Offenheit zahlt sich aus
Kreditvergabe: Kommunikation mit Banken in Zeiten der Wirtschaftskrise

Fakt ist: Unternehmer, die ihre Kapitalgeber umfassend, schnell, regelmäßig und persönlich informieren, haben bessere Chancen auf einen Kredit. Zudem müssen sie tendenziell weniger Sicherheiten stellen, haben durchschnittlich geringere Zinskosten und erfahren in Notfällen eher Unterstützung. Vor diesem Hintergrund stellt sich insbesondere für kleinere und mittelständische Unternehmen die Frage, wie sie ihre Kommunikationsstrategie gegenüber Banken optimieren können.

Aufschlussreich sind die Ergebnisse einer im Auftrag von Euler Hermes bei 716 Unternehmen und 300 Kapitalgebern durchgeführten Studie: Diese hat ergeben, dass nur knapp die Hälfte der Kapitalgeber die Informationspolitik der Unternehmen für ausreichend hält. Das heißt im Umkehrschluss sicherlich nicht, dass die Kapitalgeber mit den Informationen der anderen Hälfte der Unternehmen vollkommen zufrieden sind.

Hilfreich ist in diesem Kontext das Instrument des Informationsmemorandums. Bei größeren Finanzierungen, insbesondere bei Unternehmenskäufen, kam es in der Vergangenheit bereits häufig zum Einsatz. Dort wenden sich die potenziellen Käufer im Zuge der Transaktion mit einem von der Verkäuferseite zur Verfügung gestellten, ausführlichen Informationsmemorandum über das zu akquirierende Unternehmen meist parallel an verschiedene Banken, um schnellstmöglich eine Finanzierungszusage für den Fall des Zuschlags zu erhalten. Angesichts des Zeitdrucks müssen die Informationen so umfassend und so gut aufbereitet sein, dass die Bank rasch entscheiden kann. Nicht nur bei der Finanzierung von Unternehmensübernahmen, sondern auch bei Start-up- oder frühen Expansionsfinanzierungen ist die Erstellung eines solchen Memorandums üblich.

Die Praxis der fortlaufenden Finanzierung von kleineren und mittelständischen Unternehmen (KMU) zeigt aber meist ein ganz anderes Bild. Von der Kreditanfrage bis zur Kreditzusage vergehen Monate, die selten durch einen strukturierten Prozess samt klarer Informationsanforderungen gekennzeichnet sind. Zahllose persönliche Gespräche, Telefonate, unvollständige Dokumentenvorlage, spontane Nachfragen und kurzfristig notwendige Aufbereitung von Daten und Informationen können die Beziehung zwischen Bank und Unternehmer stark belasten.
 
Schneller Einstieg in Finanzierungsgespräche
Die proaktive Erstellung eines Informationsmemorandums durch das Unternehmen gewährleistet hingegen einen unverzüglichen und professionellen Einstieg in Finanzierungsgespräche. Zusammen mit historischen Jahresabschlüssen und aktuellen betriebswirtschaftlichen Auswertungen beinhaltet dieses Memorandum von Anfang an fast komplett diejenigen Informationen, die das Finanzinstitut benötigt, um eine fundierte Kreditentscheidung treffen zu können. Darüber hinaus ist das Management des Unternehmens nach der Aufbereitung eines solchen Informationsmemorandums besser auf Rückfragen der Kreditgeber vorbereitet. Dies wird den Finanzierungsprozess zusätzlich beschleunigen.

Ist das Informationsmemorandum erst einmal erstellt, gestaltet sich in den folgenden Jahren der Aufwand für die viertel- oder halbjährlichen Aktualisierungen (Banken-Reporting) überschaubar. Entweder wird das gesamte Dokument aktualisiert oder es wird ein separater Aktualisierungsreport verfasst, der lediglich auf die Veränderungen im Unternehmen und im Markt sowie die aktuellen Zahlen eingeht. Ohne Zweifel ist die erstmalige Erstellung eines solchen Dokuments ein aufwendiger Prozess. Das Unternehmen kann das Erarbeiten des Memorandums aber auch zum Anlass nehmen, in Zusammenarbeit mit der ersten und zweiten Führungsebene eine Standortbestimmung vorzunehmen. Dies kann beispielsweise im Rahmen von Workshops geschehen. Im Anschluss daran kann den jeweiligen Verantwortlichen die Aufbereitung eines Teils des Dokuments übertragen werden.

In der Unternehmenspraxis kann es sich durchaus als vorteilhaft erweisen, die Erstellung des Dokuments einem unabhängigen Dritten zu übertragen. Zum einen ist ein solches Projekt in der Regel von der Geschäftsführung zeitlich neben dem Tagesgeschäft kaum realisierbar. Zum anderen bringt der Berater – wie die Kreditgeber – den „kritischen und neutralen Blick von außen“ sowie genügend Distanz mit, um als Projektleiter die erforderlichen Informationen im Unternehmen zu beschaffen und die weiteren Schritte in die Wege zu leiten.

     
Dr. Carsten Vier
Geschäftsführender Gesellschafter
Tetra Capital GmbH,
Bad Homburg


Stand: März 2010