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Zum zweiten Mal hat die IHK Frankfurt zum Wettbewerb „Kita-Check“ aufgerufen. Im IHK-Bezirk Frankfurt haben 225 Kinderbetreuungseinrichtungen an dieser bundesweiten Aktion des DIHK teilgenommen. Die drei familienfreundlichsten Einrichtungen wurden Ende November prämiert.
Drei Kindertagesstätten konnten mit ihrer Familienfreundlichkeit beim diesjährigen IHK-Kita-Check besonders überzeugen. Diese Einrichtungen wurden von der IHK Frankfurt ausgezeichnet. Auf den ersten Platz kam die private Einrichtung „Elternservice Bad Homburg“. Die Kita Kids Wallau in Hofheim, die ein Private-Public-Partnership-Projekt zwischen der Stadt Hofheim und Ikea ist, belegte den zweiten Platz. Die evangelische Kindertagesstätte Sternenwelt Bergen-Enkheim kam auf den dritten Platz. Diese drei Einrichtungen überzeugen insbesondere durch ihre familienfreundlichen Ausrichtungen, die bei flexiblen und langen Öffnungszeiten beginnt und sogar bis hin zur Übernachtbetreuung oder Vermittlung von Babysittern und Tagesmüttern bei Krankheit der Kinder geht.
Immer noch stehen viele Frauen und auch Männer vor der Frage, ob sie sich für Kinder oder Karriere entscheiden. Zwar wurde seit dem ersten Kita-Check im Jahr 2004 einiges ins Rollen gebracht, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für viele Familien aber weiterhin ein Hindernislauf und verlangt viel organisatorisches Talent. Ein wesentliches Element der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist und bleibt ein an den Bedürfnissen berufstätiger Eltern ausgerichtetes Angebot der Kinderbetreuung. Der IHK-Kita-Check deckte Schwachstellen auf. Ein Stolperstein bei der Vereinbarkeit sind weiterhin die täglichen Öffnungszeiten der Kitas. Zwar haben gut 27 Prozent der Kitas vor 7.30 Uhr geöffnet, aber nur vier Prozent nach 18 Uhr.
Aber was ist, wenn die Besprechung wieder länger dauert oder ein Elternteil Überstunden machen muss oder im Stau steht oder die Bahn mal wieder Verspätung hat und das Kind nicht pünktlich in der Betreuungseinrichtung abgeholt werden kann? Hier hat sich bei den Kitas einiges bewegt: Mittlerweile bieten fast die Hälfte der Kitas im IHK-Bezirk eine flexible Betreuung in Ausnahmefällen (zum Beispiel bei Überstunden oder Geschäftsreisen) an. An Samstagen haben dagegen nur drei Prozent der Kitas im IHK-Bezirk Frankfurt geöffnet. Die Möglichkeit, Betreuungszeiten individuell zu vereinbaren und abzurechnen, bietet nur ein Drittel der Kitas an.
Flexible Öffnungszeiten und Ferienbetreuung
Die Länge und Flexibilität der Öffnungszeiten spielt vor allem für Eltern eine Rolle, die im Schichtdienst tätig sind, wie beispielsweise im Einzelhandel, im Gesundheitswesen, in der Industrie, sowie für Eltern, die selbstständig oder in Führungspositionen tätig sind und nicht immer um 17 Uhr das Büro verlassen können. Auch die Betreuung während der Schulferien stellt viele Eltern vor große organisatorische Schwierigkeiten. Während der Schulferien haben gut 80 Prozent der Kitas im IHK-Bezirk Frankfurt ganz oder teilweise geschlossen. Aber auch hier hat sich etwas bewegt: Fast 70 Prozent der Kitas bieten eine gesicherte Alternativbetreuung während der Ferienzeiten an. Der Kita-Check hat deutlich gezeigt, dass es immer wieder private Einrichtungen sind, die mit viel Engagement eine große zeitliche Flexibilität in der Kinderbetreuung schaffen und somit eine große Stütze für die Eltern zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie darstellen.
Vor allem die Betreuung der unter Dreijährigen stand in jüngster Zeit im Mittelpunkt politischer Diskussionen. Dass sich in dieser Altersgruppe einiges bewegt hat, zeigen die Ergebnisse des Kita-Checks. Im IHK-Bezirk Frankfurt besuchen 1 600 Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren eine Betreuungseinrichtung. Ihr Anteil an den betreuten Kindern liegt damit bei 13 Prozent. Die Region hat erste Schritte bei der Betreuung der Kleinsten getan, bis zu einem flächendeckenden Angebot ist der Weg aber noch lang. Der größte Anteil der betreuten Kinder sind auch weiterhin die Kinder im Kindergartenalter von drei bis sechs Jahren. Sie bilden die größte Gruppe mit 64 Prozent.
Auch die Betreuung von schulpflichtigen Kindern stellt viele Eltern vor große Schwierigkeiten. Im IHK-Bezirk Frankfurt werden 23 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren nach der Schule in einem Hort oder durch eine Nachmittagseinrichtung betreut. In der Region FrankfurtRheinMain sollten weitere Anstrengungen unternommen werden, damit das Angebot der Nachmittagsbetreuung für alle Altersstufen flächendeckend ausgebaut wird.
Auch Förderprogramme wurden gecheckt
Der Kita-Check hat aber nicht nur die Betreuungszeiten unter die Lupe genommen, sondern auch das Angebot an Förderprogrammen. So bieten sechs von zehn Einrichtungen ein spezielles Angebot zur Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund an. Aber nicht nur dies ist ein wichtiges Förderangebot in der internationalen Region FrankfurtRheinMain. Auch das frühe Heranführen an Fremdsprachen wird immer wichtiger. Dies wird in den regionalen Kitas in unterschiedlichster Weise gefördert. So werden beispielsweise in einigen Kitas schon die Kleinsten durch deutsch- und englischsprachige Erzieher betreut. Jeder Betreuer spricht mit den Kindern in seiner Muttersprache, sodass die Kinder ganz natürlich bilingual erzogen werden. Aber auch die Förderung der Talente, zum Beispiel durch musikalische Früherziehung oder Experimente in naturwissenschaftlich-technischen Bereichen, ist mittlerweile keine Besonderheit mehr. Insgesamt bieten fast 83 Prozent der Kitas im IHK-Bezirk Frankfurt Förderangebote für die Kinder an.
Zudem haben die regionalen Unternehmen die Bedeutung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erkannt. Während große Unternehmen oftmals eigene Betriebskindergärten gründen – wie beispielsweise die Commerzbank, die Deutsche Bank, Fraport oder Ernst & Young –, greifen mittelständische Unternehmen vermehrt auf die Möglichkeit einer Kooperation mit einer Kinderbetreuungseinrichtung zurück. Elf Prozent der Kitas haben eine Kooperation für Betreuungsplätze mit einem oder mehreren Unternehmen. Deutlich mehr Kitas – 21 Prozent – haben eine Kooperation mit Unternehmen für die Zeit der Schulferien. Trotz des Ausbaus von Kinderbetreuungseinrichtungen kann von einer entspannten Lage nicht die Rede sein. In nur 37 der Kitas, also 16 Prozent, gibt es freie Plätze.
Die IHK-Organisation setzt sich auf Bundesebene und vor Ort für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Die Kinderbetreuung muss der Arbeitswelt der Eltern Rechnung tragen. Der Kita-Check hat gezeigt, dass dies möglich ist. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wird das regionale Betreuungsangebot zu einem noch wichtigeren Standortfaktor und künftig noch stärker in das unternehmerische Investitionskalkül einfließen als bisher. Die Region FrankfurtRheinMain ist somit gut beraten, ihr Angebot deutlich stärker an die Bedürfnisse der Eltern anzupassen und bereits im Kindesalter die Weichen für das zukünftige Arbeitskräftepotenzial zu stellen.
Leiterin
Personal
IHK Frankfurt am Main
IHK Frankfurt am Main
Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung
Forderungen
Schließzeiten über Mittag abschaffen. Sie sind mit den meisten Formen der Erwerbstätigkeit nicht vereinbar.
Kinderbetreuung an Erwerbsrealitäten anpassen. Etwa die Hälfte der Erwerbstätigen arbeitet am Wochenende und / oder im Schichtdienst. Diese Faktoren werden bislang zu wenig berücksichtigt.
Flexibilität ermöglichen. Individuell vereinbarte Betreuungszeiten und Abrechnungen müssen Standard werden, damit Betreuung auch für Teilzeitbeschäftigte passgenau wird.
Kinder auf die Schule vorbereiten. Deutsch muss von allen Kindern fließend gesprochen werden, damit ein erfolgreicher Schulbesuch möglich wird. Deswegen sollte spätestens im fünften Lebensjahr ein Kita-Besuch verpflichtend sein.
Netzwerke ausbauen. Kooperationen, beispielsweise bei der Ferienbetreuung, sind stärker als bisher anzustreben.
IHK WirtschaftsForum
Januar 2009
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