Familienunternehmen
Maßgeschneiderte Lösungen
Ein Gespräch mit Markus Otto und Tobias Schätzmüller, Geschäftsführer, @Visory Partners, Wiesbaden, über Wachstumsfinanzierungen für Familienunternehmen und strukturierte Nachfolgeregelungen.
Wie viel Eigenkapital braucht ein familiengeführtes Unternehmen heutzutage, um einen Kredit zu günstigen Konditionen zu bekommen?
Otto: Die Kreditvergabe der Banken ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Der Indikator Eigenkapital ist dabei aber nur eine von mehreren Bezugsgrößen. Aus unserer Erfahrung ist als Finanzierungsvoraussetzung eine Minimum-Eigenkapitalquote von mindestens 20 Prozent notwendig. Die Höhe ist allerdings auch abhängig von der jeweiligen Branche, der individuellen Entwicklung des Unternehmens in der Vergangenheit und der Finanzplanung.
Schätzmüller: Die Frage der Konditionen ist daher nicht alleine am Eigenkapital festzumachen. Hier spielen ferner Kennziffern wie Nettofinanzverbindlichkeiten / Ebitda sowie Interest Cover Ratio, also die Relation zwischen Ebitda und Zinskosten, eine tragende Rolle sowie das indikative Rating der Gesellschaft, also die Einschätzung aus Geschäftsrisiko und Finanzrisiko. Eine solide Bonität (sogenanntes Investment Grade
Rating) wird zu auskömmlichen Konditionen führen.
Die Schwierigkeiten der Prolongation von günstigem Mezzanine-Kapital für viele Unternehmen hat gezeigt, dass es darauf ankommt, eine nachhaltige Finanzierungsstrategie zu definieren. Welche Anforderungen sehen Sie hierbei als besonders wichtig an?
Schätzmüller: Zunächst ist Mezzanine-Kapital ja tendenziell kein billiges Kapital. Die Berechtigung der Mezz- und Preps-Programme resultiert aus der Vergangenheit. Sie wurden mit rund fünf Milliarden Euro über den Mittelstand gestreut. Nach unserer Erfahrung haben etwa 30 Prozent der Unternehmen noch keine strukturierte Lösung für die Refinanzierung der Tranchen aufgesetzt. Auch hier werden die Unternehmen keine Probleme haben, die sich grundsätzlich im Bereich einer soliden Bonität (Investment Grade) befinden und die entsprechenden Kennziffern, insbesondere Nettofinanzverbindlichkeiten / Ebitda zwischen 2 und 3, erfüllen. Unternehmen mit zyklischen Geschäftsmodellen werden sich künftig intensiver mit der Refinanzierung und gegebenenfalls einer damit einhergehenden Gesamtrefinanzierung auseinandersetzen müssen, wenn nämlich der Cashflow nicht ausreichend ist, um die Mezz- und Preps-Programme zu bedienen.
Otto: Im Rahmen eines Gesamtrefinanzierungskonzepts ist es wichtig, eine für die spezifischen Anforderungen des Unternehmens maßgeschneiderte Lösung zu entwickeln. Dies umfasst einen Laufzeitenfächer (Tilgungen, Fälligkeiten) und unterschiedliche (Fremd-)Finanzierungsformen. Die standardisierten Mezzanine-Programme wurden dieser Anforderung nicht gerecht.
Nach welchen Kriterien beurteilen Investoren und Kapitalgeber die Kapitalstruktur eines Unternehmens?
Otto: Es ist grundsätzlich zwischen Fremd- und Eigenkapitalgebern zu unterscheiden. Fremdkapitalgeber schauen in der Regel auf den Verschuldungsgrad des Unternehmens, die korrespondierende Eigenkapitalquote sowie die Kapitaldienstfähigkeit, also die Fähigkeit, Zins und Tilgung zu bedienen, sowie die verfügbaren Kreditsicherheiten. Eigenkapitalgeber schauen eher auf die Amortisationsfrist, also wann ein Investment im Zeitablauf zurückgeführt wird, und die damit einhergehenden Kennziffern wie Eigenkapitalrendite oder den Multiplikator auf das eingesetzte Kapital – auch Money Multiple genannt.
Würden Sie dennoch der These zustimmen, dass die Beschaffung von Fremdkapital nach wie vor Priorität bei vielen Familienunternehmen haben sollte?
Schätzmüller: Die Frage lässt sich nicht verallgemeinern. Bei einer Vielzahl unserer Mandanten sehe ich diese Aufgabenstellung im Vordergrund. Gleichwohl, und das gilt es zu betonen, ist dies stark vom Einzelfall abhängig. Die Ausgangslage für Refinanzierungen ist aufgrund des historisch niedrigen Zinsniveaus nach wie vor sehr günstig. Sie wird von vielen Unternehmen für eine Optimierung der Finanzierungsstruktur genutzt. Darüber hinaus sind zunehmend aber auch Wachstumsfinanzierungen im Zuge der angezogenen Wirtschaftslage zu erkennen. In diesem Zusammenhang kommen auch, in Ergänzung zu Fremdkapital, maßgeschneiderte Mezzanine-Lösungen oder Growth Capital (Minderheitsinvestitionen) aus dem Private-Equity-Sektor infrage.
Die neue Form der Kapitalbeschaffung auf den Anleihemärkten ist inzwischen auch im Mittelstand bekannt. Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen mitbringen, um sich dort günstig zu finanzieren?
Otto: Festzuhalten bleibt: Nicht jedes Unternehmen ist emissionsfähig. Ein Unternehmer darf auch nicht dem Hype der Anleihe verfallen. Voraussetzung ist eine bestimmte Größenordnung, das heißt, eine Anleihe unter 20 Millionen Euro ist nicht oder nur schwer platzierbar. Die Kosten einer Anleihe sind im Vergleich zu anderen Finanzinstrumenten sehr hoch, sie betragen zwischen drei und fünf Prozent auf das Volumen. Zudem kommen hohe Dokumentationserfordernisse auf das Unternehmen zu – und zwar bei Begebung und während der Laufzeit der Anleihe. Am Ende sollte immer das Bewusstsein dafür vorhanden sein, dass die Anleihe bedient werden muss.
Wachstumszyklen sind oft gekennzeichnet durch verstärkte M&A-Aktivitäten. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Familienunternehmen dabei einen günstigen Kauf- beziehungsweise hohen Verkaufspreis erzielen?
Schätzmüller: Die Frage ist aufzuteilen in Verkauf und Kauf. Grundsätzlich sind zurzeit Unternehmen in der Größenordnung ab 100 Millionen Euro Umsatz stark umworben. Wir sehen in verauktionierten Prozessen Einstiegsbewertungen von 6 bis 8 (Ebitda-basiert), insofern ist sicher von einem günstigen Marktumfeld auszugehen. Per se gesucht werden natürlich antizyklische Geschäfte, Nischenplayer, Technologieführer und ausgerichtete krisenfeste Geschäftsmodelle. Dies steht für einen entsprechend attraktiven Unternehmenswert. Niedrige Kaufpreise bestehen nach wie vor bei problembehafteten Situationen und Schieflagen, hohen Verschuldungen sowie Exit-Druck von Investoren.
Das Thema Unternehmensnachfolge verlangt nachhaltige Lösungen. Wann ist der richtige Zeitpunkt, externe Partner mit in das Boot zu holen?
Otto: Diese Frage wird uns natürlich öfters gestellt. Zu unterscheiden ist zwischen der Managementnachfolge und der Unternehmensnachfolge. Zunächst sollten die Weichen für die Managementnachfolge gestellt werden. Aus Sicht der Banken sollte der Unternehmer ab einem bestimmten Lebensalter damit beginnen, sich eine hoch qualifizierte Managementebene aufzubauen. Insbesondere in kleinen Unternehmen ist es eine große Herausforderung, den geeigneten Nachfolger zu finden. Denn nicht immer passen die zunächst ausgewählten Kandidaten, und nicht selten fällt dem Unternehmer das Loslassen schwer. Die Unternehmensnachfolge im Sinne des Eigentumsübergangs sollte anschließend im Rahmen eines gut geplanten und wohlstrukturierten Prozesses geregelt werden.
Schätzmüller: Für die Partnersuche und den Verkauf sollte ein Zeitraum von mindestens sechs Monaten angesetzt werden. Der ideale Zeitpunkt hierfür ist dann gegeben, wenn das Unternehmen gut ausgerichtet ist, stabile Ergebnisse aufweist, positive Wachstumsperspektiven besitzt, die Bank sich offen gegenüber Gesprächen zeigt und eine Finanzierung gegebenenfalls mit unterstützt. Diese Voraussetzungen können einen attraktiven Kaufpreis zur Folge haben.
Interview
Detlev Prutz
Freier Kongressorganisator, Berlin
IHK Wirtschafts-Forum
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