Nachfolgedefizit bei Kleinbetrieben
Gerade Familienunternehmen sollten einen Generationenwechsel frühzeitig regeln
„Der Mittelstand ist und bleibt der Jobmotor in Deutschland“, diese Aussage hört man zur Zeit häufig. Aufhorchen lässt einen deshalb das Ergebnis einer Online-Befragung der IHK-Organisation bei 1 100 Unternehmern, wonach die ungeklärte Nachfolge bei rund 43 000 Unternehmen etwa 150 000 Arbeitsplätze gefährdet. Insbesondere für Familienunternehmen ist diese Fragestellung eine schwierige Herausforderung.
Insgesamt setzen laut Umfrage immer noch 80 Prozent der deutschen Unternehmen auf eine Weitergabe innerhalb der eigenen Familie. Schlägt die Nachfolge fehl, ist die Existenz des Betriebes und der Arbeitsplätze durch den Generationenwechsel gefährdet. Zudem verlangt Basel II die frühzeitige Klärung der Unternehmensnachfolge, um in den Ratingverfahren bei der Bank gut abzuschneiden. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun empfiehlt den Unternehmerkollegen deshalb dringend, frühzeitig zu handeln: „Warten Sie nicht zu lange mit der Suche nach einer Nachfolgeregelung. Denken Sie frühzeitig darüber nach, wie es weitergehen kann. Nachfolgebörsen und IHKs helfen Ihnen dabei.“
Mehr als 15 Prozent der Unternehmen geben an, dass es keinen geeigneten Nachfolger innerhalb der Familie gibt, und rechnen deshalb mit einem Verkauf des Unternehmens. Rein rechnerisch sind davon in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten jährlich rund 30 000 Unternehmen mit gut 110 000 Beschäftigten betroffen. Unbefriedigende wirtschaftliche Perspektiven sind für fast vier Prozent der Unternehmen Grund, an einen Verkauf im Zuge des Generationenwechsels zu denken. Dies dürfte jährlich 6 000 Unternehmen mit 28 000 Beschäftigten betreffen. Insgesamt werden somit rund 36 000 Unternehmen mit 138 000 Arbeitsplätzen pro Jahr von einem Verkauf bedroht sein. Hier handelt es sich zu 90 Prozent um kleine Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten. Gerade diesen fällt die Suche nach einem Käufer aber häufig schwer: Ursachen dafür sind ein zumeist geringer Unternehmenswert und überschaubare Erträge. Die hohe Gesamtzahl an Unternehmen, die zum Verkauf angeboten werden, unterstreicht die Bedeutung einer reibungslosen Suche und Vermittlung geeigneter Nachfolger für Familienunternehmen ohne bürokratische Hemmnisse.
Während die Suche nach einem Käufer eine schwierige, aber nicht unlösbare Aufgabe ist, sieht die Zukunft für eine Reihe anderer Unternehmen definitiv düster aus. Fast zwei Prozent der Unternehmen befürchten eine Schließung ihres Betriebes, wenn der Chef in Rente geht: So könnten deshalb in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten jährlich mehr als 7 000 zumeist kleine Unternehmen verschwinden, die insgesamt knapp 18 000 Menschen einen Arbeitsplatz bieten. Ungelöste Schwierigkeiten bei der Unternehmensnachfolge gefährden also in der Summe rund 43 000 Unternehmen pro Jahr mit insgesamt 150 000 Arbeitsplätzen. Bei diesen Zahlen sind sowohl geplante Unternehmensverkäufe wegen unbefriedigender wirtschaftlicher Perspektive oder mangelnder familieninterner Nachfolge als auch Schließungen zusammengefasst. Auch wenn es sich um zumeist kleine Unternehmen handelt, hat die Summe der Fälle doch eine große volkswirtschaftliche Bedeutung. Zum Vergleich: Im wachstumsstarken Jahr 2006 stieg die Zahl der Erwerbstätigen gerade mal um 300 000.
Die Übergabe des Unternehmens und der Unternehmensleitung innerhalb der Familie ist vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen die erste Wahl. Gut die Hälfte der Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten wählt die familieninterne Nachfolge. Bei den Unternehmen mit 21 bis 500 Beschäftigten planen sogar fast zwei Drittel, diesen Weg zu gehen. Über alle Größenklassen hinweg sind es fast 60 Prozent der Unternehmen, die sowohl Eigentum als auch Leitung innerhalb der Familie halten wollen. Mehr als 20 Prozent aller Betriebe planen zwar, das Eigentum am Unternehmen im Falle des Generationenwechsels in der Familie zu halten, suchen aber externe Manager für die Unternehmensführung. Dabei gilt: Je größer ein Unternehmen ist, desto eher wird diese Lösung bevorzugt. Während höchstens jedes zehnte Unternehmen mit bis zu 20 Beschäftigten über die Suche eines externen Managers nachdenkt, zieht mindestens jedes fünfte Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten diese Option in Betracht.
Über alle Branchen und Größenklassen hinweg betrachtet, wollen fast 80 Prozent der Unternehmen das Eigentum am Betrieb auch in der nächsten Generation in der Familie halten. Um dem Wirtschaftsfaktor „Familienunternehmen“ den Generationenwechsel zu erleichtern, ist die Politik aufgefordert, die Rahmenbedingungen für die Unternehmensnachfolge zu verbessern. Dazu gehört die längst überfällige Reform der Erbschaftsteuer, und zwar ohne gravierende Einschränkung der betrieblich notwendigen Entscheidungsfreiheit. Für die überwiegende Mehrzahl der Großunternehmen ist das Thema Unternehmensnachfolge nicht relevant, was vor allem auf die in dieser Größenklasse häufig vorkommenden börsennotierten Kapitalgesellschaften zurückzuführen ist. In der Größenklasse mit 501 bis 1 000 Beschäftigten geben gut 42 Prozent der Unternehmen an, dass sie das Thema nicht betrifft, in der Größenklasse mit mehr als 1 000 Beschäftigten sind es 55 Prozent der Unternehmen.
Thomas Stetz
IHK Frankfurt am Main
Starthilfe und Unternehmensförderung
Nachfolgebörse „nexxt-change“
Rund die Hälfte aller Unternehmen, die ihre Nachfolge nicht intern regeln können, nutzt Deutschlands größte Unternehmensbörse „nexxt-change“. Der im Januar 2006 gestartete Online-Service konnte bereits 2 000 Unternehmen einen geeigneten Nachfolger vermitteln. Und so funktioniert es: Sowohl suchende Unternehmen als auch interessierte Übernehmer können ihr Profil in die Nachfolgebörse einstellen. Die Anzeigen werden über die Eingabemaske online konfiguriert. So sind täglich über 7 200 Unternehmensprofile und 3500 Übernahmewünsche stets aktuell in der Börse zu finden.
nexxt-change ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, der KfW Mittelstandsbank, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Mit einem umfangreichen Netzwerk von über 700 Regionalpartnern, vor allem IHKs, Handwerkskammern, Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, trägt die Nachfolgebörse erheblich zur Bestandssicherung von Unternehmen bei. Weitere Infos online unter www.nexxt-change.org oder beim Team Unternehmensförderung der IHK Frankfurt am Main, Telefon 069 2197 2010 unternehmensfoerderung@frankfurt-main.ihk.de.
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