Generationenwechsel
Gut abgesichert im Ruhestand

Unternehmer müssen rechtzeitig Vorkehrungen treffen, um ihren Ruhestand finanziell abzusichern. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Instrumente der Nachfolgefinanzierung.

Der klassische Generationenwechsel in Familienunternehmen hat in jüngster Vergangenheit an Attraktivität eingebüßt. Gründe dafür liegen unter anderem in Nachfolgeregelungen, die junge Menschen vor große Herausforderungen stellen. Ausgleichszahlungen an Geschwister und die Sicherstellung der Altersversorgung der Eltern oder Steuerbelastungen bei Vererbung und Verschenkung seien hier nur beispielhaft genannt.

Daher hat die familienexterne Nachfolge in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Verschiedene Nachfolgemodelle sind denkbar. Beim Management-Buy-out (MBO) übernimmt das bisherige Management die Geschäftsführung und der alte Inhaber scheidet aus dem Unternehmen aus. Der Vorteil eines MBO: Das Management kennt das Unternehmen genau. Der Nachteil: Es entsteht häufig ein hoher Finanzbedarf, der durch die neuen Eigentümer kaum voll aufgebracht werden kann. Daher müssen zusätzliche Kapitalquellen erschlossen werden.

Bei einem Management-Buy-in (MBI) übernimmt ein externes Management das Unternehmen. Dieses verfügt in der Regel bereits über umfangreiche Branchenerfahrungen. Auch die Übernahme des Unternehmens durch einen einzelnen Nachfolger fällt in diese Kategorie. Die Unternehmenskontinuität bleibt beim MBI gewahrt, während sie bei der Alternative „Verkauf an ein anderes Unternehmen“ in der Regel aufgegeben wird. Eine weitere Möglichkeit ist die Umwandlung in eine Unternehmensstiftung. Die Vorteile sind, dass der Alteigentümer das Unternehmen erhalten, eine Vermögensaufteilung im Rahmen der Erbfolge verhindern und trotzdem mit der speziellen Ausgestaltung der Stiftung die eigene Familie absichern kann.

Da ein Unternehmer oder ein Investor nur in den seltensten Fällen eine Unternehmensnachfolge allein mit Eigenkapital finanzieren kann, spielt das Fremdkapital von Banken und Sparkassen weiterhin eine dominierende Rolle. Der Bankenkredit ist im Vergleich zu anderen Finanzierungsinstrumenten kostengünstig. Dies kommt einem Nachfolger entgegen, der relativ unabhängig von der Einflussnahme anderer privater Eigenkapitalgeber sein möchte. Negativ ist bei der Kreditfinanzierung der Einfluss auf die Eigenkapitalquote.

Verschiedene Finanzierungsinstrumente prüfen
Die Alternative zum Fremdkapital ist die Beschaffung von Eigenkapital. Beispielsweise kann sich ein Übernehmer einen Einzelinvestor suchen, der für eine Gewinnbeteiligung unbefristet und zinslos Eigenkapital zur Verfügung stellt und das unternehmerische Risiko trägt. Oder aber Private-Equity-Gesellschaften beteiligen sich mit dem Ziel, nicht börsennotierte Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen, um die Beteiligung dann nach einer bestimmten Laufzeit gewinnbringend zu veräußern und von den Wertsteigerungen des Unternehmens zu profitieren. Daneben gibt es noch sogenannte Mezzanine. Dies sind Finanzierungsinstrumente, die sowohl Eigenkapital- wie auch Fremdkapitaleigenschaften aufweisen können. Hierzu gehören Kredite von nicht institutionellen Geldgebern oder Verkäuferdarlehen. Die geläufigste Form der Mezzanine-Finanzierung in kleineren und mittleren Unternehmen ist das Nachrangdarlehen. Es ähnelt einem Bankkredit und eignet sich besonders zur Schließung von Finanzierungslücken.

Die Art der Unternehmensfinanzierung über einen stillen Gesellschafter kann für ein mittelständisches Unternehmen ebenfalls von großer Bedeutung sein. Denn die wenigen gesetzlichen Vorgaben dieser Rechtsform bieten Raum für flexible Gestaltungsmöglichkeiten sowie individuelle Regelungen. Letztendlich sollten auch staatliche Fördermittel, beispielsweise von Förderinstituten und Bürgschaftsbanken der Bundesländer sowie der KfW Bankengruppe, in Betracht gezogen werden. Zu beachten ist hierbei, dass die öffentlichen Mittel vor der Übernahme beantragt werden.

Erfolgreiche Finanzkonzepte setzen sich aus der richtigen Mischung der Instrumente zusammen. Deren Wechselwirkung muss immer individuell beurteilt werden. So hat beispielsweise die Beteiligungsfinanzierung direkte Auswirkungen auf die Möglichkeit der Fremdfinanzierung. Durch die Erhöhung der Eigenkapitalquote sowie durch die verbesserte Bonität des Unternehmens entstehen günstigere Finanzierungsbedingungen. Für den Unternehmensnachfolger heißt das: Er muss sich intensiv mit den verschiedenen Finanzierungsinstrumenten beschäftigen und durch eine sinnvolle Kombination ein solides Finanzierungskonzept erstellen. Die zweite große Herausforderung für den verkaufenden Unternehmer besteht nun darin, seine Zukunft finanziell zu sichern und die Weichen auch für seine Familie neu zu stellen. Denn nun wird er – bei entsprechendem Mittelzufluss – vom Unternehmer zum Vermögensmanager. Um sich darauf vorzubereiten, bedarf es der Erstellung beziehungsweise Analyse der privaten Vermögensbilanz, des späteren privaten Finanzbedarfs sowie des Liquiditätsplans.

Vermögensbilanz frühzeitig vornehmen
Bei der privaten Vermögensbilanz werden alle Vermögensgegenstände und Schulden aufgelistet, systematisch strukturiert und ihre Entwicklung mindestens bis zum Zeitpunkt des Verkaufs prognostiziert. Es empfiehlt sich, diese Status-quo-Analyse frühzeitig vorzunehmen, denn häufig stellt der Unternehmer dabei fest, dass er keinen vollständigen Überblick über seine Vermögensverhältnisse hat, obwohl sie einen großen Teil seines entspannten Rentnerdaseins finanzieren sollen. Er muss wissen, wann Darlehen getilgt sind, welchen Rentenanspruch er haben und wie hoch beispielsweise die Rendite spekulativer Kapitalanlagen sein wird. Im nächsten Schritt folgt die Szenario-Analyse, die den Erlös aus dem Unternehmensverkauf mit einbezieht und aufzeigt, welche Gesamtvermögensstruktur das Vermögen langfristig sichert und die Kaufkraft erhält. Um zukünftige schenkungs- und erbschaftsteuerliche Belastungen der Nachfolgegeneration zu dämpfen, sollte zu diesem Zeitpunkt auch die Vermögensnachfolge innerhalb der Familie geregelt werden.

Wichtig ist zudem, dass der Unternehmer analysiert, wie hoch sein monatlicher privater Finanzbedarf aktuell und in Zukunft sein wird, und ob seine monatliche Liquidität aus Einkünften oder Vermögenserträgen dazu ausreicht, diesen abzudecken. Laufende Fixkosten und zusätzliche Ausgaben, beispielsweise für Anschaffungen oder Reparaturen, müssen hier einkalkuliert werden. Und auch die Tatsache, dass jetzige Betriebskosten im Ruhestand aus dem Privatvermögen gezahlt werden müssen, ist zu berücksichtigen. Ein möglicherweise anderes Konsumverhalten durch das höhere Maß an Freizeit kann ebenfalls zu Buche schlagen. Geschäftsführende Gesellschafter einer GmbH sollten zudem frühzeitig die Pensionszusagen überprüfen. Sie können sich im Laufe der Jahre aufgrund steigender Lebenserwartung und sinkender Renditen drastisch verändert haben. Bei einer Auszahlung können sie das Unternehmen aber auch in so starke finanzielle Bedrängnis bringen, dass es für Käufer unattraktiv wird.

Die Gestaltung der Nachfolge kann erhebliche Auswirkungen auf das Privatvermögen des Unternehmers haben: Verschenkt der Unternehmer seinen Betrieb an Tochter oder Sohn oder wird er vererbt, können hohe Steuerzahlungen auf die Familie zukommen. Gleiches gilt, wenn er eine Immobilie aus dem Unternehmen entnimmt, um durch die Mieteinnahmen seine Alterseinkünfte zu sichern, oder bei Umwandlung des Unternehmens, Abspaltung von Unternehmensteilen sowie Abfindung von Mitgesellschaftern.

Insgesamt stellt die Organisation der Unternehmensnachfolge für den Verkäufer als Unternehmer und als Privatperson eine große Herausforderung dar. Entscheidend ist, dass erfolgreiche Nachfolgekonzepte sich aus dem richtigen Mix zusammensetzen und frühzeitig mit der Planung angefangen wird. Die individuellen Lösungen sollten, insbesondere wenn es sich um Finanzierungsfragen, die Steuerplanung, spezielle (Erb-)Rechtsfragen oder die zukünftige Vermögenssicherung handelt, in enger Zusammenarbeit mit Spezialisten erarbeitet werden. Heute investierte Stunden können eine solide Basis für einen entspannten Ruhestand bilden.     


Autor

Dr. Axel Patterson
Vorsitzender
Arbeitskreis Unternehmensnachfolge
IHK Frankfurt am Main
axel@patterson.de

IHK WirtschaftsForum
Mai 2010