Auswahlverfahren
Fremdmanager als Alternative

Zu den größten und bedeutendsten unternehmerischen Entscheidungen zählt die über die eigene Nachfolge. Findet sich in der Familie kein geeigneter Nachfolger, so kann ein Fremdmanager eine sinnvolle Alternative sein.

Noch bevor sich ein Unternehmer für einen Fremdmanager als Nachfolger im erfolgreichen Familienbetrieb entscheidet, muss die Unternehmerfamilie sich zuerst über ein einheitliches Werte- und Zielsystem bewusst sein und eine Familienstrategie erarbeiten. Des Weiteren sollte unter Umständen auch ein Personalberater eingeschaltet werden, der sich auf die Besetzung von Führungspositionen in Familienunternehmen spezialisiert hat. Nur so kann der beste Kandidat für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung im operativen Geschäft gefunden werden.

Die Basis für eine erfolgreiche Neubesetzung bildet ein einheitliches Werte- und Zielsystem von Unternehmen und Unternehmerfamilie. Entscheidend ist, dass der Fremdmanager die Grundsätze des Familienunternehmens teilen muss, um eine harmonische und gewinnorientierte Zusammenarbeit über viele Jahre zu gewährleisten. Das heißt, er muss nicht nur hinsichtlich der fachlichen Anforderungen, sondern vor allem mit seiner ganzen Persönlichkeit zur Kultur des Unternehmens und der Unternehmerfamilie passen. Grundbedingung ist, dass er das Werte- und Zielsystem des Unternehmens und der Familie teilt. Um sich dieser Fähigkeiten und der Kultur des potenziellen Fremdmanagers zu vergewissern, sollte sich der Unternehmer auch das Umfeld und die Persönlichkeitsstruktur des Kandidaten genauer anschauen. So können beispielsweise der Kandidat und dessen Frau zum Abendessen eingeladen werden, um ihn als Mensch besser kennenzulernen.

Identität des Nachfolgers muss passen
Um das Auswahlverfahren in Gang zu setzen, muss der Personalberater zunächst ein ausführliches Briefing vom Kunden erhalten. Hier setzen viele Unternehmen auf Kompetenzmodelle, um die Qualifikationen der Kandidaten festzulegen. Im Vordergrund stehen Erfolge, allgemeine Fähigkeiten und das persönliche Charisma des Kandidaten. Wenn ein Bewerber all diese Kriterien erfüllt, gilt der Kandidat meist als potenziell geeignet. Aber jenseits der Kompetenzmodelle müssen die Unternehmensperspektive und die Sichtweise der Unternehmerfamilie in den Vordergrund treten. Das bedeutet, die Funktion ist so zu beschreiben und zu besetzen, dass die Kernprozesse des Unternehmens langfristig auf die Werte- und Zielsysteme der Unternehmerfamilie ausgerichtet werden können.

Potenzielle Kandidaten müssen im Auswahlprozess ein mehrstufiges System durchlaufen. Im ersten Schritt wird die fachliche Qualifikation des Kandidaten mit den Anforderungen des Kunden abgeglichen. Im zweiten Schritt wird das Persönlichkeitsprofil des Kandidaten analysiert. Im dritten Schritt wird die persönliche Urteilsfähigkeit des potenziellen Kandidaten überprüft. Um die eigene Verantwortung gut wahrnehmen zu können, müssen Kandidaten wissen, welche Kernkompetenzen sie mitbringen und unter welchen Rahmenbedingungen diese optimal zum Einsatz kommen können. Deshalb ist es notwendig, dass die neue Aufgabe passgenau mit der eigenen Identität übereinstimmt.

Im letzten Schritt geht es um den Abgleich der Potenziale des Kandidaten mit den Anforderungen der zu besetzenden Funktion. Um eine erfolgreiche Neubesetzung zu erreichen, ist die Passung von Kandidat, Funktion und relevanten Systempartnern, wie eben der Unternehmerfamilie, zu evaluieren. Bei den Überlegungen ist entscheidend, die Kernkompetenzen aller Beteiligten zu kennen und vor allem zu definieren, unter welchen Rahmenbedingungen sie zum Tragen kommen und unter welchen nicht. Mit dieser Herangehensweise wird das Auswahlverfahren von Fremdmanagern und die berufliche Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Motivation deutlich verbessert. Mögliche Fehlbesetzungen, die ein Unternehmen im schwierigen Prozess der Nachfolge ernsthaft in Gefahr bringen können, werden dadurch vermieden.  


Autorin
Gabriela Jaecker
Inhaberin
PBFU Jaecker & Partner
Personalberatung für Familienunternehmen
Frankfurt am Main
jaecker@pbfu.de

IHK WirtschaftsForum
Mai 2010