IHK-Bezirk liegt im Bundestrend
Demografische Entwicklungen in Deutschland / Alternde Gesellschaft erfordert ein Umdenken in den Unternehmen

Deutschland wird immer älter. Auf diesen knappen Nenner kann das Ergebnis einer bundesweiten Bevölkerungsprognose der Bertelsmann Stiftung gebracht werden, die im Dezember veröffentlicht wurde. Dazu wurde für jede Kommune in Deutschland, die -größer ist als 5000 Einwohner, eine Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2025 errechnet.

Die Bevölkerung in Deutschland wird bis zum Jahr 2025 um zwei Prozent – also rund 1,67 Millionen Menschen – abnehmen. Auf Ebene der Bundesländer, vor allem aber auf Ebene der Städte, Gemeinden und Landkreise, sind dabei sehr unterschiedliche Entwicklungen zu erwarten. Während Hessen bis 2025 mit einem vorausberechneten Bevölkerungsrückgang von rund zwei Prozent im Bundesdurchschnitt liegt, verliert zum Beispiel Sachsen-Anhalt 17 Prozent, Baden-Württemberg hingegen gewinnt 1,8 Prozent hinzu.

Eine noch sehr viel -größere Spannbreite in den Entwicklungen findet sich bei bundesweiter Betrachtung der Kommunen. Hier kann nicht von großflächig wachsenden oder schrumpfenden Regionen gesprochen werden, sondern vielmehr liegen wachsende und schrumpfende Kommunen häufig direkt nebeneinander. Die Entwicklung der Gesamtbevölkerung in den Kommunen des IHK-Bezirks Frankfurt verläuft bis 2025 stabil: Der Hochtaunuskreis verliert voraussichtlich1,9 Prozent, der Main-Taunus-Kreis gewinnt 0,9 Prozent hinzu, und die Stadt Frankfurt wird bis 2025 um 1,5 Prozent wachsen.

Gravierende Entwicklungen sind mit Blick auf die Alterung in Deutschland zu erwarten. Während im Jahr 2006 noch jeder zweite Bundesbürger älter als 42 Jahre alt war, wird die Hälfte der Bevölkerung im Jahr 2025 bereits älter als 47 Jahre sein – in den ostdeutschen Bundesländern im Schnitt sogar älter als 53 Jahre. Für die Kommunen im IHK-Bezirk Frankfurt werden ähnliche Trends erwartet. Im Hochtaunuskreis wird 2025 die Hälfte der Bevölkerung älter als 48 Jahre und im Main-Taunus-Kreis älter als 46 Jahre alt sein. Ganz typisch für die Metropolen und viele Großstädte in Deutschland, die vor allem als wichtige Bildungs- und Ausbildungsstandorte stark von der Zuwanderung junger Menschen profitieren, wird die Stadt Frankfurt auch im Jahr 2025 eine vergleichsweise junge Bevölkerung haben und bis dahin kaum altern. Hier wird die Hälfte der Bevölkerung 2025 nur älter als 43 Jahre alt sein.

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege
Besonders die Gruppe der alten Menschen wird in den kommenden Jahren überproportional ansteigen. So wird bis 2025 die Zahl der über 80-Jährigen in Deutschland um 70 Prozent zunehmen. Damit verdoppelt sich der Anteil der Hochbetagten an der Gesamtbevölkerung in Deutschland nahezu und steigt auf über acht Prozent. Spitzenreiter dieser Entwicklung werden vor allem ostdeutsche Städte wie Hoyerswerda (15 Prozent), Suhl (zwölf Prozent) und Dessau (zwölf Prozent) sein. Aber auch in westdeutschen Städten, wie zum Beispiel Baden-Baden (zehn Prozent), wird der Anteil der Hochbetagten stark zunehmen.

In den Kommunen des IHK-Bezirks Frankfurt ist dieser Trend ebenfalls deutlich erkennbar. Der Anteil der hochbetagten Menschen über 80 Jahre wird 2025 im Hochtaunuskreis neun Prozent, im Main-Taunus-Kreis acht Prozent und in Frankfurt knapp sechs Prozent betragen. Diese Entwicklung stellt alle Kommunen vor große Herausforderungen, weil beispielsweise durch den höheren Pflege- und Betreuungsaufwand altengerechte Wohn- und Infrastrukturangebote aufgebaut werden müssen. Auch mit Blick auf das sich in einer alternden Gesellschaft verändernde Zusammenleben sind die Kommunen gefordert, aktiv zu werden und soziale Teilhabe älterer Menschen frühzeitig zu gestalten.

Eine alternde Gesellschaft erfordert aber auch in den Unternehmen ein Umdenken. Wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit, vor allem im Hinblick auf qualifizierte Arbeitskräfte, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im Fokus steht dabei vor allem die Vereinbarkeit mit Blick auf die Betreuung der Kinder. Eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielt aber bereits heute die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, denn in einer alternden Gesellschaft steigt der Anteil der pflegebedürftigen Menschen und damit auch der Bedarf, Berufstätigkeit und Pflege von Angehörigen in Einklang zu bringen. Hier sind die Unternehmen gefordert, gemeinsam mit den Beschäftigten und den Kommunen über geeignete Vereinbarkeitsmodelle nachzudenken.

Alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen wichtig
Aus der demografischen Entwicklung erwachsen weitere bedeutsame Veränderungen für die Wirtschaft: Sie muss sich perspektivisch auf immer älter werdende Belegschaften einstellen. So wird die Gruppe der älteren potenziellen Erwerbstätigen (45 bis 64 Jahre) bis zum Jahr 2025 deutschlandweit um 1,4 Millionen zunehmen. Die Gruppe der jüngeren potenziellen Erwerbstätigen (25 bis 44 Jahre) wird dagegen um 3,7 Millionen abnehmen. Da gleichzeitig bis 2025 die Zahl junger Menschen (16 bis 24 Jahre) in Deutschland um rund zwei Millionen zurückgehen wird, ist absehbar, dass es mittelfristig an Nachwuchs für den Arbeitsmarkt fehlen wird.

Somit werden die älteren Erwerbstätigen immer wichtiger für die Betriebe. In der Konsequenz müssen sich große und kleine Unternehmen möglichst frühzeitig auf diese Entwicklungen einstellen. Es gehört zu ihren wichtigsten Zukunftsaufgaben, alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen und mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit in die laufende Qualifizierung der älteren Belegschaften sowie in betriebliche Gesundheitsmaßnahmen zu investieren.

Auch für den IHK-Bezirk Frankfurt kann diese Entwicklung des bis 2025 alternden Erwerbspersonenpotenzials anhand der vorausberechneten Daten konkretisiert werden. Die Gruppe der jüngeren potenziellen Erwerbstätigen (25 bis 44 Jahre) wird deutlich zurückgehen: im Hochtaunuskreis um rund 19 Prozent, im Main-Taunus-Kreis um 15 Prozent und in der Stadt Frankfurt um acht Prozent. Gleichzeitig wird die Gruppe der älteren potenziellen Erwerbstätigen (45 bis 64 Jahre) deutlich größer werden: Im Hochtaunuskreis um fünf Prozent, im Main-Taunus-Kreis um zehn Prozent, in der Stadt Frankfurt um sieben Prozent.

Mehr Menschen ziehen in Großstädte
Die Schülerzahlen werden bis 2025 bundesweit teilweise sehr deutlich zurückgehen – besonders in der Primarstufe (sechs bis neun Jahre). Das betrifft bei deutlichen regionalen Unterschieden auch die alten Bundesländer. So wird beispielsweise in Bayern die Zahl der Kinder im Primarstufenalter etwa in München um 21 Prozent zunehmen, während der Kreis Kronach 32 Prozent dieser Altersgruppe verlieren wird. In den Kommunen des IHK-Bezirks Frankfurt sind bis 2025 in dieser Altersgruppe Rückgänge, im Hochtaunuskreis um 18 Prozent, im Main-Taunus-Kreis um 13 Prozent, zu erwarten. Für die kommunalen Infrastrukturplanungen wird das erhebliche Folgen haben: beispielsweise Schulgebäude mieten statt neu zu bauen oder stärkere räumliche Kooperationen zwischen einzelnen Schulen. Anders verhält es sich in Frankfurt. Dort wird die Altersgruppe zwischen sechs und neun Jahren um sieben Prozent wachsen.

Schließlich wird sich der Trend zur Urbanisierung deutlich verstärken, das heißt, die großen Städte sind die Gewinner der innerdeutschen Wanderungsbewegungen. Dabei wird es in Ost- und Westdeutschland gegensätzliche Entwicklungen geben. Während Dresden, Potsdam und Leipzig Bevölkerungszuwächse verzeichnen, wird die Einwohnerzahl in Chemnitz, Halle, Rostock und Magdeburg deutlich abnehmen. In Westdeutschland bleiben München (plus 11,7 Prozent), Köln (plus 5,8 Prozent) oder Hamburg (plus 3,9) Wachstumsstädte. In Hessen legen vor allem Frankfurt (plus 1,5 Prozent) und Wiesbaden (plus 3,2 Prozent) zu.   


Carsten Große StarmannProjektleiter
„Wegweiser Kommune“
Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
carsten.grosse.starmann@bertelsmann-stiftung.de


Link

Im Internet können Daten und Fakten zu den Auswirkungen des demografischen Wandels für rund 3000 Städte, Gemeinden und Landkreise frei zugänglich und kostenlos abgerufen werden. Hier finden sich nicht nur Zahlen zur Gesamtentwicklung, sondern für jede Kommune auch Zahlen zur Entwicklung der unterschiedlichen Altersgruppen. Weitere Infos online unter www.wegweiser-kommune.de


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