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Situation Frankfurter Einzelhandel: "Die Innenstadt stärken"

Ein Gespräch mit Dr. Joachim Stoll, seit April Vorsitzender des IHK-Einzelhandelsausschusses, über die Situation und die Perspektiven des Einzelhandels in Frankfurt.

Herr Dr. Stoll, welche Bedeutung hat nach Ihrer Einschätzung der Einzelhandel in Frankfurt?

Stoll: Der Einzelhandel spielt für die Urbanität von Städten eine herausragende Rolle. Einkaufen ist, neben der Fahrt zum Arbeitsplatz, der häufigste Grund für Menschen, in die Innenstadt oder in Stadtteilzentren zu fahren. Mit der Zeil verfügt Frankfurt über eine der frequentiertesten und umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands. Die Nachfrage nach Ladenfläche in den Spitzen-Innenstadtlagen hält weiter an und kann bei Weitem nicht befriedigt werden. Wie attraktiv Frankfurt ist, zeigt beispielsweise Hollister. Das Unternehmen hat sein erstes Geschäft in Deutschland im MyZeil eröffnet, mit überwältigendem Erfolg. Und Esprit eröffnete auf der Zeil seine weltweit größte Filiale. Das sind Indikatoren dafür, dass der Einzelhandel in der Frankfurter Innenstadt sehr gut funktioniert.

Jenseits der professionellen Sicht des Einzelhändlers: Was macht Frankfurt für die Kunden so attraktiv?

Stoll: Frankfurt ist eine Stadt der kurzen Wege. Das gilt insbesondere für den Einkauf. Die Kunden finden hier ein vielfältiges Angebot auf engstem Raum –
von konsumorientiert bis luxuriös, vom Filialisten bis zum hoch spezialisierten inhabergeführten Fachgeschäft. Ergänzt wird dies durch die attraktiven Einkaufsstraßen wie Berger Straße, Schweizer Straße, Leipziger Straße oder Oeder Weg. Sie alle haben ihren eigenen Charme, der von vielen Menschen geschätzt wird. Dadurch ziehen diese Straßen auch Kunden aus anderen Stadtteilen an, die gerade diesen Kontrast zur Innenstadt suchen. Frankfurt bietet eben für jeden Geschmack etwas.

Für das Einkaufsverhalten der Menschen spielt der Wohlfühlfaktor eine große Rolle. Wie bewerten Sie die Aufenthaltsqualität der Innenstadt?

Stoll: Hier hat sich in jüngster Zeit sehr viel Positives entwickelt. Die Außengastronomie ist umfangreicher und ansprechender geworden. Sehr gelungen ist die neue Gastronomie auf der Zeil, die von der Zeil-Anliegergemeinschaft neu organisiert wurde. Die Zeil gehört zu den Einkaufsstraßen mit der kürzesten Verweildauer der Passanten. Wir hoffen, dass sich dies durch das gastronomische Angebot sowie die Neugestaltung der Fußgängerzone ändert. In einer vorbildlichen Kooperation von Privaten und öffentlicher Hand wurde die Neugestaltung der Zeil von der Stadt Frankfurt gemeinsam mit den Anliegern der Zeil beschlossen und als Public Private Partnership finanziert.

Nicht zu vergessen: Gerade auch private Immobilieneigentümer haben erheblich zur Modernisierung Frankfurts beigetragen.

Stoll: Mit dem Palais Quartier und seinem Einkaufszentrum MyZeil, dem Büro- und Hotelturm sowie dem rekonstruierten Thurn und Taxis Palais wurde eine Landmarke in der Innenstadt geschaffen. Zudem bereichern einige andere Neubauten die Innenstadt – wie der Neubau der Frankfurter Volksbank oder das Geschäftshaus auf dem ehemaligen Plöger-Gelände in der Freßgass. Einige Geschäftshäuser wurden modernisiert, wie beispielsweise das Wormland- und WMF-Gebäude. All das trägt dazu bei, der Innenstadt ein neues attraktives Gesicht zu geben und die Aufenthaltsqualität zu steigern. Allerdings bedürfen einige Bereiche wie die Ostzeil oder Nebenstraßen der Zeil, wie beispielsweise die Große Friedberger Straße, einer Aufwertung. Der Eindruck der Zeil wird nämlich auch vom direkten Umfeld beeinflusst. Diese Nebenstraßen ergänzen zwar mit ihren spezialisierten Geschäften das Einzelhandelsangebot der Zeil hervorragend, leiden aber nicht selten unter einer mangelhaften Straßenoptik.

Die Erreichbarkeit der Einkaufsbereiche spielt für den Einzelhandel immer eine große Rolle. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Stoll: Das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ist gut, zumindest die Haupteinkaufsbereiche sind ordentlich angeschlossen. Auch die Anbindung des Umlands ist sehr leistungsfähig. Es besteht aber dennoch Optimierungsbedarf bei der Fahrplangestaltung. Die Fahrpläne sind auf die Bürozeiten abgestimmt, nicht jedoch auf die Öffnungszeiten des Einzelhandels. Aus den ungünstigen Fahrtzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel entsteht sowohl für die Kunden als auch die Mitarbeiter des Handels der Anreiz, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Für den Handel ist die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto deshalb von großer Bedeutung.

Was halten Sie von der Idee, die Berliner Straße zu einer zweispurigen Einbahnstraße in Ost-West-Richtung umzubauen?

Stoll: Die Berliner Straße hat eine sehr wichtige Zuführungsfunktion für die südlichen Parkhäuser der Innenstadt. Vor dem Umbau muss daher exakt analysiert werden, welche Auswirkungen damit verbunden sind. Wichtig erscheint mir auch, welche Konsequenzen der verdrängte Verkehr an anderen Stellen in der Stadt hat.

Und wie schätzen Sie die Parksituation in der Innenstadt ein?

Stoll: Nach der Eröffnung des Parkhauses im MyZeil hat sich die Situation deutlich entspannt. Auch das Parkhaus Goetheplatz wird trotz der etwas versteckten Zufahrt gut angenommen. Genauer hinsehen müssen wir bei der Ausschilderung der Parkhäuser und bei dem Parkleitsystem. Gerade das neue MyZeil-Parkhaus ist nicht gut ausgeschildert. Im Rahmen der Diskussion über das Innenstadtkonzept wurde über die Reduzierung von Parkplätzen in den Seitenstraßen rund um die Zeil nachgedacht.

Es gibt Ideen, Parkflächen in den Nebenstraßen der Zeil zu streichen. Wie stehen Sie zu diesen Plänen?

Stoll: Kurzparkmöglichkeiten sind gerade für kleinere, inhabergeführte Fachgeschäfte in den Seitenstraßen enorm wichtig. Einige Kunden wollen in der unmittelbaren Nähe der Geschäfte kurz anhalten, um rasch etwas zu besorgen. Entfällt diese Möglichkeit des Kurzparkens, kann das nachteilige Auswirkungen auf die Geschäfte haben. Mittelfristig kann es sogar dazu führen, dass die Vielfalt des Angebots im Stadtzentrum reduziert wird. Die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto ist umsatzrelevant für den Einzelhandel. Ist sie nicht mehr ausreichend gewährleistet, orientieren sich die Kunden in Richtung Einkaufszentren auf der grünen Wiese, wie beispielsweise das Loop 5 in Weiterstadt oder das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach. Der Kunde will sich nicht umerziehen lassen. Er möchte den Ort, an dem er einkaufen will, komfortabel erreichen.

Die Stadtteile sind Ihnen ein besonderes Anliegen. Welche Funktion hat der Einzelhandel in diesen Lagen zu erfüllen?

Stoll: Es geht in den Stadtteilen vor allem auch darum, die Nahversorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten und den übrigen Einzelhandel zu stabilisieren. Der Strukturwandel im Einzelhandel wirkt sich gerade in den Stadtteilen seit Jahren am stärksten aus. Wichtig ist, dass großflächiger Lebensmittel-Einzelhandel, aber auch andere Handelsbranchen sich, wenn eben möglich, in den Ortsteilzentren ansiedeln und nicht außerhalb dieser Versorgungsbereiche in Gewerbegebieten. Das wirkt sich positiv für den ganzen Einzelhandel in den Stadtteilen aus. Standorte auf der grünen Wiese ziehen die Kunden aus den Versorgungsbereichen der Stadtteile ab – mit den bekannten negativen Folgen. Um das zu verhindern, passt die Stadt Frankfurt die Bebauungspläne für Gewerbegebiete an, damit großflächige Einzelhandelsansiedlungen dort nicht mehr möglich sind. Zudem muss in den Stadtteilen die Verkehrsführung sowie die Parkplatzsituation kundenfreundlich sein. Den Anregungen der örtlichen Gewerbevereine sollten die politisch Verantwortlichen mehr Gehör schenken. Zum Teil können nämlich schon kleinere Umgestaltungswünsche wichtige Effekte auslösen.

Wagen wir jetzt noch einen Blick in die Zukunft. Was ist für die künftige Entwicklung des Einzelhandels in Frankfurt entscheidend?

Stoll: Der Ansiedlungsdruck auf Frankfurt und die Region wird anhalten. Um die Stadt wettbewerbsfähig zu positionieren, müssen wir genau definieren, wo und wie künftig Entwicklung stattfinden soll. Die Einzelhandelsattraktivität Frankfurts liegt in der Innenstadt. Wir sollten daher die Innenstadt stärken und nicht zu viel Nebenzentren in Frankfurt entwickeln, die die Innenstadt schwächen. Natürlich muss in den Stadtteilen eine ordentliche Nahversorgung gewährleistet sein. Ebenso sollten die Einkaufsstraßen in den Stadtteilen mit ihren gewachsenen Strukturen gepflegt werden. Aber die großen Projekte mit innenstadtrelevanten Sortimenten gehören in die Innenstadt. Um das zu ermöglichen, bedarf es strategischer Planung und des entsprechenden politischen Willens.


Interview 

Dr. Andreas Freundt
Geschäftsführer Standortpolitik
IHK Frankfurt
a.freundt@frankfurt-main.ihk.de


Hanns-Peter Laux
Standortpolitik
IHK Frankfurt
h.laux@frankfurt-main.ihk.de



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