Bürgschaften - Starke Nachfrage
Die Bürgschaftsbank Hessen greift kleinen und mittleren Unternehmen mit Bürgschaften und Garantien unter die Arme. Immer wieder profitieren auch Großhandelsunternehmen von den Programmen.
Wer in Hessen eine Sicherheit bis zu einem Betrag von derzeit zwei Millionen Euro braucht, ist gut beraten, sich an die Bürgschaftsbank in Wiesbaden zu wenden. Denn als Selbsthilfeeinrichtung der hessischen Wirtschaft fördert die Bürgschaftsbank Hessen (BBH) seit 1954 den wirtschaftlichen Erfolg kleiner und mittlerer Unternehmen sowie von Freiberuflern. Für Unternehmer, die ein überzeugendes Konzept vorlegen, stellt die BBH Bürgschaften für Kredite oder Beteiligungen. Gesellschafter sind die Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Kreditinstitute, eine Versicherung und zahlreiche Verbände, darunter auch der Verband Großhandel Außenhandel Verlage und Dienstleistungen Hessen.
Programme und Optionen orientieren sich am Bedarf
Orientiert am Bedarf der Wirtschaft, entwickelt die Bürgschaftsbank ständig neue Programme und Optionen. Das gemeinsam mit dem Land Hessen gestartete Sonderprogramm Betriebsmittelbürgschaften, das die Liquidität von unverschuldet in Schieflage geratenen Unternehmen erhalten soll, wurde 2009 sehr stark nachgefragt und erfreut sich auch in diesem Jahr noch großer Beliebtheit. Meistens stellt die Hausbank den Antrag bei der Bürgschaftsbank, die nach positiver Prüfung das Vorhaben besichert. Bis zu 80 Prozent des Kreditbedarfs können auf diesem Weg verbürgt werden.
Im August 2009 wurde das Programm BoB ausgebaut. Die Abkürzung steht für „Bürgschaft ohne Bank“. Das Programm wurde ursprünglich Existenzgründern, Unternehmensnachfolgern und jungen Unternehmern angeboten. Für die Zeit von August 2009 bis Ende 2010 wurde es auf alle kleinen und mittleren Unternehmen Hessens mit einer bestehenden Bankverschuldung von maximal 500 000 Euro ausgeweitet. Damit reagierte die Bürgschaftsbank Hessen auf die aktuelle Wirtschaftslage und die damit zum Teil verbundenen Schwierigkeiten, Investitionen bis 500 000 Euro oder Betriebsmittel bis 300 000 Euro finanziert zu bekommen. Dabei führt der Weg zunächst nach Wiesbaden zur Bürgschaftsbank, die im Erfolgsfall eine erstklassige Sicherheit vergibt. Mit dieser kann der Unternehmer dann eine finanzierende Bank oder Sparkasse finden, in der Regel zu deutlich günstigeren Konditionen.
Firma Wiesenglück nahm Bürgschaft in Anspruch
Über BoB kamen auch die Frankfurter Designer Gerhard Feuerbach und Michael Scheicht an ihren Kredit. Ihr Label Wiesenglück steht für eine Schultertasche aus Autoplane, Nylon oder Kunstleder, für eine Picknickdecke aus Kunstrasen oder trendigen Stoffen im Retrolook, für ein Reißverschlusssystem, für eine Idee. Die beiden Geschäftsführer entwickelten die Tasche mit Wechselcover während der Fußball-WM 2006. Das Cover kann mithilfe eines speziellen Reißverschlusses von der Tasche abgenommen, auseinandergefaltet und als Decke verwendet werden. Derselbe Reißverschluss dient auch dazu, mehrere Cover zu einer großen Decke zu verbinden. Es wäre daher nicht überraschend, demnächst große bunte Decken der Firma Wiesenglück beim Picknick im Park oder bei Großkonzerten zu sehen.
Feuerbach und Scheicht kennen sich, seit sie gemeinsam Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studierten. Seit fast vier Jahren sind sie nun mit Wiesenglück am Markt, die Rahmenbedingungen für eine reibungslose Produktion und Vermarktung sind gegeben. Um die Taschen für etwas mehr als 100 Euro verkaufen zu können, entschieden sie sich für verschiedene Produktionsstätten in Europa und Asien. Dies allerdings erst nach eingehender Prüfung, denn sie wollten sicher sein, dass nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern auch die Bedingungen für die Arbeiter ihren Anforderungen entsprechen.
Wiesenglück-Taschen sollen Europa, Asien und USA erobern
Derzeit sind vier verschiedene Taschenmodelle in jeweils sechs Farben auf dem Markt, die mit etwa 19 unterschiedlichen Covern kombiniert werden können. Damit die Tasche mit Wechselcover auch weiterhin nur von der Firma Wiesenglück erhältlich ist, haben die beiden Geschäftsführer ihre Idee mit einem Patent geschützt. Nun wollen sie von ihrem Laden in Bornheim aus die Welt erobern. In 13 deutschen Städten, im schweizerischen Solothurn und in Tokio sind die Taschen bereits in ausgewählten Boutiquen erhältlich. Mit der aktuellen Kollektion und weiteren neuen Taschenmodellen und immer wieder neuen Coverdesigns und Accessoires sollen nicht nur weitere deutsche Städte, sondern auch verschiedene Länder Europas, Asiens und der USA hinzukommen.
Neben dem Verkauf über Läden und Handelsvertreter planen die beiden Designer auch Kooperationen mit exklusiven Partnern aus verschiedenen Branchen. Für diesen nächsten Schritt, den Ausbau der Marke Wiesenglück zur Kultmarke auf internationalem Parkett, benötigten Feuerbach und Scheicht Fremdkapital. Unser Unternehmensberater erzählte uns von BoB. Der Kontakt zu unserer Kundenberaterin bei der BBH war sehr persönlich, alles ging unbürokratisch und schnell, so Scheicht.
Fast 500 Anträge wurden 2009 gestellt
Im Jahr 2009 gingen bei der Bürgschaftsbank Hessen mehr Anträge ein als jemals zuvor. Auch für 2010 wird abermals ein Rekordjahr erwartet. Denn kleine und mittlere Unternehmen, Angehörige der freien Berufe und Existenzgründer benötigen mehr denn je erstklassige Sicherheiten, um ihre Vorhaben finanzieren zu können. Fast 500 Anträge gingen 2009 in Wiesbaden ein, bis zum Jahresende 2009 wurden 274 Bürgschaften und Garantien übernommen. Gegenüber 2008 bedeutete dies einen Anstieg von fast 50 Prozent. Damit ermöglichte die Bürgschaftsbank durch ihre Sicherheiten in Hessen Investitionen und Betriebsmittel in Höhe von 107 Millionen Euro, mit denen landesweit über 4 600 Arbeitsplätze geschaffen oder abgesichert werden konnten. Besonders erfreulich: Trotz Krise blieb auch die Zahl der geförderten Existenzgründungen stabil. Für insgesamt 106 Neugründungen oder Übernahmen wurde mithilfe der Bürgschaften und Garantien ein Kreditvolumen von insgesamt 25,5 Millionen Euro besichert.
Aktuell bietet die Bürgschaftsbank Hessen gemeinsam mit der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) Hessen ein neues Programm an, das Liquiditätssicherung und Beteiligungskapital kombiniert. Es wurde auf Bundesebene in enger Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftsministerium konzipiert. Dieses neue Programm unterstützt die mittelständische Wirtschaft, damit sie bei wieder anziehender Nachfrage handlungsfähig für Auftragsvorfinanzierungen bleibt.
Autor
Norbert Kadau
Geschäftsführer
Bürgschaftsbank Hessen
Wiesbaden
kadau@bb-h.de
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