Unternehmensnachfolge: "Keine Fragen offen lassen"
Ein Gespräch mit Kathleen Schröter, die im November als geschäftsführende Gesellschafterin das Frankfurter Unternehmen ESD EmpfangsDienstleistungen im Zuge einer Unternehmensnachfolge übernommen hat.
Frau Schröter, vor fünf Jahren sind Sie bei ESD als Geschäftsführerin eingestiegen. Vor Kurzem haben Sie die GmbH-Anteile übernommen und sind jetzt selbstständige Unternehmerin. Wie kam es dazu?
Schröter: Mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen, geht man längere Zeit schwanger. Ich habe zunächst einige Jahre Erfahrungen bei ESD gesammelt und dann gemerkt, dass ich als Unternehmerin nicht anders handele als in der Position einer angestellten Geschäftsführerin. Und dann trat der Glücksfall ein, dass die Altgesellschafter die ESD verkaufen wollten und mir das Unternehmen zum Kauf angeboten haben.
Ist das ein hart umkämpfter Markt, in dem Sie tätig sind?
Schröter: Ja. Zunächst hat sich der Empfang in einem Unternehmen mit der Zeit gewandelt. Nicht ständig kommen Besucher, und nicht ständig sind Telefonate zu führen. Also wurde damit begonnen, Aufgaben aus Sekretariaten an den Empfang abzugeben. Vor einigen Jahren kam die nächste Entwicklung, weil immer mehr Unternehmen sich auf ihre Kernkompetenzen fokussieren und diesen Bereich outsourcen. Während zuvor meist Wach- und Sicherheitsdienste auch Empfangsdienstleistungen angeboten haben, erkennen inzwischen auch andere den Trend und bieten speziell zugeschnittene Dienste an. Viele Kunden mögen keine Dienstleister, die einen Bauchladen vor sich hertragen.
Als Dienstleister versprechen Sie Ihren Kunden die erstklassige Betreuung des Unternehmensempfangs. Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?
Schröter: Die ESD gibt es seit zehn Jahren. Wir haben uns auf den Bereich Outsourcing von Sekretariat und zentrale Empfänge spezialisiert. Wir bieten den Kunden keine neuen Dienstleistungen an, sondern das Outsourcing in der Kombination von Sekretariat und Empfang an einem Ort. Dadurch können die Vakanzen von Urlaub, Krankheit und andere Vertretungssituationen durch eingearbeitetes Personal optimal abgedeckt werden. Wir heben uns von den Marktbegleitern durch die Spezialisierung ab: Alle Mitarbeiter kommen klassisch aus der Hotellerie und Gastronomie, haben später noch studiert. Sie verkörpern auf der einen Seite die Ausrichtung Empfang, Sekretariat und Dienstleistung. Auf der anderen Seite verfügen sie über den kaufmännischen Background. Unsere Kunden schätzen das.
Was war für Sie als Jungunternehmerin die größte Herausforderung?
Schröter: Dass wir es schaffen, die Finanzierung auf die Beine zu stellen, und dass das Unternehmen ohne große Schäden und ohne einen holprigen Start hinzulegen, wirklich weiterlaufen kann.
Wer hat Sie in dieser Anfangsphase unterstützt?
Schröter: Wir hatten eine sehr gute Rechtsanwaltskanzlei, die uns über Jahre schon begleitet hat und natürlich einen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer für die steuerliche Betrachtung des Kaufs. Wir sind ferner von der Hausbank begleitet worden, und die wiederum hat dann die Fäden mit den einzelnen Förderbanken gezogen, die bei der Finanzierung mitgewirkt haben.
Die wenigsten Jungunternehmer bringen so viel Eigenkapital mit, dass sie den Kaufpreis bei der Übernahme eines Unternehmens damit finanzieren können. Wie sind Sie an das Thema Finanzierung herangegangen?
Schröter: Unser Vorteil war eindeutig, dass wir anhand von Jahresabschlüssen nachweisen konnten, dass das Unternehmen seit zehn Jahren eine sehr stabile und steigende Entwicklung genommen hat. Ein weiterer Pluspunkt war, dass die Geschäftsleitung im Unternehmen bleibt und dies weiterführen wird. Ohne diese aussagekräftigen Zahlen wäre es sicherlich viel schwerer gewesen. Das i-Tüpfelchen bei den Bankgesprächen waren aber – neben den super vorbereiteten Unterlagen und dem Businessplan – die handelnden Personen. Die Banker konnten davon überzeugt werden, dass die Personen, die das Unternehmen kaufen, es auch weiter gut führen können. In solchen Gesprächen ist immer wichtig, dass keine Frage offen bleibt. Das Eigenkapital und die Fördergelder waren natürlich der Dreh- und Angelpunkt. Zudem haben wir zusammen mit der Hausbank die Bürgschaftsbank mit ins Boot genommen, um einen Großteil der Kaufpreissumme abzusichern.
Welchen Part hat die Bürgschaftsbank bei der Finanzierung gespielt?
Schröter: Es gab auch ein persönliches Gespräch mit Vertretern unserer Hausbank und unserem Steuerberater. In diesem Gespräch wurde das Vorhaben hinsichtlich der Aspekte Finanzierung, Liquiditätsplanung und Worst-Case-Szenarium noch einmal komplett durchgesprochen. In diesem Kontext folgte dann das Gespräch mit der IHK Frankfurt über die Einschätzung zur Umsatzzielerreichung, Markt- und Wettbewerbssituation sowie meiner persönlichen und fachlichen Qualifikation als Inhaberin. Ich fand das Gespräch damals sehr angenehm und hilfreich. Denn es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn alle ihr Okay gegeben haben.
Ist Ihr Unternehmen so gestartet, wie im Businessplan prognostiziert?
Schröter: Nein, besser. Wir bekommen mehr Aufträge als erwartet.
Das schnelle Wachstum können wir komplett aus dem Cashflow finanzieren, weil wir das in der Liquiditätsplanung – neben der Worst-Case-Betrachtung – berücksichtigt haben.
Was würden Sie rückblickend einem Jungunternehmer empfehlen, der in einer ähnlichen Situation ist?
Schröter: Niemand sollte in dieser Situation in Euphorie verfallen. Vielmehr sollte er sich hinsetzen und genau überlegen, welche Partner er braucht, die ihn beraten. Im nächsten Schritt würde ich mit diesen Partnern ein Konzept stricken und damit zu den Banken gehen. Es sollte sichergestellt sein, dass diese Unterlagen superordentlich und komplett vorbereitet sind. Der angehende Unternehmer sollte auch nicht als Bittsteller auftreten, sondern schon mit einem gewissen Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Schließlich möchte er ja Unternehmer werden und künftig partnerschaftlich mit den Banken zusammenarbeiten.
Wie häufig sprechen Sie jetzt noch mit der Bank?
Schröter: Am Anfang war es etwas häufiger, weil noch Dinge umgestellt werden mussten. Jetzt gibt es ein Agreement, dass die Bank jedes Vierteljahr automatisch die Zahlen von uns bekommt – es sei denn, es liegt etwas Besonderes an.
Was haben Sie sich bei der Unternehmensübergabe vielleicht schwieriger vorgestellt, als es am Ende war?
Schröter: Ich habe mir das Zusammenspiel aller möglichen Komponenten viel problematischer vorgestellt. Zum einen die Gespräche und Verkaufsverhandlungen mit dem Altgesellschafter, zum anderen insbesondere das Zusammenspiel von der Hausbank, den Förderbanken und der IHK. Das ganze Konstrukt, das zusammen funktionieren muss, habe ich mir viel komplizierter vorgestellt. Aber da wurde ich positiv überrascht.
Interview
Thomas Stetz
IHK Frankfurt
Finanzplatz|Unternehmensförderung|Starthilfe
t.stetz@frankfurt-main.ihk.de
Unternehmensnachfolge: Services der IHK Frankfurt
Der IHK-Arbeitskreis Unternehmensnachfolge steht als erster Ansprechpartner allen Unternehmern zur Verfügung, die sich mit dem Thema Nachfolge befassen und für die Umsetzung eine professionelle wie neutrale Unterstützung suchen.
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Report Unternehmensnachfolge
Der Generationswechsel im deutschen Mittelstand ist ein neuralgischer Punkt im Unternehmerleben. Dreh- und Angelpunkt für die erfolgreiche Übernahme eines Unternehmens ist ein Konzept, das Kapitalgeber überzeugt. Bei 59 Prozent der nachfolgeinteressierten Existenzgründer beobachten die IHKs Finanzierungsprobleme.
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Finanzierungs- und Fördersprechtag
Unternehmer können sich im Rahmen dieser Sprechtage in Einzelgesprächen von Fördermittelexperten der IHK Frankfurt und der WI-Bank Hessen über eine maßgeschneiderte Finanzierung ihres Vorhabens, zum Beispiel bei Betriebsübernahmen, beraten lassen. Die Bürgschaftsbank Hessen bietet zudem Bürgschaften für kleine und mittelständische Unternehmen in Hessen an.
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IHK WirtschaftsForum
Februar 2011
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