Unternehmensfinanzierung
Kurze Wege zum Kredit

Das neue Beratungsangebot der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen zur Unternehmensfinanzierung in Kooperation mit der IHK Frankfurt bietet nun noch mehr Service für KMU. Ein Gespräch mit Dr. Herbert Hirschler, Sprecher der Geschäftsleitung der WIBank.

Herr Dr. Hirschler, die Wirtschaftskrise hat den Mittelstand fest im Griff. Viele kleine und mittlere Betriebe fürchten weitere Verschlechterungen ihrer Finanzierungsbedingungen. Welche Hoffnung können Sie machen?

Es hilft wenig, über die täglichen Krisenmeldungen nur zu reden. Bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen haben wir uns gefragt, wie wir betroffene Unternehmen praktisch dabei unterstützen können, krisenbedingte Schwierigkeiten erfolgreich zu meistern. Das Land Hessen, der Bund und die Europäische Union unterstützen mittelständische Betriebe mit einer Vielzahl verschiedener Förderprogramme. Darunter sind auch neue Programme, die durch öffentliche Bürgschaften wichtige Hilfestellung geben können. Aufgrund der Fülle der Förderangebote verlieren Unternehmen jedoch schnell die Orientierung.

Und genau hier setzt das neue Beratungsangebot des „Finanzierungs- und Fördersprechtags“ an, das die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen gemeinsam mit der IHK Frankfurt umsetzt.


Richtig. Mit vereinten Kräften wollen wir Unternehmen, aber auch Existenzgründer, schnell und kompetent über die für sie infrage kommenden Fördermöglichkeiten informieren und die Versorgung der Unternehmen mit Krediten, Bürgschaften, Zuschüssen und Beteiligungskapital deutlich steigern.

Was macht dieses Angebot so attraktiv?

Es gibt für fast jeden Investitionsanlass, aber auch für die Betriebsmittel- und Eigenkapitalstärkung Fördermöglichkeiten. Im persönlichen Beratungsgespräch können wir schnell sagen, wie viel Geld die Unternehmen wofür bekommen können und ob ein Antrag auf öffentliche Förderung Aussicht auf Erfolg hat. Auch komplexere Projekte können beurteilt und je nach Vorbereitung auch schon im ersten Durchgang bis zur Entscheidungsreife gebracht werden, sodass die Unternehmen ihre Kreditverhandlungen mit den Banken zügig zu Ende führen können. Auf jeden Fall können wir den Firmen dabei helfen, die richtigen Programme zu finden, die für den jeweiligen Finanzierungsanlass zweckmäßig sind.

Gibt es bei den zu fördernden Projekten bestimmte Schwerpunkte?

Im Prinzip nein. Gefördert werden Maßnahmen ganz unterschiedlicher Art, zum Beispiel der Erwerb von Grundstücken und Gebäuden, der Kauf von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen sowie von Betriebs- und Geschäftsausstattung, aber auch die Übernahme eines bestehenden Unternehmens oder der Erwerb einer Beteiligung. Neben der Investitionsfinanzierung ist auch die Finanzierung von Betriebsmitteln wie etwa Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen möglich. Die Bandbreite der Fördermöglichkeiten ist immens.

Hat sich die Inanspruchnahme der Förderungen in den vergangenen Monaten verändert?

Ja, die Kreditanfragen haben in den vergangenen Monaten  erheblich zugenommen. Infolge der Krise hat sich der Finanzierungsbedarf der Betriebe allerdings geändert. Der Schwerpunkt verschob sich von den Investitionen hin zur Finanzierung von Betriebsmitteln und Konsolidierungen. Bei größeren Investitionsvorhaben halten sich die Unternehmen nach wie vor zurück. Wegen der unsicheren Marktentwicklung im In- und speziell auch Ausland bleiben die Pläne vorerst noch in der Schublade. Wenn sich das Konjunkturklima in den nächsten Monaten weiter aufhellt, erwarten wir aber, dass auch Investitionskredite wieder stärker nachgefragt werden.

Lassen Sie uns einige typische Problemlagen von Unternehmen erörtern. Was empfehlen Sie zum Beispiel einem in der Substanz gesunden Unternehmen, das nun in Finanzierungsschwierigkeiten gerät?

Gerade kleineren Unternehmen rate ich, den Dialog mit ihrer Hausbank zu suchen und offen über die betriebliche Situation zu sprechen. Denn nur wenn sie gut informiert sind, werden die Kreditinstitute bereit sein, auch Phasen rückläufiger Erträge und angespannter Liquidität zu begleiten. In der Praxis zeigt sich, dass es vielen Mittelständlern schwerfällt, eine strategische Kommunikation mit den Banken ohne Hilfestellung zu führen. Um aber weiterhin mit der Hausbank gut im Geschäft zu bleiben, müssen Betriebe ein stabiles operatives Geschäft beziehungsweise die verlässliche Aussicht auf eine nachhaltige Besserung der Geschäftssituation durch einen fundierten Businessplan nachweisen. Unternehmer, die einen solchen Nachweis aus eigener Kraft nicht führen können, sollten sich rasch Hilfe suchen. Eine erste Anlaufstelle für eine solche Fragestellung kann die IHK sein. Gemeinsam mit ihrem Beraternetzwerk gewährt sie schnelle Unterstützung, ob in Krisensituationen, bei der Umstrukturierung, in Phasen schwierigen Wachstums oder bei anstehendem Generationswechsel beziehungsweise Betriebsübergang.

Was können Unternehmer tun, wenn die Hausbank in der Vergangenheit die Vergabe eines Kredites schon abgelehnt hat?

Zunächst einmal sollte sich der Unternehmer nach einer Kreditablehnung die Gründe dafür genau ansehen und mit seinem Firmenkundenberater besprechen. Wenn die Kreditvergabe an mangelnden Sicherheiten gescheitert ist, könnten Ausfallbürgschaften eine Unterstützung darstellen. Mit der „Bürgschaft ohne Bank“ können Bürgschaften bis zu einer Höhe von 500000 Euro direkt bei der Bürgschaftsbank beantragt werden. Die Zusage einer solchen Bürgschaft erleichtert der Hausbank die Kreditvergabe und stellt einen wichtigen Baustein für ein Finanzierungskonzept dar.


Und wenn profitablem Wachstum nur die Finanzierung im Wege steht?

Die Finanzierung von Erweiterungsinvestitionen ist eine typische Fragestellung an die Berater. Bei einem kürzlich durchgeführten Sprechtag nahm ein Unternehmen teil, das für Fertigteile in der Metallbearbeitung ein Hochregallager errichten wollte. Diese Investition hätte wegen der guten Geschäftslage auch aus der Innenfinanzierung getätigt werden können, aber der befürchtete Mittelabfluss im Unternehmen bereitete Sorge. Im Beratungsgespräch wurde eine idealtypische Finanzierung für das Unternehmen aufgezeigt. Priorität hatte dabei die Liquiditätsschonung. Daher war die Kernempfehlung der Berater, zur Refinanzierung einen langfristig laufenden Förderkredit und zur Risikoteilung für die Hausbank eine „Bürgschaft ohne Bank“ zu beantragen. Der Unternehmer wandte sich zunächst an die Bürgschaftsbank, der gegenüber die IHK im weiteren Antragsprozess noch eine Stellungnahme abgab. Danach ging der Unternehmer mit dem Bürgschaftszertifikat auf seine Hausbank zu, die den Förderkredit beantragte. So wurde das Vorhaben erfolgreich auf den Weg gebracht.

Wie sollten sich Interessierte für den Finanzierungs- und Fördersprechtag vorbereiten?

Damit die Beratung möglichst viel bringt, ist es sinnvoll, dass die Planung für das zu finanzierende Projekt schon relativ konkret ist. Die Berater sollten vor dem Beratungstermin eine Kurzbeschreibung des Vorhabens per Mail erhalten. Besonders hilfreich wäre es, wenn schon ein Businessplan und ein Investitionsplan vorlägen. Darüber hinaus wäre es auch sinnvoll, eine etwaige Korrespondenz mit der Hausbank mitzuschicken, sofern bereits Finanzierungsgespräche geführt worden sind. Auf einer solchen Grundlage zeigen die Experten von IHK und WIBank dem Unternehmer oder Gründer dann mindestens die verschiedenen Möglichkeiten der Finanzierung auf. Zudem können sie Tipps geben, zum Beispiel, was an dem Businessplan noch verbessert werden könnte oder wie man sich auf ein Bankgespräch vorbereiten kann.

     
Interview

Michael Höppner
IHK Frankfurt am Main
Starthilfe und Unternehmensförderung


Sprechtage

Die nächsten Finanzierungs- und Fördersprechtage finden am
17. März, 21. April, 19. Mai, 23. Juni, 21. Juli, 18. August, 15. September, 20. Oktober, 17. November und 15. Dezember in der IHK Frankfurt statt.
Die Einzelberatung ist kostenfrei und erfolgt nach Terminabsprache. Anmeldungen sind online über die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen unter
www.wibank.de
www.foerderberatunghessen.de
oder über die IHK Frankfurt unter www.frankfurt-main.ihk.de möglich. Vor dem Beratungstermin sollten die Unternehmer eine Kurzbeschreibung ihres Vorhabens an die WIBank unter foerderberatung@wibank.de mailen.


IHK WirtschaftsForum
März 2010