Rahmenkonzept

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1. Analyse

In Frankfurt am Main befassen sich eine Vielzahl von Institutionen und Personen mit Aufgaben der Integration, von Personen mit besonderem Förderbedarf, in die Arbeitswelt. Es gibt hierzu ein vielfältiges Angebot, das sich jedoch als schwer durchschaubar darstellt. Es gibt derzeit noch kein verbindliches Rahmenkonzept, das eine sinnvolle Vernetzung aller Akteure und Programme zum Ziel hat. Viele beschäftigungspolitische Entscheidungen sowie die Vergabe von Fördermitteln sind von Zufälligkeiten abhängig.
 

2. Ziele

Die berufliche Integration von Personen mit besonderem Förderbedarf, unter 25 Jahren, ist eine zentrale sozial- und beschäftigungspoltische Aufgabe. Sie muss effizient, nach einem klaren, durchgängigen, den gesellschaftspolitischen Erfordernissen angepassten Konzept und unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit erfolgen. Die jungen Menschen müssen sich mit ihren Fähigkeiten einbringen können. Das Netzwerk Jugend und Arbeit Frankfurt am Main moderiert den Prozess, entwickelt Entscheidungshilfen und berät die Entscheider unter Berücksichtigung folgender Ziele:

- Vermeidung Ausbildungsabbrüchen,
- Sicherung der Kontinuität von Arbeit,
- Verbesserung der beruflichen Handlungsfähigkeit,
- Erhöhung des Qualifikationsniveaus,
- Aktivierung betrieblicher Qualifizierungsangebote,
- Erhöhung des Angebots an Ausbildungs- und Arbeitsstellen,
- Optimierung der Übergänge von der Schule in die Arbeitswelt,
- Erhöhung des Anteils von Schulabgängern mit Abschluss.

Zur Zielgruppe zählen insbesondere junge Menschen mit:

- sozialen Benachteiligungen,
- unzureichender Berufsreife,
- fehlenden Schulabschlüssen,
- Lernbeeinträchtigung,
- Behinderung,
- Migrationshintergrund

Angebote

Die Inhalte werden in Form von zeitlich begrenzten Förder- und Qualifizierungssequenzen angeboten, durch Maßnahmen der Jugendberufshilfe sowie zur Integration in Arbeit ergänzt. Bei der Planung werden organisatorische und wirtschaftliche Gegebenheiten berücksichtigt und sie sind bei Bedarf kombinierbar. Zu ihnen zählen insbesondere:

- Präventivarbeit in den allgemeinbildenden Schulen,
- kontinuierliche Praxistage,
- Angebote der Jugendberufshilfe,
- Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsaufnahme,
- inhaltliche Gliederung der Berufsausbildungsvorbereitung,
- Eignungsanalyse als Grundlage der Qualifizierungsplanung,
- Stellenakquise und Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung,
- Qualifizierungsvereinbarung als Bestandteil der Eingliederungsvereinbarung,
- Beratung (Bildungsbegleitung),
- Bewerbungstraining,
- Sprachförderung,
- Grund- und Förderstufe (Qualifizierungsbausteine),
  - Übergangsqualifizierung (Teilqualifikationen),
- betriebliche Qualifizierung,
- betreute Berufsausbildung
- Qualifizierungsbegleitung,
- Evaluierung und Erfolgskontrolle aller Angebote.
 

3. Instrumente

Das Rahmenkonzept sieht ein bedarforientiertes, durchgängiges System vor. Es umfasst Maßnahmen, die in Klasse 7 aller Schulformen, mit Bildungsgang Hauptschule starten. Sie enden mit Vollendung des 25. Lebensjahres. Folgende Instrumente sind seine wesentlichen Elemente:

Kontinuierliche Praxistage

Ein großer Teil der Problematik kann nur durch präventive Arbeit gelöst werden. Die Zielgruppe ist im Wesentlichen in Schulen mit dem Bildungsgang Hauptschule zu finden. Es gilt, spätestens ab Klasse 7, gezielt den Unterricht an dem Ziel auszurichten, die Schülerinnen und Schüler in die Arbeitswelt zu integrieren. Ein erprobtes Konzept sind die kontinuierlichen Praxistage. Schulen, die konsequent danach arbeiten, steigerten den Übergang in eine Ausbildung, von 10 auf bis zu 60 Prozent.

Um die Nachhaltigkeit zu sichern, ist es erforderlich, die jungen Menschen beim Übergang in eine Berufsausbildung weiter zu betreuen. Es ist daher erforderlich, in den Schulen eine Koordinatorin oder einen Koordinator zur Betreuung einzustellen. In Absprache mit der Schulleitung und den Lehrkräften ist diese Person insbesondere für folgende Aufgaben zuständig:
 
  - Vertretung der Schule in den Besprechungen des Staatlichen Schulamtes, zur
Abstimmung von Fragen des Unterrichts und des Übergangs von Schule in Beruf,
  - Aufbau und Pflege der Kontakte zu den Unternehmen,
  - Betreuung der Schülerinnen und Schüler in den Praxisphasen,  
  - Betreuung nach der Schule in der Berufsausbildung,
  - Weiterentwicklung des Konzeptes.

Diese Person muss praktische Erfahrungen aus der Arbeitswelt mitbringen.

Eignungsanalyse

Ziel der Eignungsanalyse ist die Erstellung eines Stärken-Schwächen-Profils. Die Teilnehmer erhalten Unterstützung, ihren Entwicklungsstand zu erkennen und Verantwortung für ihr Lern- und Arbeitsverhalten sowie ihre Persönlichkeitsentwicklung zu übernehmen. Darüber hinaus sollen sie in die Lage versetzt werden, sich entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten und Eignungen beruflich zu orientieren. Auf Grundlage der vorhandenen Ergebnisse wird ein Qualifizierungsplan erstellt, der nach Abstimmung mit den am Prozess beteiligten Personen zu genehmigen ist. Diese Eignungsanalyse soll mit den abgebenden Schulen verknüpft werden.

Grund- und Förderstufe

Ziel der Grundstufe ist die Herausbildung und Festigung persönlicher Fertigkeiten und Fähigkeiten für die Aufnahme einer Arbeit oder Ausbildung. Das beinhaltet auch die Motivation der Zielgruppe zur Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses oder einer Ausbildung. Kernelement der Grundstufe ist Berufsorientierung. Darüber hinaus können folgende Förder- und Qualifizierungssequenzen durchgeführt werden:
 
        - allgemeiner Grundlagenbereich,
        - berufliche Grundfertigkeiten (Qualifizierungsbausteine),
        - Sprachförderung,
        - Bewerbungstraining.

Das Ziel der Förderstufe ist eine Verbesserung von beruflichen Grundfertigkeiten, die auf eine Arbeit- oder Ausbildungsstelle vorbereiten. Kernelement ist die Förderung beruflicher Grundfertigkeiten. Darüber hinaus können folgende Qualifizierungssequenzen durchgeführt werden:
 
        - allgemeiner Grundlagenbereich,
        - berufliche Grundfertigkeiten (Qualifizierungsbausteine),
        - Sprachförderung,
        - Bewerbungstraining.

Qualifizierungsbausteine werden Personen angeboten, die nach Ende der verlängerten Vollzeit-Schulpflicht nicht in Arbeit und Ausbildung eingemündet sind. Sie sind in der Regel nur bedingt ausbildungsfähig und benötigen eine Betreuung. Die IHK oder HWK prüfen die Qualifizierungsbausteine und erkennen sie an. Sie können auf eine spätere Ausbildung angerechnet werden und erleichtern den Übergang in eine Beschäftigung.

Übergangsqualifizierung

Die Übergangsqualifizierung richtet sich an Personen, denen die Aufnahme einer Arbeit oder Ausbildung noch nicht gelungen ist und deren Chancen durch die weitere Förderung ihrer beruflichen Handlungsfähigkeit erhöht werden soll. Ziel der Übergangsqualifizierung ist die Verbesserung der beruflichen Handlungskompetenzen insbesondere durch die Vermittlung von arbeitsplatzbezogenen Qualifikationen. In diesem Zusammenhang können insbesondere nachfolgend aufgeführte Qualifizierungssequenzen durchgeführt werden:
 
            - berufliche Grundfertigkeiten,
            - betriebliche Qualifizierung,
            - arbeitsplatzbezogene Einarbeitung,
            - Bewerbungstraining.

Die Teilqualifikationen sind ein wichtiges Element im Übergang von der Schule in die Arbeitswelt. In maximal sechs Monaten sind die Jugendlichen vier Tage pro Woche in einem Unternehmen. Die verbleibende Zeit dient der sozialpädagogischen Betreuung, der Behebung von Leistungsschwächen sowie der Entwicklung von Sozialkompetenzen. Es werden überwiegend kleine und mittlere Unternehmen eingebunden, die bisher nicht ausgebildet haben. Wie beim kontinuierlichen Praxistag entsteht eine Bindung zwischen Beteiligten. Die Industrie- und Handelskammer entwickelt das Angebot der Teilqualifikationen nach einem Pflichtenheft. Sie hilft bei der Gewinnung von Unternehmen und motiviert sie die Teilnehmer in eine Ausbildung zu übernehmen. Hierdurch entstehen auch neue Ausbildungsplätze.
 
Bildungsbegleitung

Während der gesamten Maßnahmen, bei Bedarf auch während der Probezeit, werden die Jugendlichen durch eine Bildungsbegleitung persönlich betreut. Übergeordnetes Ziel dieser kontinuierlichen Begleitung ist die Sicherung des langfristigen Eingliederungserfolges. Die Bildungsbegleitung integriert den Jugendlichen möglichst zeitnah durch gezielte Schritte und Zielvereinbarungen in den Arbeitsmarkt. Aufgrund der Ergebnisse der Eignungsanalyse erstellt die Bildungsbegleitung, in Abstimmung mit der zuständigen Beratungsfachkraft der Arbeitsagentur, einen auf die Bedürfnisse und Ressourcen der Jugendlichen abgestimmten Qualifizierungsplan und trifft mit ihnen eine Zielvereinbarung. Die Bildungsbegleitung folgt dem pädagogischen Prinzip „Fördern und Fordern“. Sie plant, fördert, gewährleistet, organisiert, koordiniert, begleitet und dokumentiert kontinuierlich individuelle Qualifizierungsverläufe über verschiedene Lernorte sowie Bildungs-, Hilfe-, und Förderangebote hinweg.
Die Bildungsbegleitung sorgt dafür, dass die Jugendlichen zum richtigen Zeitpunkt das richtige Angebot erhalten. Und sie koordiniert den Abstimmungsprozess aller am Qualifizierungsverlauf beteiligten Akteure, unter Berücksichtigung der realisierbaren Eingliederungschancen.
 
Jugendberufshilfe

Sie richtet sich an junge Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind. Ihnen werden sozialpädagogische Hilfen angeboten, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.
Die Maßnahmen der kommunalen Jugendberufshilfe ergänzen auf dieser Grundlage die Förderangebote der Agentur für Arbeit.
Sie umfassen berufsvorbereitende und berufsqualifizierende Angebote und Maßnahmen für Gruppen, in denen der Entwicklung und Einübung sozialer Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen eine besondere Bedeutung zukommt.
Des Weiteren gehören hierzu sozialpädagogisch begleitete berufliche Ausbildungsgänge und die Förderung von Ausbildungsverbünden.
Ein sofortiges sozialpädagogisch betreutes Arbeitsangebot für junge Menschen im Sozialhilfebezug und ein breites Beratungsangebot für Schulabgänger und junge Menschen ohne Ausbildung oder ohne Arbeit gehören ebenfalls zum Spektrum der kommunal geförderten Jugendberufshilfe.
 
      - Die betreute Ausbildung, z. B. Teilzeitausbildung für Mütter,
- Ausbildungsverbünde,
- Ausbildung statt Sozialhilfe,
- berufliche Orientierung, z. B. Migranten,
- Praxislernprojekte,
- externer Hauptschulabschluss,
- Arbeit sofort,
- Beratungsstelle für arbeitslose Jugendliche.
 
 
4. Standards

Das Rahmenkonzept sollte sich in Zukunft an folgenden Standards orientieren:
 
- Vorhandene Angebote werden dem Konzept angepasst und integriert.
- Neue Angebote werden nach dem Konzept entwickelt und integriert.
- Fördermittel werden für Maßnahmen der Systemstruktur eingesetzt.
- Berufsbildende Angebote orientieren sich an Ausbildungsordnungen.
- Die Durchlässigkeit zwischen den Angeboten wird sichergestellt.
- Größtmögliche Praxisorientierung durch Einbindung von Unternehmen.
- Berücksichtigung gesellschaftlicher Veränderungen.
- Nachhaltigkeit durch Kennzahlen, Evaluation und Innovation.
 

5. Agentur Jugend und Arbeit Frankfurt

Die Agentur ist eine Clearing-, Beratungs- und Vermittlungsstelle für junge Menschen in Frankfurt am Main. Sie steht in gemeinsamer Trägerschaft der Agentur für Arbeit und des Jugend- und Sozialamtes. Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene, die einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz suchen
 
- unter 25 Jahre,
- nach erfüllter Vollzeitschulpflicht,
- ohne Arbeitsplatz,
- ohne abgeschlossene Berufsausbildung
- und/oder mit Leistungsbezug nach dem Bundessozialhilfegesetz.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Personengruppe, die finanzielle Leistungen nach dem SGB II oder III beantragen oder beziehen. Ausbildungsplatzsuchende werden nach ihrer Schulentlassung grundsätzlich von der Jugendagentur betreut. Die Zuweisung in die Angebote erfolgt durch die Agentur für Arbeit sowie durch die Sozialrathäuser des Jugend- und Sozialamtes. Sie ist offen für alle Betroffenen der Stadt Frankfurt am Main, die eigenständig Rat und Unterstützung suchen.
 

6. Netzwerk Jugend und Arbeit Frankfurt

Im Netzwerk Jugend und Arbeit Frankfurt sind alle Akteure des Arbeitsfeldes vertreten. Es ist ein Forum für fachliche Diskussionen, Abstimmung von wesentlichen Positionen, Weiterentwicklung und Bearbeitung inhaltlicher und organisatorischer Fragen. Es arbeitet auf der Basis dieses Rahmenkonzeptes und entwickelt es gemeinsam weiter. Eine wichtige Aufgabe ist die Umsetzung der Standards sowie die Entwicklung und Abstimmung von neuen Konzepten und Maßnahmen. Neue Projekte werden eingebracht und in die Systematik integriert. Das Netzwerk moderiert den Prozess, entwickelt Entscheidungshilfen, berät die Entscheider und berichtet über den Stand der Entwicklung und über die Ergebnisse. Die ständige Wirtschafts- und Arbeitsmarktkonferenz kann gezielt Aufträge an das Netzwerk formulieren.
 

Ansprechpartner

Anfragen aus dem IHK-Bezirk beantwortet:
Florian Richterich
Telefon: 069 2197-1319

IHK-Info-Video: Wie werden Sie Ausbildungsbetrieb?

Wie werden Sie Ausbildungsbetrieb? Dieser Film zeigt, welche fachlichen und persönlichen Voraussetzungen Sie mitbringen müssen, um Ihre Fachkräfte selbst ausbilden zu dürfen.

Mitarbeiterförderung durch die IHK-Weiterbildungsberatung

Aktuelle Lehrgangsveranstaltungen des IHK Bildungszentrums

Das IHK Bildungszentrum hat viele virtuelle Lernangebote geschaffen, um den Seminar- und Lehrgangsbetrieb aufrechtzuerhalten und wird dies in den kommenden Wochen weiterhin verfolgen.

Parallel wird eine stufenweise Wiederaufnahme des Präsenzbetriebs geplant.