Externe Nachfolge: Das Familienunternehmen als Chance für externe Führungskräfte

 
Unternehmensnachfolge
» 0. Prozessstruktur Unternehmensnachfolge
 1. Sensibilisierung
» 2. Rechtliche Vorbereitung
» 3. Wirtschaftliche Vorbereitung
» 4. Auswahlphase
» 5. Übergabephase
» 6. Sicherungsphase
» 7. Publikationen, Kontaktadressen und Links
Das Familienunternehmen einem externen Nachfolger überlassen? Viele Alt-Eigentümer schrecken vor diesem Schritt zurück. Doch sind es gerade die ungeklärten oder erfolglosen Nachfolgerregelungen im Familienkreis, die, laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn, jährlich für rund 6000 Familienbetriebe das Aus bedeuten. Mit ihnen betroffen sind fast 40.000 Mitarbeiter, die angesichts von Massenarbeitslosigkeit in eine ungewisse Zukunft entlassen werden.
 
Der Generationenwechsel ist in vollem Gange
Vor dem Schritt das Familienunternehmen in externe Hände zu geben schrecken viele Alt-Eigentümer zurück. Zu unsicher scheint die Zukunft ihres Betriebes in fremden Händen, zu sehr plagt die Sorge, dass das Lebenswerk zerrüttet wird. Um dies zu verhindern, ist die professionelle Unterstützung von professionellen Beratern ebenso notwendig, wie die Einsicht, dass die Führung eines erfolgreichen Familienunternehmens nicht unbedingt mit einem Familienangehörigen besetzt werden muss. Hier liegt die Chance für viele junge Führungskräfte, die Spitze eines mittelständischen Unternehmens zu erobern. Denn in deutschen Familienunternehmen ist der Generationenwechsel in vollem Gange: Den Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung in Mannheim zufolge, haben zwischen 2002 und 2007 rund 14%, also etwa 60.000 der Unternehmer die Staffel an einen Nachfolger übergeben.

Solche Vakanzen müssen aber erst einmal gefunden werden. Denn noch verzichten viele kleinere mittelständische Unternehmen auf die Hilfe von qualifizierten Beratern (z.B. Personalberatern, die auf die Suche von Führungskräften spezialisiert sind) und versuchen die Angelegenheit intern zu regeln. Doch entscheidend ist nicht nur die Suche, sondern auch die qualifizierte Beurteilung und Auswahl der Personen sowie das Zusammenpassen beider Parteien – hier hilft meist nur das Wissen eines erfahrenen Beraters weiter.

Management von Geschäft und Emotionen
Ist eine Position aber erst einmal durch einen externen Nachfolger besetzt, hat dieser nicht immer leichtes Spiel. Ein familiengeführtes Unternehmen stellt eine enorme Herausforderung dar und ist eine Aufgabe für Menschen mit viel Potenzial, unternehmerischem Können, großer sozialer Intelligenz, viel Energie - und hoher Frustrationsgrenze. Dabei sind es nicht so sehr die rechtlichen, als vor allem die emotionalen Barrieren, die es zu überwinden gilt. So hadert der Alt-Eigentümer häufig und oft vor der letzten Unterschrift oder schreckt vor der endgültigen Entscheidung zurück, weil er nicht weiß, was ihm eine Zukunft ohne sein Unternehmen bringen wird. Häufig fehlt es an Vertrauen gegenüber der nächsten Generation. Viele Unternehmer sind der Ansicht, ihr Nachfolger müsste denselben Führungsstil wie sie selbst verfolgen und die traditionsreiche Firmenkultur auf jeden Fall erhalten. Und auch der Nachfolger kann nicht vollständig vorhersehen, was ihn in dem Unternehmen wirklich erwartet. Er kennt die Unternehmenskultur nicht gut genug und unterschätzt die starke persönliche Prägung durch den Alt-Eigentümer.

Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, muss umgedacht und dem Nachfolger eine Chance zur Behauptung gegeben werden. Selbst anfängliche Fehler müssen erlaubt sein. Schließlich soll der neue Mann in seine Verantwortung hineinwachsen. Ihm muss die Möglichkeit gegeben werden, ohne konfliktreiche Auseinandersetzungen mit seinem Vorgänger seine unternehmerischen Kompetenzen zu entwickeln. Ratsam ist daher, zu Beginn des gesamten Prozesses eine Übergabezeit zu vereinbaren, auch damit die tatsächliche Übergabe nicht auf unbestimmte Zeit hinaus verschoben werden kann. Möglich ist ebenso eine zeitweise Aufteilung der Verantwortung zwischen dem Übergeber und seinem Nachfolger.

Beide Parteien müssen gemeinsam herausfinden, welche kulturellen Errungenschaften auf jeden Fall erhaltenswert und wo Neuerungen notwendig sind, um den künftigen Erfolg des Unternehmens zu sichern. Das Ergebnis muss von beiden Seiten nicht nur akzeptiert, sondern gelebt werden, um auch der Belegschaft gegenüber gemeinsam Glaubwürdigkeit vermitteln zu können.
Das Idealbild einer abgeschlossenen Nachfolgeregelung ist ein florierendes Unternehmen, ein geschickter und erfolgreicher Nachfolger und die wirtschaftliche und emotionale Sicherheit des Alt-Eigentümers. Erreicht werden kann das allein durch den professionellen Umgang mit und das ganzheitliche Verständnis von unternehmerischen wie menschlichen Herausforderungen. Offene Kommunikation und professionelle Begleitung ist dabei ein Schlüssel zum Erfolg.


Petra Weider
Weider AG
human ressources
Bad Homburg,
begleitet Übergabeprozesse in Unternehmen und sucht die richtigen Nachfolger


Stand März 2010