Frankfurt
Geschäftstourismus dominiert

Der Tourismusbranche in der Mainmetropole kommt insbesondere zugute, dass die Stadt zentral in Europa gelegen und daher auch Verkehrsdrehscheibe zwischen West und Ost, Nord und Süd ist. Auffällig ist allerdings, dass der Tourismus in Frankfurt überwiegend beruflich motiviert ist. Über vier Millionen Menschen nahmen hier 2008 an Messen, Kongressen und Tagungen teil.

Die Tourismuswirtschaft in Frankfurt generiert jährlich einen Bruttoumsatz von rund 3,9 Milliarden Euro. Neben den Beherbergungsbetrieben profitieren insbesondere auch Unternehmen der Dienstleistungsbranche, des Gastgewerbes und des Einzelhandels von Tagesgästen und Übernachtungsgästen. Mit 58 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten liegt die Branche nur knapp hinter der Kreativwirtschaft.

Auch die Übernachtungszahlen entwickelten sich in den vergangenen Jahren erfreulich, wenngleich sie im Vergleich zu den Steigerungsraten anderer Städte wie Hamburg, Berlin oder Köln hinterherhinken. Im Jahr 2008 übernachteten 5,43 Millionen Gäste in Frankfurt. Dies war nochmals eine Steigerung zum Jahr 2007 mit dem bisherigen Spitzenwert von 5,38 Millionen Übernachtungen. Dem bundesweiten Trend entspricht dagegen die kontinuierlich sinkende Verweildauer der Gäste. Im Jahr 2000 betrug diese noch 1,8 Tage, derzeit liegt sie nur noch bei 1,6 Tagen.

Eine sehr wichtige Bedeutung für die örtliche Tourismusbranche haben die Auslandsgäste: Fast jede zweite Übernachtung (47 Prozent) wird durch Gäste aus dem Ausland getätigt. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Tourismus in Frankfurt zu einem weit überdurchschnittlichen Teil beruflich motiviert ist. Insbesondere der Besuch von Messen, Kongressen und Tagungen spielt für den touristischen Reiseverkehr eine bedeutende Rolle. Über vier Millionen Menschen nahmen 2008 in Frankfurt an Tagungen, Kongressen und Seminaren teil. Der Anteil des Geschäftstourismus liegt in Frankfurt bei 70 Prozent. Der geplante Bau eines Kongresszentrums zwischen Messe und Innenstadt trägt zum Ausbau des Kongressstandortes bei. Aufgrund von Kapazitätsengpässen müsste Frankfurt dann nicht mehr auf die Ausrichtung von Großveranstaltungen mit bis zu 10 000 Teilnehmern verzichten.

Frankfurter Flughafen bedeutend für touristischen Erfolg
Der Geschäftsreiseverkehr wird durch die verkehrsgünstige Lage der Mainmetropole unterstützt. FrankfurtRheinMain ist eine der wirtschaftsstärksten Regionen Europas und ein Drehkreuz internationaler Wirtschaftsströme. Frankfurt ist Verkehrsdrehscheibe Deutschlands. Die Metropole liegt am Schnittpunkt europäischer Fernstraßen, die zu den meistbefahrenen Autobahnmagistralen Deutschlands gehören. Der Eisenbahnknoten Frankfurt mit Hauptbahnhof und Flughafenbahnhof ist ein Schnittpunkt des regionalen, nationalen und internationalen Schienennetzes, mit Anschluss an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz. Der Flughafen ist der Dreh- und Angelpunkt für den intermodalen Verkehr. Der wirtschaftliche und touristische Erfolg der Region FrankfurtRheinMain ist sehr eng mit dem Flughafen Frankfurt Main verknüpft.

Der Flughafen, der im Schnittpunkt der europäischen Luftverkehrsadern liegt, erfüllt im interkontinentalen Flugverkehr die Vernetzung des innereuropäischen Flugverkehrs mit Nord- und Südamerika, Fernost sowie mit Australien und Südafrika. Er komplettiert die Verkehrsdrehscheibe Frankfurt, die sämtliche Verkehrsträger auf der Straße, der Schiene und dem Wasser in idealer Weise miteinander verknüpft. Es gibt kaum einen Standort mit derartig idealen Voraussetzungen für ein optimales Mobilitätsangebot. Dies muss allerdings immer wieder neu abgesichert und dem neuesten Stand der Technik sowie an die stets wachsende und sich ändernde Nachfrage angepasst werden. Deshalb ist der Ausbau des Frankfurter Flughafens, insbesondere nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs vom 21. August, ein wichtiger Schritt.

Die Fokussierung des Hotelmarkts auf die internationale Geschäftsreisenachfrage vor allem im Vier- und Fünf-Sterne-Segment birgt jedoch auch Abhängigkeiten, nämlich von der globalen Wirtschaftslage und internationalen Krisen. Sie hinterlassen Spuren in der Auslastung der Hotels. Die Hotelmärkte, beispielsweise in Berlin, München oder Hamburg, können Nachfragerückgänge aus dem Segment der Geschäftsreisenden durch touristisch motivierte Nachfragen wenigstens teilweise kompensieren. In Frankfurt ist dies durch den hohen Anteil des Geschäftsreisetourismus und einen weniger ausgeprägten Wochenendtourismus nicht gegeben. Es müssen daher mehr Anreize für eine längere Aufenthaltsdauer geboten werden. Im Blickpunkt stehen hier auch insbesondere die Tagestouristen, die mit 75,8 Millionen Aufenthaltstagen pro Jahr den meisten Anteil der knapp 84 Millionen jährlichen Aufenthaltstagen von Touristen ausmachen.

Kultur- und Freizeitangebot besser überregional vermarkten
Nicht zu unterschätzen ist dabei das Kultur- und Freizeitangebot in Frankfurt und seiner Umgebung, das innerhalb der Tourismuswirtschaft als weicher Standortfaktor zur Attraktivität der Region FrankfurtRheinMain beiträgt. Neben dem Museumsufer mit seinem vielfältigen kulturellen Angebot müssen auch Einrichtungen wie die Museen, Alte Oper, der Zoo und der Palmengarten besser überregional vermarktet werden. Auch der rund 80 Quadratkilometer große Grüngürtel hat seine Wirkung als touristischer Standortfaktor noch nicht vollends entfaltet. Er ist Frankfurts wichtigstes Naherholungsgebiet und 1994 von Hessen zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden.

Die Skyline Frankfurts ist für Touristen ein optisches Highlight. Die Öffnung weiterer Hochhäuser oder einzelner Stockwerke für Besucher, wie im Main Tower, können die touristische Attraktivität der Stadt Frankfurt deutlich steigern. Aber die Skyline darf nicht als Alleinstellungsmerkmal für Frankfurt gelten. Frankfurt und die Region bieten ein vielfältiges Angebot, das zielgruppengerecht vermarktet werden muss. Gerade auch sportliche Highlights tragen zur besseren Vermarktung von Frankfurt und der Region bei. So hat das Internationale Deutsche Turnfest 2009 mehr als 100000 Wettkämpfer und Besucher nach Frankfurt gelockt. Dazu kommen die Fußballspiele von Eintracht Frankfurt und FSV, der Ironman, die Eishockeyspiele der Lions oder die Frauenfußball-WM 2011, die Anknüpfungspunkte zur Förderung des Freizeittourismus bieten.

Der Erfolg des Incoming-Geschäfts für einen bestimmten Standort hängt ganz erheblich von den Rahmenbedingungen vor Ort ab, die von den betreffenden Leistungsträgern ihren Gästen für deren Annehmlichkeit geboten werden können. Diese Rahmenbedingungen werden von der öffentlichen Hand, also den Kommunen und Kreisen des RheinMain-Gebietes und ihren direkt oder indirekt abhängigen touristischen Institutionen in hohem Maße beeinflusst. Es ist von herausragender Bedeutung, dass Frankfurt und die Region die Tourismusförderung gemeinsam in die Hand nehmen.

     
Dr. Hans-Peter Debling
IHK Frankfurt am Main
Standortpolitik


IHK WirtschaftsForum
Oktober 2009