Mittler zwischen den Branchen

Großhandelsausschuss

Mittler zwischen den Branchen

Premiere für den Großhandelstag FrankfurtRheinMain: Gemeinsam hatten Mitglieder des Großhandelsausschusses und hauptamtliche Mitarbeiter das Branchentreffen organisiert. Es fand am 12. Juni in der IHK Frankfurt statt.

 

Trotz seiner enormen Wirtschaftskraft mit einem Branchenumsatz von rund 1 130 Milliarden Euro im Jahr 2012 ist der Großhandel als Branche in der öffentlichen Wahrnehmung weniger präsent als andere Wirtschaftszweige. Das hat mit der spezifischen Rolle des Großhandels als Mittler zwischen den Produktions- und den Abnehmerbranchen zu tun. Damit einher geht eine große Vielfalt und strukturelle Heterogenität der Branche. Dazu gehören beispielsweise Unternehmen, die die Industrie mit den für die Produktion notwendigen Rohstoffen, halbfertigen Erzeugnissen und Materialien beliefern. Andere Großhändler versorgen die gesamte Bauindustrie und baunahe Dienstleistungsbranchen wie das Bauhandwerk mit Materialien und Werkzeugen. Ein anderer Zweig des Großhandels wiederum beliefert den Einzelhandel und die Gastronomie mit Konsum- und Verbrauchsgütern. An der Schnittstelle zwischen Hersteller- und Abnehmerbranchen erfüllt der Großhandel dabei wichtige Funktionen, etwa in den Bereichen Lagerhaltung, Logistik, Sortimentsgestaltung, Veredelung und Service.

 

So heterogen die Branche insgesamt aufgestellt ist, so vielfältig sind auch die Fragestellungen, mit denen sich die 25 Mitglieder des Großhandelsausschusses der IHK Frankfurt beschäftigen. Themen, die in jüngerer Zeit auf der Agenda standen, waren unter anderem Existenzgründung, die Folgen von Basel III für die Branche, die Herausforderungen des demografischen Wandels, aber auch die Möglichkeiten, in Verwaltungsabläufen die Effizienz zu erhöhen. Von solch praktischen Themen für den betrieblichen Alltag bis zu den Herausforderungen, die aufgrund eines sich wandelnden gesellschaftlichen Umfelds auf die Branche zukommen, greift der Ausschuss die für die Branche relevanten Themen auf.

 

Ein wichtiges Thema ist für die Mitglieder auch das Marktumfeld des Großhandels, das sich infolge des technologischen Fortschritts sukzessive ändert. Insbesondere mit dem Thema E-Commerce hat sich der Ausschuss in jüngster Vergangenheit wiederholt beschäftigt. Dr. Markus Preißner, wissenschaftlicher Leiter, Institut für Handelsforschung (IFH), Köln, referierte während der jüngsten Sitzung zum Thema „Erfolgsstrategien für den Großhandel – neue Kommunikationswege, Produktstrategien und Vertriebswege“. Er betonte, dass nicht nur ganz allgemein, sondern gerade auch im Geschäftskundenbereich elekt-ronische Vertriebskanäle eine immer größere Rolle spielen. Folglich müsse auch der Großhandel die Möglichkeiten des E-Commerce laufend im Auge behalten, um die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen. Dabei gehe es nicht darum, dass E-Commerce alle anderen Vertriebswege verdränge. Das Stichwort sei vielmehr Multi-Channel-Commerce, das heißt die intelligente Kombination verschiedener Vertriebswege. Traditionelle und neue Vertriebskanäle müssten sich nicht kannibalisieren, sondern könnten sich gegenseitig
verstärken.

 

Das Thema Erfolgsstrategien des Großhandels in einem sich wandelnden Umfeld stand auch im Mittelpunkt des ersten Großhandelstags FrankfurtRheinMain, der am 12. Juni in der IHK Frankfurt stattfand. Nach einem Impulsvortrag von Preißner diskutierte ein Panel über neue Kommunikationswege, Produktstrategien und Vertriebswege. In weiteren Diskussionsrunden stand die Fachkräftesicherung für den Großhandel sowie die Zukunft der Dreistufigkeit im Mittelpunkt.

 

Autor:

Johannes Erhart

Vorsitzender, Großhandelsausschuss, IHK Frankfurt, und persönlich haftender Gesellschafter, Erhart, Frankfurt

hans.erhart@gc-gruppe.de

 

 

 

WirtschaftsForum,

Juli/August 2013