Tourismuskrise scheint überwunden zu sein

Als sich das IHK-Wirtschaft-Forum im August 2001 ausführlich mit dem Thema Tourismus beschäftigte, da waren die Welt und die Branche noch ziemlich in Ordnung. Der Tourismus war sogar gerade dabei, ein Rekordjahr zu schreiben, als dann die Terroranschläge des 11. September 2001 nicht nur die unmittelbar betroffene USA, sondern die ganze Welt in einen Schockzustand versetzte, von dem sie sich bis heute noch nicht überall wieder erholt hat.

Die Tourismuswirtschaft in Deutschland war unterschiedlich davon betroffen. Reisen mit dem Flugzeug, egal ob geschäftlich oder privat, brachen nicht nur in die USA, sondern weltweit und sogar innerdeutsch dramatisch ein und verhagelten die Bilanzen von Airlines, Reiseveranstaltern und Reisebüros noch bis in das vergangene Jahr hinein.

Umgekehrt blieben aber hierzulande auch massenweise vor allem Geschäftsreise-Übernachtungsgäste aus dem Ausland aus und brachten für Hotellerie, Gastronomie, Verkehrsunternehmen und Einzelhandel erhebliche Umsatzeinbußen. Frankfurt und die RheinMain-Region bekamen das alles in besonderem Maße zu spüren, denn hier konzentrieren sich die Geschäftsreise-Hotellerie und bedeutende Unternehmen der Tourismusbranche.

Die Krisenjahre scheinen inzwischen überwunden zu sein. Die Internationale Tourismusbörse (ITB) 2005 in Berlin und der Anfang Mai in der RheinMain-Region abgehaltene Germany Travel Mart (GTM) – die internationale Einkäufermesse für den Deutschland-Tourismus – versprühten Zuversicht, und die großen Reiseveranstalter berichten von deutlichem Nachfragezuwachs. Reisebüros sind mit tief greifenden Veränderungen ihres jahrzehnte- lang gültigen Geschäftsmodells als Handelsvertreter konfrontiert, die von Internet getriebenem Direktverkauf der Leistungsträger über den Provisionswegfall der Airlines bis zur Einführung von Serviceentgelten reichen, und können offensichtlich besser damit leben, als sie es selbst erwartet haben. Geschäftsreisen haben deutlich angezogen und bescheren Hotellerie und Airlines wieder erfreuliche Zuwachsraten – wenn auch unter starkem Preisdruck. Und auch der regionale Tagestourismus behauptet sich mit neuen, kreativen Angebotsideen.

Das lässt fast vergessen, dass der Konjunkturmotor in Deutschland noch immer nicht richtig in Schwung gekommen ist, die Arbeitslosenquote historische Höchststände erreicht hat und die Tsunami-Katastrophe in Südostasien als unberechenbare Naturgewalt noch in frischer Erinnerung ist. Da lohnt sich eine aktuelle Bestandsauf-nahme und ein neuer Blick in die Zukunft, denn Krisen bringen auch neue Erkenntnisse, setzen Kräfte frei und sie verändern Trends. Das soll in dieser Ausgabe des IHK WirtschaftsForums aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.


Walter Krombach 
Geschäftsführer
Ameropa-Reisen, Bad Homburg
Vorsitzender des IHK- Ausschusses für Tourismus
 

weitere Informationen: Redaktion IHK WirtschaftsForum
 

IHK WirtschaftsForum
Juni 2005