GamesCluster: Spielerische Metropole

Auch wenn es ein Gegensatz ist, wie er krasser kaum sein könnte: An Deutschlands Finanzplatz hat sich in den vergangenen Jahren im Schatten der Bankentürme eine ebenso interessante wie kreative Gamesbranche etabliert.

Frankfurt war spätestens seit den Sechzigerjahren ein Ort, an dem Kreative gewirkt haben. Auch wenn dies den Bürgern der Region oft nicht bewusst war. Aber beim abendlichen Fernsehprogramm, insbesondere in den Werbepausen, sahen sie oft Produktionen aus Frankfurt. Ähnlich verhält es sich nun mit den Computerspielen. Viele der Spiele, die in Deutschland verkauft werden, kommen aus Frankfurt. Denn nicht wenige Entwicklerfirmen, welche die Idee zum Spiel hatten oder die das Spiel gleich ganz entwickelt haben, sind hier ansässig. Manchmal haben aber auch nur die Publisher, also die Verlage, die diese Spiele in den Handel bringen, ihren Sitz in Frankfurt-RheinMain.

Dieser Umstand wurde vor vier Jahren auch der Wirtschaftsförderung und einigen Unternehmern der Kreativbranche bewusst. Um das Networking innerhalb der Branche zu verstärken, wurde die Veranstaltungsreihe Gameplaces ins Leben gerufen. Die Kompetenzstelle Kreativwirtschaft der Wirtschaftsförderung Frankfurt, der Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) und das Frankfurter Beratungsunternehmen Weber Networking machten sich auf, viermal im Jahr Vertreter der Branche, Politiker und Interessierte einzuladen, um über Entwicklungen der Gamesbranche zu berichten und zu diskutieren. Themen der Reihe sind unter anderem Entwicklungen am Spielemarkt, Online und Browser Games, neue Technologien, aber auch Diskussionen über Actionspiele oder Spielesucht.

Diese Veranstaltungsreihe, die mittlerweile auch in anderen Regionen kopiert wird, wurde im Laufe der Jahre ergänzt durch die von Anwälten konzipierte Veranstaltung Gameplaces Business & Legal, die alle sechs bis acht Wochen in der IHK Frankfurt stattfindet und ebenfalls öffentlich ist. Darüber hinaus fand schon dreimal die Gameplaces International statt, zu der Referenten aus der ganzen Welt eingeladen werden und die von Gamesschaffenden aus ganz Deutschland besucht wird.

Gamearea-FRM knüpft politische Kontakte
Mit der Standortinitiative Gamearea-FRM wurde 2007 eine weitere Initiative gegründet. Hierbei handelte es sich um eine regionale Interessenvertretung der Computerspiele-Branche. Bis Mitte 2009 wurde diese Initiative durch mehr als 60 Unternehmen und Institutionen unterstützt. Die Gamearea-FRM arbeitete vor allem im politischen Raum und stellte Kontakte zu Politikern in Stadt und Land her. Ein weiterer Grund zur Gründung war damals die Idee, die Messe Gamesconvention von Leipzig an den Main zu holen. Bekanntermaßen ist dies nicht gelungen, sodass diese heute unter dem Namen Gamescom in Köln stattfindet. Die erfolgreiche Arbeit der Standortinitiative wurde mittlerweile in den eingetragenen Verein Standortinitiative Gamearea-FRM überführt. Zu den Gründungsunternehmen gehören große Unternehmen am Standort wie Namco Bandai Partners Germany und das international bekannte Medienunternehmen Crytek, aber auch mittelgroße Unternehmen wie Keen Games, Deck13 Interactive, Metricminds oder Bit Composer.

Eine der wichtigsten Aufgaben des Vereins ist es, einen hessischen Förderfonds für Prototypenförderung zu etablieren. Durch diese rückzahlbare Förderung soll es Unternehmen ermöglicht werden, bei der Entwicklung von Computerspielen eigene Rechte und Lizenzen zu behalten, um diese dann langfristig nutzen und Vermögenswerte aufbauen zu können. Der positive Effekt für die Region liegt darin, dass es sich mehr Unternehmen der Branche überlegen, in Hessen zu gründen beziehungsweise ihr Unternehmen hier langfristig anzusiedeln.

Bisher hat die Politik in Wiesbaden diese positive und vergleichsweise günstige Möglichkeit der Unternehmensansiedlung noch nicht in Erwägung gezogen, während fast alle anderen Bundesländer über derartige Instrumente verfügen. Die Gamearea-FRM arbeitet jedoch auch weiterhin daran, dass diese Finanzierungsmöglichkeit auch in Hessen möglich wird. Im Laufe der Jahre hat sich das hiesige Gamescluster erweitert – sei es durch Neuansiedlungen oder durch kräftiges Wachstum. Die Gamesbranche war im vergangenen Jahr eine der wenigen Branchen, die trotz Wirtschaftskrise ihr Wachstum beibehalten oder sogar noch beschleunigen konnten.

Die Gamesbranche in Frankfurt und der Region hat sich etabliert. Computerspiele sind heute nicht mehr allein Teil der Freizeitgestaltung von Jugendlichen. Vielmehr spielen mittlerweile Menschen aller Altersstufen, vom Kind bis zum Greis, die unterschiedlichsten Spiele, vom Lernspiel über Entertainment bis zum Action- oder Strategiespiel. Aber nicht nur zum Lernen oder Vergnügen werden Computerspiele entwickelt. In immer größerem Maße werden Spielentwicklungen genutzt, um Sicherheitsanalysen durchzuführen, Tests im Rahmen virtueller Nachbauten durchzuführen oder mit anderen Branchen sogar gemeinsame Projekte durchzuführen. So trafen sich vor Kurzem bei der FrankfurtRheinMain GmbH Vertreter der Games- und der Automotivebranche, um auszuloten, wie sie künftig gemeinsame Entwicklungen durchführen können. Und damit schließt sich der Kreis. Die Kreativwirtschaft, insbesondere die Gamesbranche, entwickelt sich zusehends zu einem immer wichtiger werdenden Teil der Wirtschaft. Ihr Input nutzt auch anderen Branchen. Inzwischen gibt es bereits Kontakte in die Automotive- oder Logistikbranche.

     
Autor

Dr. Florian Stadlbauer
Geschäftsführer
Executive Director
Deck13 Interactive
Frankfurt


IHK WirtschaftsForum
März 2010