IHK-Weiterbildungserfolgs-Umfrage 2008
Neue Fachkräftepotenziale erschließen

In den Diskussionen um den Fachkräftemangel in Deutschland wird häufig vernachlässigt, dass mit Fachwirten, Fachkaufleuten und Industriemeistern beruflich qualifizierte Fach- und Führungskräfte zur Verfügung stehen, die für die Wertschöpfung in Deutschland einen besonders hohen Stellenwert haben. Denn deren Kompetenzen brauchen in der Berufspraxis den Wettbewerb mit akademischen Abschlüssen nicht zu scheuen.

Dies ist zwischenzeitlich wissenschaftlich untermauert: Eine Studie zur Wertigkeit von Bildungsabschlüssen belegt, dass in der Berufspraxis die Abschlüsse der beruflichen Bildung auf hohem Niveau als gleichwertig mit akademischen Abschlüssen einzustufen sind. Dass Weiterbildung sich somit lohnt, bestätigen Absolventen von IHK-Weiterbildungsprüfungen schon seit Langem. Die Ergebnisse der IHK-Weiterbildungs-Erfolgsumfragen zeigen seit 1984 kontinuierlich, dass "Karriere mit Lehre" zum Erfolg führt.

Die  Umfrage 2008 bezieht sich auf den Zeitraum der vergangenen fünf Jahre. Sie erhebt die Auswirkungen der sogenannten Aufstiegsfortbildungsprüfung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) auf den beruflichen Erfolg. Konkret geht es um die Frage: Wie erfolgreich sind Fach- und Führungskräfte, die einen IHK-Abschluss zum Fachwirt, Fachkaufmann oder Industriemeister erreicht haben? Das Ergebnis ist eindeutig: Weiterbildung sichert die Beschäftigung und ist so erfolgreich, dass über 80 Prozent der Befragten sich wieder dafür entscheiden würden. Bundesweit wurden 72 500 Absolventen der Jahre 2003 bis 2007 aus 50 IHKs befragt. Damit erreichte die Umfrage fast die Hälfte aller Absolventen dieser IHKs. Im IHK-Bezirk Frankfurt wurde mit 818 Beteiligten eine Antwortquote von zwölf Prozent erzielt.

Umdenken bei Zielgruppe
Die Notwendigkeit des kontinuierlichen Lernens im Lebenslauf ist nicht nur eine stetige politische Forderung, sie hat inzwischen auch bei der Zielgruppe ein Umdenken eingeleitet: Während Ende der Achtzigerjahre gut 70 Prozent der Teilnehmer zum Zeitpunkt der Weiterbildungsprüfung jünger als 30 Jahre alt waren, so verteilt sich inzwischen die Kurve gleichmäßiger. Die aktuelle Umfrage ergibt, dass die über 40-Jährigen inzwischen gut 15 Prozent ausmachen. Bundesweit sind rund ein Drittel der Prüfungsteilnehmer Frauen, in Frankfurt liegt der Frauenanteil mit mehr als 40 Prozent sogar deutlich höher.

Werden die Teilnehmer nach ihrem höchsten Schulabschluss befragt, so zeigt sich in der Region eine noch stärkere Tendenz zu höheren Schulabschlüssen als im bundesweiten Vergleich: Bundesweit kommen gut 60 Prozent der Weiterbildungsteilnehmer von Haupt- und Realschulen, in Hessen liegt dieser Anteil bei nur knapp 50 Prozent. Im Gegenzug hat die Hälfte der Weiterbildungsaktiven in der Region Abitur oder Fachabitur als Schulabschluss vorzuweisen. Das sind 13 Prozent mehr als im Bundesvergleich. Die deutliche Mehrheit der Weiterbildungsabsolventen baut den Karriereweg auf der Grundlage einer Berufsausbildung auf: 80 Prozent haben eine betriebliche Ausbildung abgeschlossen. Bemerkenswert ist zudem, dass jeder siebte Teilnehmer einer IHK-Weiterbildungsprüfung bereits einen Hochschulabschluss einer Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie vorweisen kann. Berufliche Weiterbildung, die mit handlungsorientierten Prüfungen der Berufspraxis einen hohen Stellenwert zuweist, kann also auch für Akademiker attraktiv sein.

Langjährige Berufspraxis
Die Umfrage zeigt darüber hinaus, dass die Berufserfahrung ein wichtiger Bestandteil der Weiterbildungsprüfungen nach Berufsbildungsgesetz: Die Hälfte aller Absolventen haben mehr als zehn Jahre Berufspraxis gesammelt, bevor sie ihre Weiterbildungsprüfung abgelegt haben. Dies ist bereits in den Zulassungsvoraussetzungen festgelegt, die einige Jahre einschlägige Berufspraxis erfordern, besonders wenn keine Berufsausbildung vorliegt. Die Bestrebungen auf politischer Seite gehen zwar dahin, die erforderlichen Praxiszeiten deutlich zu reduzieren, jedoch zeigt die Umfrage eine klare Tendenz in Richtung lebensbegleitendes Lernen. Offensichtlich erfordern anspruchsvolle Weiterbildungsprüfungen, die eine Erweiterung der beruflichen Handlungsfähigkeit zum Ziel haben und Möglichkeiten zum beruflichen Aufstieg eröffnen, die Erfahrung im betrieblichen Alltag.

Zur Vorbereitung auf die Prüfungen dominieren folglich Lehrgänge in Teilzeit, die berufsbegleitend stattfinden. Die Teilnehmer in der Region haben bei der Vorbereitung auf die Prüfung deutlich häufiger auf ihre eigene Lernfähigkeit vertraut als im Bundesvergleich: zwölf Prozent der Befragten lernten selbstständig, während sich bundesweit kaum vier Prozent der Teilnehmer für diese Lernmethode entschieden.

Bei der Motivation für die Weiterbildungsprüfung wird deutlich, dass zur Sicherung des Arbeitsplatzes die Erweiterung und Vertiefung der beruflichen Kenntnisse und Kompetenzen immer wichtiger wird. Haben diese Gründe bei der ersten Weiterbildungserfolgs-Umfrage Mitte der Achtzigerjahre noch eine untergeordnete Rolle gespielt, so werden sie jetzt von einem Drittel der Befragten genannt. Allerdings wird die Rangliste deutlich von der Aussicht auf beruflichen Aufstieg und der Erwartung auf Gehaltsverbesserungen angeführt.

Aufstieg durch Weiterbildung
Dass diese Erwartungen sich für die meisten Weiterbildungsteilnehmer erfüllt haben, zeigt sich bei der Frage, ob die Weiterbildung sich auf die berufliche Entwicklung vorteilhaft ausgewirkt hat. Dies wird von zwei Dritteln der Teilnehmer bejaht. Eine höhere Position oder einen größeren Verantwortungsbereich haben 70 Prozent der Befragten erreicht, die insgesamt eine positive Entwicklung bestätigt haben. Finanzielle Verbesserungen konnten gut 60 Prozent erreichen. Die erfolgreiche Karriere lässt sich auch anhand der beruflichen Stellung nach der Weiterbildungsprüfung festmachen: Vor der Weiterbildung waren nahezu 60 Prozent der Teilnehmer als Sachbearbeiter oder Facharbeiter beschäftigt. Nach erfolgreicher Prüfung war fast die Hälfte davon in höhere Positionen aufgestiegen.

In der Region FrankfurtRheinMain haben die Unternehmen gezielt in die Personalentwicklung ihrer Mitarbeiter investiert: 48 Prozent der Teilnehmer wurden finanziell vom Arbeitgeber unterstützt. Dem stehen bundesweit nur gut 36 Prozent gegenüber. Alternativ oder zusätzlich erhielten gut ein Viertel der Mitarbeiter für ihre Weiterbildung eine Freistellung. Staatliche Unterstützung in Form des sogenannten Meister-Bafög erhielten in der Region 17 Prozent der Teilnehmer. Bundesweit liegen die Empfänger dieser Fördermittel mit einem Anteil von 38 Prozent weitaus höher. Dies lässt sich mit der stark vom Dienstleistungssektor geprägten Wirtschaftsstruktur Hessens erklären, allein schon der Kurztitel "Meister-Bafög" spricht Mitarbeiter aus dem gewerblich-technischen Bereich deutlich mehr an.
IHK Frankfurt am Main
Aus- und Weiterbildung


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