Bessere Lehrerbildung und gesicherte Schulbildung durch das Dritte Gesetz zur Qualitätssicherung

Das Dritte Gesetz zur Qualitätssicherung in hessischen Schulen setzt laut Kultusministerin Karin Wolff "neue Maßstäbe für das Bildungsland Hessen". Angesichts der Anhörung zu dem Gesetzentwurf im Landtag versprach sie "solide Grundlagen für eine bessere Lehrerbildung und hohe Qualitätsstandards für eine gesicherte Schulbildung in ganz Hessen". Das Gesetz soll im Januar 2005 in Kraft treten. Es beinhaltet eine umfassende Neuordnung der Lehrerbildung (Artikel 1) sowie Änderungen des Hessischen Schulgesetzes (Art. 2) und des Hochschulgesetzes (Art. 3).

Unter der Leitidee der lebens- und berufsbegleitenden Lehrerbildung vernetzt das Gesetz alle Phasen der Lehrerbildung und umfasst die gesamte Berufstätigkeit der Lehrkräfte. Danach wird die Ausbildung schon an den Hochschulen stärker auf die Schulwirklichkeit ausgerichtet. "Wir schicken die Studierenden früher in die Praxis, damit sie gleich sehen, ob der gewählte Beruf der richtige für sie ist", sagte Wolff. Vorgesehen sind drei vier- bis achtwöchige Praktika. Das Studium erhält eine Baukasten-Struktur, in der Elemente der Fachwissenschaft kombiniert werden mit Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft. "Unsere künftigen Lehrerinnen und Lehrer müssen schon an den Universitäten möglichst viel über die Lernmöglichkeiten und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen erfahren", so die Ministerin.

Das neue Schulgesetz gibt Antworten auf eine sich abzeichnende demografische Entwicklung, nach der schon in wenigen Jahren die Schülerzahlen gerade im ländlichen Raum dramatisch zurückgehen werden. "Ein Stadt-Land-Gefälle mit einer Zwei-Klassen-Bildung darf es weder bei der Lehrerversorgung noch bei der Unterrichtsqualität geben", begründete Wolff ihr Ziel, überall im Land sinnvolle Rahmenbedingungen für einen Unterricht zu erhalten bzw. zu schaffen, der Schülerinnen und Schülern echte Wahlmöglichkeiten gibt. Weil dies bei zu niedrigen Jahrgangsbreiten nicht zu gewährleisten ist, sieht der Gesetzentwurf an Schulen der Sekundarstufen I und II Richtwerte für Jahrgangsbreiten vor. Neu zu errichtende Schulen müssen zudem Mindestzügigkeiten einhalten. Für Grundschulen gibt es keine Richtwerte oder Mindestzügigkeiten; hier gilt nach wie vor der Grundsatz "kurze Beine, kurze Wege".

Die Richtwerte, die die Schulen als durchschnittliche Klassengröße künftig einhalten müssen, betragen 17 Schülerinnen und Schüler in der Hauptschule, 23 in der Förderstufe, der Realschule und in der integrierten Gesamtschule sowie 24 im Gymnasium. "Wird der Richtwerte unterschritten, muss nicht gleich ein Bildungsgang oder die ganze Schule geschlossen werden", sagte Wolff. Dann sei aber der Schulträger in der Pflicht, bis spätestens März 2006 Umstrukturierungen von Schulen oder eine Verteilung der Schülerströme vorzunehmen. Weil die Erreichbarkeit von Schulen auch in Flächenkreisen gesichert werden muss, gibt es Ausnahmeregelungen für ländliche Regionen, die ein Unterschreiten der Richtwerte zulassen.

Ferner startet Hessen mit dem neuen Schulgesetz eine Initiative, um vom schulischen Scheitern bedrohte Jugendliche zum Hauptschulabschluss zu führen und so deren Ausbildungs- und Beschäftigungschancen zu erhöhen: An Hauptschulen werden schrittweise Klassen mit erhöhten Praxisanteilen eingerichtet. Diese so genannten SchuB-Klassen (Ausbildung in Schule und Betrieb) werden als reguläres Angebot eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler werden drei Tage in der Woche die Schule besuchen und zwei Praxistage in Betrieben absolvieren.

Mit Blick auf andere Bundesländer und europäische Nachbarn, in denen Kinder und Jugendliche wesentlich schneller die Schule durchlaufen und dadurch bessere Berufschancen haben, wird auch Hessen die Schulzeit bis zum Abitur auf 12 Jahre verkürzen. Die Schulzeitverkürzung des gymnasialen Bildungsganges beginnt mit der fünften Klasse ab dem Schuljahr 2005/06 in zwei Etappen: ein Teil der Schulen stellt 2005 um, ein anderer Teil 2006. Rund 15 Prozent der Schulen haben auf freiwilliger Basis bereits in diesem Schuljahr mit der Umstellung begonnen. Die Anschlussfähigkeit bleibt gewährleistet: Schülerinnen und Schüler, die mit guten Leistungen von der Realschule oder der integrierten Gesamtschule abgehen, können auch in Zukunft in die dreijährige gymnasiale Oberstufe wechseln und das Abitur in neun Jahren erreichen.

Die Einführung des Landesabiturs wird gewährleisten, dass die Fähigkeiten und Qualifikationen der Abiturientinnen und Abiturienten in Hessen vergleichbar geprüft werden. "Erfahrungen anderer Bundesländer mit zentralen Prüfungen belegen, dass das Abitur dadurch aufgewertet wird", so Wolff. Das erste Landesabitur in Hessen steht am Ende des Schuljahres 2006/07. Die Aufgaben werden in allen schriftlichen Prüfungen landesweit einheitlich vorgegeben, wobei es Wahlmöglichkeiten zwischen gleichwertigen Aufgaben geben wird. Um auch der Vielfalt von Inhalten, Lern- und Leistungsformen in der gymnasialen Oberstufe Rechnung zu tragen, werden Aufgaben für die mündliche Prüfung und Präsentation weiterhin von der Schule gestellt.

Weitere wesentliche Neuerungen im Schulgesetz:
 
  • Flexibler Einstieg: Grundschulen können die Jahrgangsstufen 1 und 2 zu einer "pädagogischen Einheit" zusammenfassen, die von den Schülerinnen und Schülern im Zeitraum von 1 bis 3 Jahren durchlaufen wird.
  • Sonderschule wird Förderschule: Ziel der Sonderschule ist die sonderpädagogische Förderung. Damit dies nun auch im Namen zum Ausdruck kommt, wird die Sonderschule in Förderschule umbenannt.
  • Ganztagsschule: Die gesetzlichen Regelungen zur Ganztagsschule werden neu gefasst: Wenn der Schulträger den Bedarf belegt, können Schulen der Sekundarstufe I und Förderschulen (Sonderschulen) sowie nun auch Grundschulen als Ganztagsschulen mit freiwilliger Teilnahme (offene Konzeption) oder mit verpflichtender Teilnahme (gebundene Konzeption) organisiert werden.
  • Gegen Schulversagen: Die Möglichkeit der "Querversetzung" in eine andere Schulform wird unter strengen Bedingungen auf die Jahrgangsstufen 6 und 7 ausgeweitet, "wenn eine erfolgreiche Mitarbeit im Unterricht des gewählten Bildungsganges nicht zu erwarten ist und die Wiederholung der Jahrgangsstufe die Schülerin oder den Schüler in der Entwicklung erheblich beeinträchtigen würde."
  • Alarmzeichen bei Problemschülern: Die Eltern volljähriger Schülerinnen und Schüler sollen bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres "über wesentliche Sachverhalte, insbesondere über Versetzungsgefährdungen und Nichtversetzungen sowie über Ordnungsmaßnahmen" informiert werden, sofern "die volljährige Schülerin oder der volljährige Schüler dem nicht widersprochen hat".
  • Fortbildung der Lehrkräfte: Fortbildung ist für die Sicherung der Leistungsfähigkeit unserer Schulen unerlässlich. Damit Schulleiterinnen und Schulleiter ihre Führungsaufgaben im Kollegium besser wahrnehmen können, geben wir ihnen ein neues Instrument der Personalentwicklung an die Hand. Sie können zukünftig Lehrkräfte zur Wahrnehmung bestimmter Fortbildungsmaßnahmen verpflichten.


 

Ansprechpartner

Anfragen aus dem IHK-Bezirk beantwortet:
Dr. Brigitte Scheuerle Aus- und Weiterbildung Geschäftsführerin
Telefon: 069 2197-1223Fax: 069 2197-1248

IHK-Info-Video: Wie werden Sie Ausbildungsbetrieb?

Wie werden Sie Ausbildungsbetrieb? Dieser Film zeigt, welche fachlichen und persönlichen Voraussetzungen Sie mitbringen müssen, um Ihre Fachkräfte selbst ausbilden zu dürfen.

Mitarbeiterförderung durch die IHK-Weiterbildungsberatung

Aktuelle Lehrgangsveranstaltungen des IHK Bildungszentrums

Das IHK Bildungszentrum hat viele virtuelle Lernangebote geschaffen, um den Seminar- und Lehrgangsbetrieb aufrechtzuerhalten und wird dies in den kommenden Wochen weiterhin verfolgen.

Parallel wird eine stufenweise Wiederaufnahme des Präsenzbetriebs geplant.