Nischenmärkte besetzt
Gespräch mit Thorsten Kortemeier, Geschäftsführer von Minox, Wetzlar.
Herr Kortemeier, das Traditionsunternehmen Minox ist bekannt für seine Innovationskraft in winzigen Abmessungen. Vor vier Jahren hat Minox eine Finanzierung mit Hessen Kapital in Anspruch genommen. Wie kam es dazu?
Kortemeier: Wir mussten uns damals aufgrund der wirtschaftlichen Situation von Minox neu ausrichten. Und da analysiert man als Erstes, wofür die Marke steht. Sie steht für klein, für Miniaturisierung. Und dann schaut man sich aufmerksam den Markt an. Uns ist klar gewesen, dass wir nicht mit einer Firma wie Panasonic oder Sony um die Wette rennen können. Also haben wir uns – wie schon immer – mit den Nischenmärkten auseinandergesetzt. Da war es naheliegend, das Thema Spionage-Fotografie und Miniatur-Kameras in die digitale Zeit zu übertragen. Die Kamera basierte auf dem speziellen Minox-Film – und das war gleichzeitig das Handicap, da dieser Film eben nicht an jeder Supermarkttheke zu haben war. Die digitale Technologie brachte die Chance mit sich, uns der breiten Masse zu öffnen. Das erforderte einen hohen Investitionsbedarf.
Wurde in weitere Produktentwicklungen investiert?
Gleichzeitig haben wir uns im Bereich der Sportoptik mit den Produkten Ferngläser, Beobachtungsfernrohre, kleine Makroskope, die überwiegend von Naturbeobachtern, Jägern, Ornithologen und Wassersportlern benutzt werden, ausgeweitet. Auch hierbei handelt es sich um einen Nischenmarkt, der aber stetig wächst, weil eben die Sensibilität der Gesellschaft für Natur generell wächst.
Wie sind Sie seinerzeit auf Hessen Kapital gekommen, hat Sie jemand darauf aufmerksam gemacht?
Das war im Prinzip unsere Hausbank, die Volksbank, die uns verschiedene Szenarien aufgezeigt hat, und über die kamen wir mit der IB H in Kontakt.
Hatten Sie sich seinerzeit auch nach anderem Beteiligungskapital oder nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten umgeschaut?
Sicherlich. Allerdings war es uns wichtig, das in einer Partnerschaft mit unserer Hausbank zu machen. Wahrscheinlich wäre auch eine Private-Equity-Finanzierung möglich gewesen. Wir haben eben eine recht bekannte Marke und gleichzeitig wissen wir, dass es Interesse gibt, sich an uns zu beteiligen. Jedoch sind wir ein kleines Unternehmen. Wir wollten unsere Selbstständigkeit beibehalten, und nach längerem Abwägen haben wir uns dann für die stille Beteiligung entschieden.
War dies auch der Grund, keine offene Beteiligung anzustreben, obwohl die IB H ja beide Möglichkeiten bietet?
Ja, denn bei der offenen Beteiligung ist es so, dass die IB H nach einem gewissen Zeitraum das Recht erhält, diese Anteile dem Markt anzudienen. Zu diesem Zeitpunkt bestünde für das Unternehmen wiederum das Risiko, dass wir einen weiteren Gesellschafter bekommen, wodurch sich gegebenenfalls unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Ausrichtung entwickeln könnten. Eine solche Belastung verträgt ein kleines Unternehmen nicht.
Das geplante und mitzufinanzierende Vorhaben muss im Land Hessen realisiert werden. War das für Minox ein Problem, da Sie die Herstellung Ihrer Produkte aus Kostengründen in den fernen Osten verlagert haben?
Das ist weniger eine Frage der Kosten, es ist mehr eine Frage der Technologien. Die Bauteile, die wir für unsere digitalen Kameras benutzen, die werden leider nicht mehr in Deutschland oder Europa hergestellt, sondern da gibt es Schlüssellieferanten im asiatischen Bereich. Alle Produkte werden jedoch hier in Deutschland entwickelt, konzipiert, strukturiert und demzufolge entsteht zu 90 Prozent das Produkt schon hier, nur die Montage des Produktes erfolgt im asiatischen Raum.
Könnte Ihr langfristiges Ziel wieder ein „Minox, made in Germany“ sein?
Am Markt können wir leider derzeit den entsprechenden Mehrpreis für ein „Made in Germany“ nicht realisieren. Gewisse Teilbereiche wollen wir aber wieder nach Deutschland holen, beispielsweise wird unsere High-Grade-Fernglaslinie ab diesem Sommer wieder in Deutschland montiert. Insofern ist es unser Fernziel, dass wir möglichst viel Kompetenz und Know-how in Deutschland behalten. Ein großer Teil der Wertschöpfung existiert hier. Nicht zuletzt möchten wir hier Arbeitsplätze sichern und schaffen.
Der Beteiligungsnehmer muss Hessen Kapital gewisse Überwachungsrechte einräumen. Welche sind das bei Ihnen und wie lebt es sich damit im Geschäftsalltag?
Bisher war das überhaupt kein Thema, die IB H hat unsere Quartalsberichte sowie die Jahresabschlüsse erhalten. Da kamen kaum Nachfragen, alles verläuft sehr harmonisch. Wie wir es erwartet haben, funktioniert die Zusammenarbeit gut und sehr vernünftig.
Das klingt nach einer guten Partnerschaft.
Absolut ja. Das Berichtswesen übersteigt in keiner Weise das, was man von seiner Hausbank kennt. Bei unserer stillen Beteiligung reden wir nicht von Mitspracherechten. Aber dennoch ist es so, dass wir dort immer unterstützt werden, wenn wir Hilfe beispielsweise bei der Planung von Investitionen benötigen. Es ist sehr positiv, wie die IB H uns hilft.
Empfanden Sie das zur stillen Beteiligung führende Verfahren als bürokratisch oder kompliziert?
Nein, ich empfand es als sehr praxisorientiert, weil man sich nicht nur auf Zahlenkolonnen konzentriert und gestützt hat, sondern letztlich die Marktfähigkeit des Konzeptes beurteilt hat.
Das war dann also eher eine zukunftsorientierte Betrachtung anhand des Businessplans?
Die IB H hat sich sehr genau mit unserer Dreijahresplanung der Produkte auseinandergesetzt. Es war immer die Frage: Erstens wie realistisch ist es, dass wir es schaffen können, diese Produkte zu entwickeln, und zweitens: Kann man sie vermarkten. Controlling wird jetzt von uns teilweise bis ins kleinste Detail betrieben, was für ein kleines mittelständisches Unternehmen eher ungewöhnlich ist. Aber in der heutigen Zeit gibt uns das ein bisschen mehr Sicherheit und Ruhe, wenn wir genauer analysieren, wo unsere Kosten hinlaufen, wie sich der Markt entwickelt, wie unsere Vertriebspartner sich entwickeln. Dadurch können wir frühzeitig gegensteuern, wenn wir Kennzahlen nicht mehr erreichen.
Welche Empfehlung würden Sie Unternehmern mit auf den Weg geben, die sich ebenfalls für Hessen Kapital interessieren?
Man muss ein überzeugendes, durchdachtes Konzept vorlegen können. Es hat keinen Sinn, wenn erst noch Zahlen generiert werden müssen, die sollten schon von Anfang an auf dem Tisch liegen. Mit einer vernünftigen Hausbank und einem guten Firmenkundenberater kann das gut vorbereitet werden. Man sollte alle Karten ehrlich auf den Tisch legen, weil in unserem Geschäft niemand Überraschungen liebt – auch keine Beteiligungsgesellschaft.
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