Green IT
Kleine Schritte, große Wirkung

Green IT, das ist mehr als nur ein wohlklingender Begriff. Wer genau hinsieht, findet nachhaltige und wirtschaftliche Möglichkeiten für die Praxis. Was große Unternehmen längst schon einsetzen, um Kosten zu sparen, können auch KMUs gezielt für sich nutzen.

 


 

Die treibende Kraft der boomenden grünen Technologien sind die kontinuierlich steigenden Energiekosten. Angesichts des enormen Stromverbrauchs der Errungenschaften unserer technisierten Welt ist diese Entwicklung leicht nachvollziehbar. Der weltweit explosionsartig ansteigende Zuwachs an energiefressenden Mobilfunk-, IT- oder Unterhaltungs-Endgeräten bringt die Stromlieferanten an ihre Grenzen. Allein für deutsche Rechenzentren werden die eingeschränkten Kapazitäten der Energieversorgung schon in den nächsten ein bis zwei Jahren zu Problemen führen.

Die Stromversorgung ist ad hoc nicht beliebig zu steigern, der Hebel muss also bei den Effizienz- und Performancesteigerungen ansetzen. Sprich: gleiche oder höhere Leistung bei geringerem Energieverbrauch. Die Gesamtheit der Maßnahmen entfaltet dabei enormes Potenzial: Bis zu 50 Prozent des Stromverbrauchs können eingespart werden.

 

Für die erfolgreiche Einführung grüner IT im Mittelstand sind drei Faktoren entscheidend: erstens eine am Betriebsprozess orientierte solide Planung sowie zweitens umsetzbare Projekt-Teilschritte mit Meilensteinen und drittens die professionelle Projektsteuerung durch einen kompetenten IT-Partner. Auf Basis dieser drei Säulen teilt sich ein Green-IT-Konzept in zwei Handlungsfelder, nämlich die Optimierung der betrieblichen Energieeffizienz sowie der betrieblichen IT-Struktur.

 

Die beste Sparmaßnahme ist es, Kosten gar nicht erst entstehen zu lassen. Um das zu erreichen, muss das Unternehmen wissen, wo es wie viel Energie  verbraucht. Während in der Vergangenheit der Vergleich von Geräte-Datenblättern als Grundlage für Green-IT-Planungen diente, sind heute bezahlbare, präzise Energieverbrauchsanalysen Grundlage für sichere und nachhaltige Entscheidungen der Unternehmen.

 

Speziell entwickelte Analyseverfahren machen Energieverbräuche transparent und ermöglichen es, die Betriebskosten dauerhaft zu kontrollieren und zu senken. Ein Energie-Controlling-System ermittelt präzise, welche Verbraucher am meisten Strom kosten und wann. Dabei werden verschiedene Unternehmensbereiche (oder Verbraucher) parallel ausgelesen. Aus den Daten einer mehrwöchigen Messung liefert die Software eine prozessabhängige Auswertung der Stromlast- und Stromverbrauchersituation. Die resultierende Verbrauchskurve deckt auf, wann das Unternehmen viel Energie benötigt und wann nicht.

 

Visuelle Auswertungen stellen einen direkten Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und den betrieblichen Abläufen her. Auf dieser Basis lässt sich der Stromeinkauf gezielt optimieren. Auch durch die Verlagerung zeitlich flexibler, aber energieintensiver Prozesse werden Stromkosten reduziert. Einsparpotenziale von bis zu 25 Prozent sind hier je nach Branche und Stromverwertungsprofil eines Unternehmens möglich.

 

Die Veränderung der IT-Struktur vom klassischen Konzept zur grünen Lösung ist ein Arrangement aus vielen kleinen Schritten, die pragmatisch umsetzbar sind. Stromfresser werden dabei durch Energiesparer ersetzt. Ob Austausch von Röhrenmonitoren durch LCD-Displays, stromsparende Lüfter oder energiesparende Arbeitsspeicher – jede sparsame Komponente trägt direkt zur Einsparung bei. Auch die Deinstallation nicht benutzter Software senkt den Stromverbrauch. Investitionen rechnen sich bereits in den ersten drei Jahren. Auch die Ausstattung von Arbeitsplätzen mit Thin Clients anstelle von Fat Clients verspricht große Effekte. Während der Server die Rechenleistung zentral bereitstellt, wird der Thin Client zum Arbeitsrechner, dem Rechenleistung und Applikation vom Server zugeteilt werden. Strom wird also nur dann verbraucht, wenn tatsächlich gearbeitet wird. Das Energie-Einsparpotenzial liegt im direkten Vergleich bei bis zu 61 Prozent. Außerdem reduzieren sich Wartungs- und Administrationsaufwand. Vorsicht ist jedoch bei Spezialanforderungen geboten: Rechenintensive und komplexe CAD-, 3-D-, oder Grafik-Anwendungen können moderne Thin Clients nicht ohne Weiteres abbilden. Hier bietet der Parallelbetrieb von Thin und Fat Clients praktikable Lösungen – jeweils abgestimmt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Arbeitsplatzes beziehungsweise Users.

 

Die heute eingesetzten Server sind weit unterfordert, denn ihre Auslastung liegt nur bei zehn bis 20 Prozent. Somit liegt viel ungenutzte Hardware brach und frisst unnötig Geld für Strom, Raummiete, Klimatisierung und Wartung. Die Virtualisierung solcher IT-Strukturen steigert die Performance auf 60 bis 80 Prozent. Sie reduziert die benötigte Anzahl der Server und senkt Aufwand und Kosten für Wartung, Miete, Energie und Kühlung. Verbrauchsoptimierte grüne Server-Hardware senkt den Stromverbrauch noch weiter.

 

Die geringere Anzahl physischer Server nach einer Virtualisierung erzeugt darüber hinaus deutlich weniger Wärme, woraus sich weniger Bedarf an Kühlleistung ergibt. Weniger Kühlung bedeutet direkte Reduzierung der Stromkosten. Die Einsparpotenziale liegen bei mindestens 50 Prozent. All dies kann zentral gemanagt werden. Denn moderne Software für IT-Infrastrukturen ermöglicht die umfassende, schnelle Steuerung und Verwaltung eines gesamten Netzwerks. Intelligente Automatisierung beim Patch-Management, Remote-Wartungen oder auch Richtlinien für die zeitgesteuerte Bildschirm- und Rechnerabschaltung summieren sich zu einem großen Vorteilseffekt: weniger Vor-Ort-Einsätze für Wartung, weniger Reisezeiten und -kosten sowie schließlich auch weniger Stromverbrauch durch ungenutzte Geräte.

 

Mit dem Wissen, was grüne IT bewirken kann, liegt vor dem Start allerdings noch Vorarbeit beim Unternehmen. Für die Planung der grünen IT im eigenen Unternehmen sollten einige Punkte beachtet werden, um Stolperfallen zu umgehen: Das Unternehmen sollte zunächst Analyse, Ziel und Sonderanforderungen des Projekts festlegen und dabei die Schwachstellen und Probleme des Stromverbrauchs im eigenen Unternehmen eingrenzen. Wichtig ist auch, die Ist-Situation der eigenen IT-Struktur detailliert zu ermitteln. Denn Art, Umfang und Status von Hardware und Software sowie Nutzertypen bilden die Grundlage für künftige Entscheidungen. Hilfreich kann es auch sein, vor Ort mit einem externen IT-Dienstleister einen Green-IT-Check durchzuführen und das Konzept mit ihm durchzusprechen. Green IT kann in den Unternehmen dann als Gesamtprojekt oder schrittweise in Teilprojekten umgesetzt werden. 

 


Gerd-O. Reppe

Geschäftsführer

IT-Systeam, Kassel

g.reppe@it-systeam.de

 

IHK WirtschaftsForum
Juli 2011