt uns das Personal.“ Analysen der IHKs zeigen, dass der Arbeitsmarkt insbesondere durch einen ausgeprägten Mangel bei den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen geprägt sein wird: Im akademischen Bereich werden vor allem Ingenieure fehlen, bei den nicht akademischen Berufen werden es insbesondere Maschinisten, Facharbeiter für Metallverarbeitung, Schlosser oder Elektriker sein. Wichtig zu wissen: Der Mangel innerhalb der Gruppe der nicht akademischen Berufe wird gegen Mitte des kommenden Jahrzehnts mehr als sechsmal so hoch sein wie der Mangel an Akademikern. Damit halten die Unternehmen einen Teil der Problemlösung in den eigenen Händen: die Ausbildung des eigenen Nachwuchses im Betrieb.
Wandel zum Arbeitnehmermarkt
Wie wird sich der Arbeitsmarkt in Deutschland verändern, wenn sich der Mangel an Fachkräften verstärkt? Qualifizierte Arbeitnehmer werden dadurch zu einem immer wertvolleren Teil des Wertschöpfungsprozesses, den es aus Sicht der Unternehmen zu hegen und zu pflegen gilt. Ein Mangel oder eine Verknappung führt unweigerlich das wissen wir von vielen anderen Märkten zu einem Anstieg der Preise, will sagen der Löhne und Gehälter. Gleichzeitig wird der Wettbewerb um die besten Köpfe auch andere Blüten treiben: Die mittlere Verweildauer von Arbeitnehmern in ein und demselben Unternehmen dürfte sinken, dadurch wird es zunehmend schwieriger, unternehmensspezifisches Fachwissen in der Firma zu halten. Kurzum: Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte wird immer stärker ein sogenannter Arbeitnehmermarkt werden, auf den sich Unternehmen einstellen müssen, wenn sie nicht das Nachsehen haben wollen.
Wie wird sich der Arbeitsmarkt in Deutschland verändern, wenn sich der Mangel an Fachkräften verstärkt? Qualifizierte Arbeitnehmer werden dadurch zu einem immer wertvolleren Teil des Wertschöpfungsprozesses, den es aus Sicht der Unternehmen zu hegen und zu pflegen gilt. Ein Mangel oder eine Verknappung führt unweigerlich das wissen wir von vielen anderen Märkten zu einem Anstieg der Preise, will sagen der Löhne und Gehälter. Gleichzeitig wird der Wettbewerb um die besten Köpfe auch andere Blüten treiben: Die mittlere Verweildauer von Arbeitnehmern in ein und demselben Unternehmen dürfte sinken, dadurch wird es zunehmend schwieriger, unternehmensspezifisches Fachwissen in der Firma zu halten. Kurzum: Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte wird immer stärker ein sogenannter Arbeitnehmermarkt werden, auf den sich Unternehmen einstellen müssen, wenn sie nicht das Nachsehen haben wollen.
Vor dem Hintergrund der internationalen Arbeitsteilung wurden bereits größere Teile des Wertschöpfungsprozesses von Deutschland ins lohngünstigere Ausland verlagert ein Prozess, der bei Weitem noch nicht abgeschlossen ist. Teilweise wurde diese Entwicklung aktiv von deutschen Unternehmen durch Auslandsverlagerungen gesteuert. Teilweise geschah dies passiv, indem ausländische Unternehmen schlichtweg ihre kostenbedingten Wettbewerbsvorteile nutzen konnten und sich am Markt durchgesetzt haben. Als Werkbank, also als Standort für einfache Fertigungsprozesse, taugt Deutschland wegen seines hohen Lohnniveaus im internationalen Vergleich immer seltener. Das können andere Länder mittlerweile genauso gut bei gleichzeitig niedrigeren Arbeitskosten.
Die Wettbewerbsvorteile des Standortes Deutschland liegen auf dem Gebiet der wissensintensiven und innovativen Produkte und Dienstleistungen, die sich das hat der Aufschwung 2006 bis 2008 gezeigt sehr erfolgreich verkaufen ließen. Der technische Vorsprung von Maschinen, Anlagen, Autos und unternehmensnahen Dienstleistungen made in Germany rechtfertigt die oftmals höheren Preise deutscher Produkte auf dem Weltmarkt das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt dadurch wieder. Technischer Vorsprung ist das Ergebnis von Forschung und Entwicklung, was wiederum von der Verfügbarkeit hoch qualifizierter Fachkräfte abhängt. Ein Mangel an ebensolchen Fachkräften birgt demnach die ernste Gefahr, dass deutsche Unternehmen ihren so wichtigen Innovationsvorsprung und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Konkurrenten einbüßen.
Arbeitgeber müssen ihr Bewusstsein ändern
Unternehmen und Politik können eine Fülle von Maßnahmen treffen, dem vermeintlich unvermeidbaren Fachkräftemangel zu begegnen. Auf der Ebene des einzelnen Unternehmens gibt es jenseits des Pekuniären diverse Möglichkeiten, Mitarbeiter zu binden und sich als attraktiver Arbeitgeber zu profilieren. Entscheidend ist der Bewusstseinswandel, dass qualifizierte Fachkräfte nicht nur Angestellte, sondern vielmehr wertvolle Leistungsträger sind, die zunehmend von anderen umworben werden. Auf der Ebene der Politik gilt es, insbesondere den Erfolg des Bildungssystems zu verbessern.
Unternehmen und Politik können eine Fülle von Maßnahmen treffen, dem vermeintlich unvermeidbaren Fachkräftemangel zu begegnen. Auf der Ebene des einzelnen Unternehmens gibt es jenseits des Pekuniären diverse Möglichkeiten, Mitarbeiter zu binden und sich als attraktiver Arbeitgeber zu profilieren. Entscheidend ist der Bewusstseinswandel, dass qualifizierte Fachkräfte nicht nur Angestellte, sondern vielmehr wertvolle Leistungsträger sind, die zunehmend von anderen umworben werden. Auf der Ebene der Politik gilt es, insbesondere den Erfolg des Bildungssystems zu verbessern.
Unverständlich und inakzeptabel ist weiterhin die derzeitige Situation in mehreren Regionen, so auch in Frankfurt, dass Unternehmen händeringend nach Auszubildenden suchen und gleichzeitig zahlreiche Bewerber ablehnen müssen, da selbst einfache Grundkenntnisse in Mathematik oder Rechtschreibung fehlen. Auch die Bereitstellung einer effizienten Infrastruktur für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist primär Aufgabe der öffentlichen Hand hier gibt es deutliches Flexibilisierungs- und Verbesserungspotenzial. Schließlich gilt es, qualifizierten ausländischen Arbeitskräften den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern, zum Beispiel durch ein weiteres Absenken der sogenannten Verdienstgrenzen. Ausländischen Absolventen deutscher Hochschulen sollte der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt überhaupt nicht mehr verwehrt werden.
Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Wichtig ist, dass Unternehmen den Fachkräftemangel nicht als Problem von morgen, sondern als eines von heute verstehen. Denn eines ist klar: Alle Entscheidungen, egal ob auf Ebene des Unternehmens oder der Politik, machen sich auf dem Arbeitsmarkt erst zeitverzögert bemerkbar. Will Deutschland hier nicht in wenigen Jahren das Nachsehen haben, muss die Devise lauten: Handeln Sie jetzt.
Geschäftsführer
IHK Frankfurt am Main
Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung
Auch in Zukunft wird der Wettbewerbsvorteil des Standortes Deutschland vor allem auf dem Gebiet der wissensintensiven und innovativen Produkte liegen.
Auch in Zukunft wird der Wettbewerbsvorteil des Standortes Deutschland vor allem auf dem Gebiet der wissensintensiven und innovativen Produkte liegen.
Mitarbeiterbindung
Nicht nur wegen des demografischen Wandels sind Unternehmen gut beraten, qualifizierte Mitarbeiter verschiedener Altersgruppen zu halten. Anbei eine kurze Übersicht, was Unternehmen neben finanziellen Anreizen tun können, um Leistungsträger an das Unternehmen zu binden:
Bieten Sie den Mitarbeitern freiwillige Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. Dies gilt für junge Eltern genauso wie für Kinder von pflegebedürftigen Eltern. Die IHKs haben zu diesem Zweck das Beratungsbüro Erfolgsfaktor Familie gegründet (www.erfolgsfaktor-familie.de).
Organisieren Sie den Wissenstransfer und -erhalt ihrer Leistungsträger im Unternehmen bei Abwanderung darf wichtiges Wissen nicht verloren gehen.
Überdenken Sie in Krisenzeiten den Abbau von Fachkräften wer weiß, ob Sie vergleichbar gute Mitarbeiter im nächsten Aufschwung wieder bekommen.
Bilden Sie sich Ihre Fachkräfte von morgen heute selber aus am besten etwas über Bedarf.
Suchen Sie nach Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Bildungseinrichtungen (Hochschulen, Fachhochschulen), um Studenten schon früh an das Unternehmen zu binden, beispielsweise durch Praktika, Werksstudentenverträge, Diplomarbeiten.
Werben Sie beispielsweise auf Nachwuchsmessen für Ihr Unternehmen.
Lassen Sie sich regelmäßig beraten, ob Sie mit Ihren Vergütungsstrukturen noch im Markt liegen.
Binden Sie auch ältere Arbeitnehmer durch flexible Arbeitszeitmodelle und betriebliches Gesundheitsmanagement an Ihr Unternehmen.
Investieren Sie in Weiterbildung, auch und insbesondere bei älteren Arbeitnehmern.
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