Berufsbildungsausschuss
Bundesweite Aufmerksamkeit

Die IHK Frankfurt hat derzeit 20 Fachausschüsse. Einen Sonderstatus hat der Berufsbildungsausschuss: Während die anderen Ausschüsse lediglich eine beratende Funktion haben, sind dessen Aufgaben gesetzlich festgeschrieben.

Der Berufsbildungsausschuss nimmt eine Sonderstellung bei den IHK-Fachausschüssen ein. Seine Aufgaben sind in erster Linie im Berufsbildungsgesetz geregelt. Anders als die übrigen Fachausschüsse, die eine beratende Funktion haben, reicht die Kompetenz des Berufsbildungsausschusses weiter: Er hat rechtsetzende Kraft. Dementsprechend verläuft auch seine Konstitution anders.

Nicht allein das Interesse an ehrenamtlicher Mitarbeit zu Branchen- oder Wirtschaftsthemen reicht für eine Mitgliedschaft in diesem Ausschuss aus, sondern jedes Mitglied hat ein Mandat. Denn die Mitglieder des Berufsbildungsausschusses vertreten zu je einem Drittel Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Berufsschulen.

Während die Arbeitgebervertreter über die IHK-Vollversammlung bestimmt werden, benennt das Wirtschaftsministerium die Vertreter von Arbeitnehmern und Schulen im IHK-Bezirk. Das Wirtschaftsministerium wiederum hat hierfür Gewerkschaften und Kultusministerium zur Benennung aufgefordert. Auch die Berufungsperiode unterscheidet sich von der anderer IHK-Gremien. Insgesamt setzt sich der Berufsbildungsausschuss aus 36 Mitgliedern zusammen, die Hälfte davon sind Stellvertreter. Der Vorsitz wird alternierend von einem Vertreter der Arbeitgeber und von einem Vertreter der Arbeitnehmer geführt.

Berufsbildungsgesetz bestimmt Arbeitsweise
Die Arbeitsweise ist größtenteils durch das Berufsbildungsgesetz vorgegeben. Es schreibt vor, dass der Ausschuss in allen wichtigen Angelegenheiten der beruflichen Bildung zu unterrichten und zu hören ist. Insofern berichten die IHK-Ausbildungsberater, deren Arbeit auch vom Berufsbildungsgesetz definiert ist, einmal zum Jahreswechsel ausführlich über ihre Arbeit bei der Beratung und Überwachung von Ausbildungsbetrieben. 

Als wichtige Angelegenheit ist beispielsweise auch das Führen von Ausbildungsnachweisen definiert, für das der Berufsbildungsausschuss eine Empfehlung erarbeitet. Nach der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes vor fünf Jahren war der Ausschuss mit der Umsetzung neuer gesetzlicher Vorgaben beschäftigt. So musste er sich eine neue Geschäftsordnung geben, erließ sowohl die Prüfungsordnung für die Ausbildung wie auch für die Fortbildung neu und definierte Rahmenrichtlinien für Ausbildungsregelungen für behinderte Menschen.

Das Gremium hat außerdem im Rahmen seiner Aufgaben auf die Entwicklung der Qualität in der beruflichen Bildung hinzuwirken. Hier hat der Ausschuss mit seiner Arbeit schon mehrfach bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Qualitätsplattform für alle Aspekte der dualen Berufsausbildung, die sie in einzelnen Prozessschritten betrachtet, ist sowohl für neue Ausbildungsbetriebe wie auch für erfahrene Ausbilder gedacht.

Auch die Empfehlungen für die Lernortkooperationen, die die Zusammenarbeit von Berufsschulen und Betrieben beschreibt, sind über die IHK-Grenzen hinaus beachtet worden. Mit dem jüngsten Produkt, den Empfehlungen an die Anbieter von Lehrgängen zu IHK-Prüfungen, möchte der Berufsbildungsausschuss auf die Qualität von Vorbereitungslehrgängen für IHK-Weiterbildungsprüfungen einwirken. Sämtliche Empfehlungen sind auf der IHK-Homepage abrufbar.

Schulabgänger in Ausbildung bringen
Ein wiederkehrendes Thema ist die Situation am Ausbildungsmarkt. Darüber hinaus begleitet der Berufsbildungsausschuss intensiv die Schritte der Schulämter und Schulträger im IHK-Bezirk bei der Berufsorientierung. Sein Anliegen ist es, so viele Schulabgänger wie möglich direkt in Ausbildung zu bringen. Deshalb sind häufig auch Vertreter der Arbeitsagentur Gast im Ausschuss. Mitglieder des Berufsbildungsausschusses wirken auch immer wieder einmal bei Bewerbungscoaching und Medienaktionen mit, bei denen Ausbildungsbetriebe und Bewerber zusammengebracht werden sollen.

Das Berufsbildungsgesetz sieht vor, dass der Ausschuss zudem in Fragen des Arbeitsmarktes, sofern die Berufsbildung davon berührt ist, zu unterrichten und zu hören ist. So hat das Gremium in den vergangenen Jahren durchschnittlich vier bis fünf Rechtsvorschriften verabschiedet.

Als bundesweit erste und einzige Industrie- und Handelskammer kann nun die IHK Frankfurt die Weiterbildungsinteressierten aus der Investmentfondsbranche zu Investmentfachwirten (IHK) prüfen. Als Reaktion auf Weiterbildungserwartungen aus dem Bereich der Wirtschafts- und Unternehmensberatungen hat der Berufsbildungsausschuss den Consulting Assistant (IHK) als Zusatzqualifikation verabschiedet. Für die Luftfahrt organisiert die IHK Prüfungen zum Industriemeister Luftfahrttechnik, ausgehend von einer ebenfalls im Berufsbildungsausschuss verabschiedeten Rechtsvorschrift. Für die Kreativwirtschaft in Frankfurt wurden mit dem Verlagsfachwirt sowie einem neuerdings auch auf digitale Produkte ausgerichteten Buchhandelsfachwirt interessante Abschlüsse in der Aufstiegsfortbildung geregelt.

Mitunter erhebt der Berufsbildungsausschuss seine Stimme, um die Politik auf Defizite in der Berufsbildung aufmerksam zu machen. So hat sein Votum für die zügige Umsetzung des Schulentwicklungsplans der beruflichen Schulen in Frankfurt gesorgt. Die unzureichende Wartung der IT-Netzwerke an Berufsschulen bleibt ein Dauerthema. Insofern unterscheiden sich die Arbeitsergebnisse des Berufsbildungsausschusses nicht von anderen IHK-Ausschüssen: Das Gremium arbeitet zwar nach anderen Vorgaben, bewegt aber genauso viel. 


Autorin
Geschäftsführerin
IHK Frankfurt am Mainn
Aus- und Weiterbildung



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Mai 2010
 

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