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Bei der Erweiterung ihrer Passagierkapazität am Hauptstandort Frankfurt verfolgt die Fraport eine Doppelstrategie: Im Nordteil des größten deutschen Airports werden bestehende Fluggastgebäude bedarfsgerecht um- und ausgebaut, während im Südteil des Flughafens auf dem Areal der früheren Rhein-Main Air Base der US Air Force das Terminal 3 errichtet werden soll. Dadurch können auf dem Flughafen Frankfurt (FRA) ab 2015 pro Jahr rund 80 Millionen Passagiere aus aller Welt begrüßt werden. Die Kapazitäten der Terminals 1 und 2 sind angesichts des stetig zunehmenden Passagieraufkommens weitgehend erschöpft. Terminal 3 soll Abhilfe schaffen; es wird zusätzliche Abfertigungsmöglichkeiten für bis zu 25 Millionen Passagieren pro Jahr bieten.
Das Frankfurter Terminal 1 nahm im Frühjahr 1972 seinen Betrieb auf. Als es nach anfänglicher und rasch von der Realität widerlegter Gigantomanie-Kritik bald aus allen Nähten platzte, eröffnete die Fraport-Vorgängergesellschaft FAG im Herbst 1994 einen Kilometer weiter östlich das Terminal 2. Und auch dessen Kapazität ist fast erschöpft, ein weiterer Ausbau ist erforderlich. Insgesamt sind, wenn der Bereich C des Terminals 1 nach Osten erweitert ist, die Fluggastgebäude im Norden für bis zu 56 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Mit dem geplanten Terminal 3 werden im nächsten Jahrzehnt zusätzlich Abfertigungsmöglichkeiten für jährlich bis zu 25 Millionen Passagiere hinzukommen. Damit ist Frankfurt imstande, seine Marktposition im stets härter werdenden Wettbewerb mit anderen europäischen Drehkreuzen zu behaupten.
Stillstand wird in einer dynamischen Branche wie der globalen Luftfahrt schnell zum Rückschritt, denn die Konkurrenz und die gesamte Luftverkehrsbranche boomen unverändert. Der Flughafen Frankfurt will seinen über Jahrzehnte erarbeiteten Rang nicht aufgeben, seine Bedeutung als Wirtschaftsmotor für Hessen und weit darüber hinaus sichern – nicht zuletzt im Interesse der zirka 68 000 Menschen, die am Flughafen beschäftigt sind. Er ist damit die größte lokale Arbeitsstätte Deutschlands und folglich ein bedeutender Faktor für die wirtschaftliche Prosperität der Region FrankfurtRheinMain und der gesamten Bundesrepublik.
Neue Landebahn, Terminal 3 und mehr Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird sukzessive ein ehrgeiziges Investitionsprogramm umgesetzt: 3,4 Milliarden Euro sind für das Ausbauprogramm einschließlich einer neuen Landebahn und des neuen Terminals 3 vorgesehen, weitere bis zu zwei Milliarden Euro sollen die vorhandenen Terminals 1 und 2 leistungsstärker und zukunftsfähig machen. Dahinter stehen vor allem die Anpassung an den Super-Airbus A380, die Umsetzung immer strengerer Sicherheitsanforderungen der Europäischen Gemeinschaft, Modernisierungsmaßnahmen, das Ausweiten ertragreicher Flächen für Einzelhandel, Gastronomie, Service und Parken sowie die generelle Erweiterung von Kapazitäten in den vorhandenen Gebäuden.
Beabsichtigt ist, unter anderem an der Wurzel des Flugsteigs A im Terminal 1 Platz zu schaffen für zusätzliche Sicherheitskontrollstellen, großzügigere Lounges und neue Marktplätze für ausreisende Passagiere. Das Parkhaus P 33 soll nach Westen erweitert werden. Auf der Verteilerebene 0 über dem Tiefbahnhof sehen die Planungen einen ansprechenden Retail- und Gastronomiebereich vor allem für die Airportbeschäftigten und Besucher vor. Der Bereich C des Terminals 1 wird gegenwärtig nach Osten verlängert. Notwendig sind zusätzliche Schalter für das Einchecken und weitere Gepäckausgabebänder, um die Zeit bis zur Inbetriebnahme des Terminals 3 zu überbrücken. Bis Ende 2007 stehen darüber hinaus in Halle C neue Flächen für Einzelhandel und Gastronomie zur Verfügung.
Künftig kann auch auf der Südseite des Flughafens eine Passagierabfertigung im großen Stil stattfinden. Möglich wird dies durch die Ende 2005 erfolgte Rückgabe des letzten Teils der Air Base, die die US-Luftwaffe seit 1945 nutzte. Fraport unterstützte mit erheblichen Aufwendungen die Verlagerung der Air Force auf die entsprechend ausgebauten Stützpunkte Ramstein und Spangdahlem in Rheinland-Pfalz. Nach sechs Jahrzehnten ging damit im Süden von FRA die Nachkriegszeit endgültig zu Ende.
Gebrauchswert, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit wichtig Wenn die geplante Nordwest-Landebahn in Betrieb genommen wird, soll etwa zwei Jahre später auch die erste Baustufe des Terminals 3 fertig sein: Je nach Entwicklung des Passagieraufkommens wird das Projekt in mehreren Etappen umgesetzt. Der Süden des Flughafens erhält damit – voraussichtlich bis etwa 2015 – sein eigenes Gesicht mit markantem Profil. Gestalten wird das neue Terminal der Frankfurter Architekt Prof. ChristophMäckler, dessen Vater bereits dem Terminal 1 seinen Stempel aufdrückte.
Die von Fraport eingesetzte Jury, die ihre Entscheidung am 20. Mai 2005 verkündete, hat es sich nicht leicht gemacht. Für den Siegerentwurf sprach in erster Linie, dass er Ästhetik und Funktionalität bei Einhaltung des vorgegebenen Kostenrahmens bestmöglich in Einklang bringt. Der modulare Ansatz erlaubt es, bei Bedarf ohne Beeinträchtigung des Gesamtbildes Teilbereiche des Terminals 3 nach betrieblichen Anforderungen zu verändern. Letztlich standen Gebrauchswert, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit beim Spruch der Jury vornan.
Das Terminal 3 wird aus drei Teilen bestehen: An der Vorfahrt von Süden her erhebt sich künftig eine etwa 250 Meter lange und 50 Meter tiefe gläserne Halle. Sie bietet Platz für 175 Schalter zum Einchecken. Im Anschluss daran folgt ein Trakt, in dem die Sicherheitskontrollen stattfinden. Von einem Zentralgebäude mit großem Marktplatz für Handel, Gastronomie und Service ragen im Endausbau vier Flugsteige ins südliche Flughafenvorfeld. Die Flugsteige sind zirka 350 bis 650 Meter lang, andocken sollen an ihnen im Endausbau 50 Jets. Daneben werden am Terminal 3 künftig 25 Vorfeldpositionen bereitstehen. Unerlässlich für das Drehkreuz FRA ist eine gute Anbindung des Südteils an die Fluggastgebäude im Norden. Dafür soll eine zweite Trasse der automatischen Pendelbahn Sky Line sorgen, die eine Station im Untergeschoss des Terminals 3 bekommt.
Ziel der Fraport ist es, mit dem Terminal 3 an die Erfolgsgeschichte des vielfach modifizierten und in der Kapazität immer wieder erweiterten Terminals 1 anzuknüpfen. Das Fluggastgebäude im Süden soll ebenso kostengünstig wie flexibel in der Nutzung sein, verschärften Sicherheitserfordernissen entsprechen und künftigen Konzepten für Handel und Gastronomie Raum geben. Weitere wichtige Vorgaben: Das Terminal 3 muss für die Airlines als Nutzer attraktiv sein und Fluggästen wie Airportbeschäftigten eine angenehme Atmosphäre bieten. Zudem wird Trends wie der zunehmenden Bedeutung des Eincheckens per elektronischer Tickets Rechnung getragen. Die Kosten für das neue Gebäude einschließlich seiner landseitigen Anbindung werden mit rund 1,3 Milliarden Euro beziffert.
Dr. Stefan Schulte Vorstand Finanzen und Bau, Fraport Frankfurt am Main Foto: Fraport
IHK WirtschaftsForum Juni 2006
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