Großhandels-Ausschuss: Bunte, vielfältige Branche

Bundesweit gibt es nur fünf Industrie- und Handelskammern mit einem eigenen Branchenausschuss für den Groß­handel – die IHK Frankfurt ist eine von ihnen. Immerhin sind in ihrem Bezirk rund 5 700 Großhandelsunternehmen tätig.

 

Was haben Lebensmittel, Chemikalien, Holz, Maschinen, Kfz-Zubehör und Elektronikartikel gemeinsam? Auf den ersten Blick wenig. Aber diese und viele andere Produkte finden in den meisten Fällen ihren Weg vom Hersteller zum Abnehmer nicht direkt. Vielmehr gehen sie durch die Hände von Spezialisten, die durch entsprechende Sortimentsgestaltung für die Kunden erst Auswahl schaffen, die Logistik und Warenhaltung übernehmen sowie vielfältige Beratungs- und Zusatzleistungen rund um das Produkt anbieten. Das ist die Rolle des Großhandels.

 

Mit seinem Warenangebot durchzieht er als Zwischenstufe praktisch die gesamte Wirtschaft und sorgt für hohe Markteffizienz. Seine Kunden sind der klassische Einzelhandel, aber auch Industrieunternehmen, die Vorprodukte, Zubehör und Verbrauchsmaterialien einkaufen, das Fachhandwerk und die Gastronomie.

 

Die Wirtschaftskraft der Region selbst sowie die geografisch und logistisch günstige Lage machen Frankfurt zu einem der wichtigsten Großhandelsstandorte in Deutschland und Europa. So ist es nicht verwunderlich, dass die IHK Frankfurt eine von nur fünf deutschen IHKs mit einem eigenständigen Großhandelsausschuss ist. Im IHK-Bezirk sind aktuell 5 700 Großhandelsunternehmen tätig.

Die 20 Ausschussmitglieder bedienen mit ihren Unternehmen endverbrauchernahe Bereiche wie Einzelhandel, Gastronomie oder Handwerk, beliefern die Industrie, Dienstleister sowie die öffentliche Hand, und sie platzieren Messe- und Eventangebote im B2B-Bereich.

 

Sowohl in seiner Zusammensetzung als auch in den von ihm bearbeiteten Themen steht der Ausschuss für die Vielfalt der gesamten Branche. Themen, die praktisch jedes Unternehmen betreffen, finden sich auf der Tagesordnung der Sitzungen ebenso wie klassische Großhandelsthemen. Zum Mehrwert der Ausschussarbeit trägt ganz wesentlich die traditionelle Tischrunde bei. Ein oder zwei Ausschussmitglieder berichten kurz über ihre Geschäftslage, die Branchensituation sowie aktuelle Herausforderungen. Diese Berichte sind dann meist der Auftakt für eine lebhafte Diskussion.

 

Ein Thema, das sich in seinen verschiedenen Facetten immer wieder auf der Agenda des Ausschusses findet, sind die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Lieferanten- und Kundenbeziehungen. Für den Großhandel geht es um nichts weniger als seine traditionelle Mittlerposition, die zunehmend von Betreibern digitaler Marktplätze beansprucht wird, seitdem diese sich verstärkt auch an gewerbliche Abnehmer wenden. Nicht nur die großen Handelsplattformen drängen in den B2B-Bereich: Laut einer Studie der Creditreform aus dem Jahr 2016 werden rund 20 Prozent aller B2B-Onlineshops von Unternehmen betrieben, die gar nicht im Großhandel verortet sind. Viele Hersteller nutzen E-Commerce, um ihre Endabnehmer direkt anzusprechen und die Zwischenstufe zu überspringen.

 

Ein weiteres Themenfeld ist auch in dieser Branche die Fachkräftesicherung. Mit Unterstützung des IHK-Geschäftsfeldes Aus- und Weiterbildung wurden im Ausschuss verschiedene Programme und Aktivitäten vorgestellt und diskutiert, wie die Initiative Fachkräfteentwickler/Bildungscoach oder auch die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Die Wettbewerbsposition des mittelständisch geprägten Großhandels gegenüber den Schwergewichten ist hingegen ein wichtiges Branchenthema, das zum Beispiel im Rahmen des Veranstaltungsformats Jour fixe Großhandel durch einen Expertenvortrag und ein Best-Practice-Beispiel aufgegriffen wurde. Es wurde deutlich, wie der mittelständische Großhandel über Einkaufskooperationen bessere Konditionen verhandeln und so größeren Konkurrenten trotzen kann. Immer wieder befasst sich der Ausschuss schließlich auch mit Themen, die das lokale Umfeld betreffen, wie mögliche Auswirkungen von Dieselfahrverboten auf die Großhandelslogistik oder das Baustellenmanagement der Stadt Frankfurt.

 

Gerade weil die Branche so vielfältig aufgestellt ist, ist der Kontakt vor

 

Ort wichtig und bereichernd. Neben dem Umstand, dass Sitzungen regelmäßig bei Mitgliedsunternehmen stattfinden und damit ein konkreter Einblick in die jeweiligen Geschäftsabläufe möglich wird, ist der Austausch mit weiteren Akteuren aus der Branche hochinteressant. Ein solcher Ortstermin fand 2017 an einem der Hotspots des Großhandelsstandortes FrankfurtRheinMain statt, dem von den Händlern selbst betriebenen Frischezentrum in Frankfurt-Kalbach. Mehr als 100 Großhändler versorgen von dort aus an sechs Tagen die Woche ab zwei Uhr am frühen Morgen rund fünf Millionen Menschen in der gesamten Region mit Obst, Gemüse und Feinkost. Neben der Führung durch die Großmarkthalle bot die anschließende Gesprächsrunde Einblick in die Themen, die die Händler bewegen, etwa Fachkräftesicherung, die Verkehrssituation vor Ort und wichtige Zukunftsthemen.

 

Wo es sich anbietet, werden gemeinsame Aktivitäten mit anderen Ausschüssen durchgeführt, so der Besuch im Frischezentrum zusammen mit Handelsvertreter-, Einzelhandels- und dem Tourismusausschuss der IHK Frankfurt. Am stärksten institutionalisiert ist die Zusammenarbeit mit dem Handelsvertreterausschuss – aus gutem Grund, denn thematisch besteht eine große Schnittmenge. Seit Jahren werden deswegen die Herbstsitzungen gemeinsam abgehalten.

 

Großhandel ist in seiner bunten Vielfalt eine faszinierende Branche, und er ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region. Deshalb engagieren sich die Mitglieder im Großhandelsausschuss der IHK Frankfurt. Interessierte Unternehmer aus der Großhandelsbranche können gerne als Gäste bei einer der nächsten Sitzungen des Fachausschusses teilnehmen.

 

Autoren

 

Mireille-Gaby Siebert

Vorsitzende, Großhandelsausschuss, IHK Frankfurt

m.siebert@beewell.de

 

Klaus-Stefan Ruoff

Stellvertretender Vorsitzender, Großhandelsausschuss, IHK Frankfurt

ksr@horne-handel.de