Königstein: Ausgeprägte Villendichte

Für manche ist Königstein eine ganz besondere Perle, für andere dagegen nur eine der vielen Schlafstädte rund um die Finanzmetropole. Beides ist richtig, denn Königstein ist eine der bevorzugten Städte für die Menschen, die ihren Arbeitsplatz in Frankfurt oder auch im nur unwesentlich weiter entfernten Wiesbaden haben. Daneben ist Königstein auch heute noch als heilklimatischer Kurort beliebt. Das gut besuchte Kurbad soll in Kürze modernisiert werden, und die beinahe unendlich scheinenden Waldwege rund um Königstein laden zu langen Wanderungen in guter Luft ein.

Beginnen wir mit der Geschichte. Um das Jahr 500, so heißt es, hat König Chlodwig I. die Burg und eine Kapelle errichtet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Königstein im Jahr 1215. Zu dieser Zeit befand sich die Burg im Besitz der Herren von Nürings, wechselte jedoch kurz darauf gleich zweimal den Besitzer, bis schließlich die Falkensteins auf der Burg das Sagen übernahmen. Unter ihrer Herrschaft erhielt Königstein 1313 die Stadtrechte. Auch heute noch ist der Stadtteil Falkenstein ein eigenständiger Teil der Gemeinde – vor allem hierher zieht es diejenigen, die die Nähe zum Taunus schätzen.
 

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Hoher Lebensstandard
Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass Königstein, ebenso wie das benachbarte Kronberg, zu den Orten in FrankfurtRheinMain zählt, in denen man sich das Leben auch leisten können muss. Die Villendichte zwischen der Burg und dem Schlosshotel in Kronberg ist wohl nur in wenigen Regionen Deutschlands so ausgeprägt. Trotzdem ist Königstein nicht nur eine Zufluchtsstätte für die Reichen und Schönen, die auch am Abend lieber unter sich bleiben. Die Stadt bietet eine Fülle von Freizeitmöglichkeiten und gastronomischen Angeboten. Ein Bummel durch die Altstadt sowie die Einkaufsstraße lässt sich mit einem Ausflug auf die Burg abrunden, von der man einen herrlichen Blick auf den Taunus und auf der anderen Seite auf Frankfurt hat. Auch ein Ausflug in den Opel-Zoo darf bei keinem Besuch der Region fehlen.

Die Villenviertel kennzeichnen in erster Linie Historismus und Jugendstil oder der Chic der Sechzigerjahre. 1961 errichtete der Architekt Richard Neura für den Direktor des pädagogischen Seminars der Goethe-Universität Frankfurt das Haus Rang, dessen Wohnräume stufenlos in den Garten übergehen. Die Grundstücksgrößen sind aufgrund der Raumneuordnung und der daraus folgenden Bebauungspläne nicht mit ähnlichen Wohnlagen in anderen Städten zu vergleichen.

Wohnraum: Angebot kann mit Nachfrage nicht Schritt halten
Für Zuzugswillige ist es allerdings nicht einfach, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Das Angebot kann mit der großen Nachfrage nicht immer Schritt halten. Die Gemeinde plant daher die Bebauung des Sportplatzes Schneidhain mit Doppelhaushälften und mehrgeschossigen Wohngebäuden. Dort soll auch ein Supermarkt entstehen, um die Nahversorgung der neuen Bewohner zu gewährleisten. Die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein hofft, dass der neue Markt auch von den Pendlern aus dem Hintertaunus angenommen wird und auch Königsteiner zum Einkaufen in die Stadt zurückholt. Sie weichen wegen der Verkehrs- und Parkplatzsituation momentan nach Glashütten aus. Nachdem vor einigen Jahren der Kreisel auf der B 8 aus dem Taunus in Richtung Frankfurt ausgebaut wurde, haben sowohl die Pendler aus dem Taunus als auch die Königsteiner selbst eine noch bessere Anbindung an FrankfurtRheinMain mit seinem internationalen Flughafen.
 

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Laut Wohnungsmarktbericht 2011 der Frankfurter Immobilienbörse bei der IHK Frankfurt liegen die Mieten zwischen sieben und 13 Euro pro Quadratmeter, der Schwerpunkt liegt bei neun Euro. Der durchschnittliche Kaufpreis für Baugrundstücke liegt bei 550 Euro pro Quadratmeter. Hier gibt es aber deutliche Preisspannen, vor allem nach oben. Nach der Auswertung der Wiederverkaufspreise für bebaute Grundstücke im Hochtaunuskreis erzielt Königstein den Spitzenplatz, sogar noch über dem durchschnittlichen Wiederverkaufspreis in Kronberg.

Für ein frei stehendes Einfamilienhaus muss man am Fuße des Taunus laut Immobilienbörse im Schwerpunkt 660 000 Euro bezahlen, nach oben gibt es bei den Preisen kein Limit. Eigentumswohnungen kosten zwischen 1 350 und 3 250 Euro pro Quadratmeter. Der Schwerpunkt liegt bei 2 200 Euro. Neue, unbebaute Grundstücke sind jedoch rar. Daher plant die Stadt Königstein, neben der Bebauung in Schneidhain auch ein Baugebiet in der Umgebung des Kurbades auszuweisen. Der Grundstücksentwicklungsvertrag wird gerade erarbeitet.

Beliebter Standort für Gewerbetreibende
Königstein ist jedoch nicht nur ein Wohnort mit einem kleinen Zentrum, sondern auch ein beliebter Standort für Gewerbetreibende. Für Einzelhändler lohnt sich die Ansiedlung allemal – schließlich liegt die Kaufkraft der Königsteiner Bürger deutlich über dem Bundesdurchschnitt. 2011 lag die GfK-Kaufkraftkennziffer in der Taunusstadt bei 191,1 Prozent, der bundesweite Durchschnitt liegt bei 100 Prozent. Die Nähe zu Autobahn und Flughafen macht es gerade für solche Berufstätige attraktiv, die auf der einen Seite ein angenehmes Wohnumfeld suchen und auf der anderen Seite mobil sein müssen. Steuerberater, Rechtsanwälte, Unternehmens- oder Personalberater wohnen und arbeiten in Königstein Tür an Tür. Durch die Übernahme der deutschen Personalberatung Hofmann, Herbold & Partner war Königstein sogar lange Jahre der Sitz der größten internationalen Executive-Search-Firma Korn / Ferry-. Auch die Commerzbank, früher die Dresdner- Bank, unterhält dort ein Trainings- und Konferenzzentrum. Und die Asklepios Kliniken haben ihren Sitz ebenfalls in Königstein.

Die Mietpreise auf dem Büromarkt liegen laut Gewerbemarktbericht 2011 der Frankfurter Immobilienbörse bei der IHK Frankfurt zwischen 6,50 und 13,50 Euro pro Quadratmeter, je nach Lage und Ausstattung. Der Schwerpunkt liegt bei einfachem bis durchschnittlichem Standard bei 7,50 Euro und bei durchschnittlichem bis gehobenem Standard bei neun Euro. Die Mietpreise für Einzelhandelsflächen in der A-Lage bewegen sich um die 30 Euro, in B-Lagen bei der Hälfte. Um neue Gewerbetreibende anzuziehen, will die Stadt Flächen in der Nähe des frisch renovierten Hauses der Begegnung und in dem Gebiet „Am Kaltenborn" in diesem Jahr vermarkten und weiterentwickeln.
 

Autor:
Boris Schröder
Geschäftsführer Adler Immobilien
Bad Soden

boris.schroeder@adler-immobilien.de

© Fotos: Jochen Müller

 

IHK WirtschaftsForum
April 2012