Ernst-Schneider-Preis

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Am 12. Oktober 2010 wurde der Ernst-Schneider-Preis in der IHK Frankfurt verliehen. Die Preise gingen an Wirtschaftsjournalisten, die in ihren Beiträgen wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich und fantasievoll umgesetzt haben. Vergeben wurde der Preis in den Mediengattungen Presse, Fernsehen und Hörfunk.

Der Ernst-Schneider-Preis ist der Journalistenpreis der deutschen Wirtschaft. Die Industrie- und Handelskammern verleihen den Preis seit 1971. Ziel des Wettbewerbs ist es, den Bürgern mehr Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln. Die Medien wiederum sollen ermutigt werden, neue Schritte bei der Umsetzung von Wirtschaftsthemen zu gehen. Über die Preisvergabe entscheiden unabhängige Jurys.


Die Preisträger:

1. Wirtschaft in regionalen Printmedien (Dotierung 7.500 Euro)

Preisteilung: Klaus Köster: „Der tragische Held von Zuffenhausen“, Stuttgarter Zeitung, und Olaf Preuß: „Schiffbau: Der Krisenreport“, Hamburger Abendblatt.

Klaus Köster erzählt mit großer Detailkenntnis den wohl ungewöhnlichsten Übernahmeversuch der deutschen Wirtschaftsgeschichte, die Geschichte von Porsche und Volkswagen. Der Leser versteht, wie waghalsig das Vorhaben war, auf welchen riskanten Annahmen es beruhte und welche Fallstricke im Milliarden-Geschäft lauerten. So erschließen sich zahlreiche wirtschaftliche und politische Hintergründe. Nach Einschätzung der Jury hat keine Regionalzeitung die versuchte Übernahme so klar und verständlich dargestellt.

Olaf Preuß schildert in seiner fünfteiligen Reportagereihe den Strukturwandel der Branche, der sich in der Wirtschaftskrise verschärfte. Bei Besuchen von fünf Werftstandorten Norddeutschlands kommen Beschäftigte, Manager und Politiker zu Wort. Der „Krisenreport“ des Hamburger Abendblattes analysiert Ursachen und Auswirkungen des Wandels und zeichnet Perspektiven auf. In den Augen der Jury sind die exzellent bebilderten Reportagen eine außergewöhnliche Leistung einer Regionalzeitung.

Nominiert war in dieser Kategorie zusätzlich die Wirtschaftsredaktion der Mittelbayerischen Zeitung für die Serie „Mehr Zuversicht“.

2. Wirtschaft in überregionalen Printmedien (Dotierung 7.500 Euro)

Markus Dettmer, Dirk Kurbjuweit, Christian Reiermann, Der Spiegel: „Zocken im Morgengrauen“:

Die Autoren haben ein ökonomisches Drama umfassend recherchiert und die Fakten in ein Protokoll gesetzt. In Minutenschritten erlebt der Leser die Zuspitzung der Hypo Real Estate-Krise und die Bemühungen von Bankern und Politikern, die überschuldete Bank zu retten. Die entstandene Chronik ist eine atemberaubende Rekonstruktion der Vorgänge, sprachlich brillant, mit einer Fülle von Details, die die Leser direkt an den Konferenztisch führen, wo sie Einblicke in Verhandlungen zwischen Spitzenpolitikern und Bankern bekommen.

Die Jury hatte daneben Katja Gloger, Cornelia Fuchs, Frank Donovitz: „Die Höllenfahrt“, Stern, und Roland Kirbach: „Die Rathauszocker“, Die Zeit, nominiert.

3. Förderpreis für Nachwuchsjournalisten (Dotierung: Weiterbildung im Wert von max. 5.000 Euro)

Jan Grossarth, Frankfurter Allgemeine Zeitung:

Der Diplom-Volkswirt stellt Menschen mit ihren wirtschaftlichen Auffassungen und Erwartungen in den Mittelpunkt seiner Geschichten. Die eingereichten Artikel enthalten präzise Bilder und subtile Botschaften. Grossarth schreibt über „Lehmans Kinder“, BWL-Studenten einer Elite-Hochschule, deren Weg nach der Pleite der Lehman-Bank und der nachfolgenden Finanzkrise nicht mehr wie gewohnt von selbst nach oben führt, über den Strukturwandel in Fürth nach dem Aus für „Quelle“ und nimmt die Leser mit in die Welt von Bauer Gottfried, der konsequent als Selbstversorger lebt.

Nominiert waren auch Niklas Hoyer, Stefani Hergert, WirtschaftsWoche und Martin Wittmann, F.A.Z., Rheinischer Merkur.

4. Hörfunk Kurzbeitrag (Dotierung: 5.000 Euro)

Jürgen Webermann, Peter Hornung: „Das Omega-Protokoll - Wie die HSH die Bankenaufsicht gelinkt hat“, NDR.

Die Autoren haben die Geschäftspolitik der HSH Nordbank durchleuchtet und herausgefunden, dass die Landesbank ein Geschäft mit hochriskanten Wertpapieren um die irische Zweckgesellschaft mit dem Namen „Omega 55“ der Bankenaufsicht nicht meldete. Der investigative Beitrag ist gekonnt verdichtet und spannend aufbereitet. Er vermittelt in nur drei Minuten Zusammenhänge einer Bankenaffäre, die den Steuerzahler viel Geld kostete.

Nominiert war die Serie von Jörg-Rüdiger Schneider: „Notausgänge aus der Krise“, rbb Fritz.

5. Hörfunk Große Wirtschaftsendung (Dotierung: 7.500 Euro)

Frank Wörner: „Pleitegeier - Das Geschäft mit der Insolvenz“, WDR.

„Insolvenz kann durchaus eine Chance sein“, so beginnt das Feature, das anhand einer Fülle von Beispielen erläutert, wie die Insolvenzordnung einen betrieblichen Neustart ermöglichen kann. Der Blick des Autors ist offen, seine Sprache nüchtern und klar, die Fälle sind aktuell. Dadurch verstehen Hörer, wie die Rettung von Karstadt gelingen kann und warum eine Insolvenz von Opel kein Ende hätten bedeuten müssen. Der Blick hinter die Kulissen stilisiert die Insolvenzverwalter nicht zu Stars, das Feature bleibt öffentlich-rechtlich ausbalanciert, es stellt Zusammenhänge her und bietet Mehrwert.

Nominiert waren darüber hinaus: Dr. Jan Lublinski: „Grenzen der Gier – Die neue Transparenz im Rohstoffhandel“, DLF, und Stefan Schmid: „Der Billionen-Berg – Streifzüge durch das Schuldengebirge“, DLR Kultur.

6. Wirtschaft in der Unterhaltung oder eine herausragende Sendung anderer Art (Hörfunk oder Fernsehen, Dotierung: 7.500 Euro)

Preisteilung: Autorenteam Spaß 5: „Berichte von morgen", WDR / Hörfunk und Dorothee Schön: „Frau Böhm sagt Nein“, ARD (WDR) / Fernsehen.

Die Hörfunkautoren realisieren eine Satiresendung als vermeintlichen Rückblick auf die wirtschaftlichen Ereignisse des Jahres 2010. Dafür haben sie eine Fülle wirtschaftlicher Daten recherchiert und den Stoff unterhaltsam aufbereitet. So kommen Freddie Mac und seine Gattin Fannie Mae zu Wort, die ihr Haus verloren haben und dadurch die weltweiten Probleme auslösten. Die Hörer erfahren, dass die Regierung mit einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelbetten die Krise bekämpfen will, sie werden mit Schalten zur Börse auf dem Laufenden gehalten und dürfen, als die Kreditklemme gelöst ist, den Wirtschaftsaufschwung feiern.

Dorothee Schön hat die dramatische Übernahme von Mannesmann durch Vodafone bis in kleine Details recherchiert und für einen Fernsehstoff aufbereitet. Sie schildert menschlich anrührend und hoch spannend, wie die Mitarbeiter der Hewaro AG sich verhalten - allen voran die prinzipientreue Sachbearbeiterin Rita Böhm, die von Senta Berger glänzend gespielt wird. Der Film reflektiert ethische und marktwirtschaftliche Fragen, er thematisiert Karrieren und Loyalitäten. „Frau Böhm sagt Nein“ ist ein Beispiel dafür, dass wirtschaftliche Themen – exzellent aufbereitet – für ein Massenmedium wie das Fernsehen attraktiv sind.

Nominiert war in dieser Kategorie auch Christian Maier: „Familie S. aus Riedstadt“ („Raus aus den Schulden“), RTL / Fernsehen.

7. Technik (Hörfunk oder Fernsehen, Dotierung 7.500 Euro)

Norbert Siegmund, Ursel Sieber, Olaf Jahn: „Endstation Chaos – Die Bahn auf gefährlichem Kurs“, ARD (rbb).

Die Dokumentation bereitet ein Sicherheitsthema gründlich und spannend auf. Nicht High Tech, sondern der verantwortungsvolle Umgang mit klassischer Technik steht im Mittelpunkt des Beitrags. Die Autoren greifen Unfälle und Pannen auf. Sie analysieren die Brems- und Signaltechnik der Berliner S-Bahnen, hinterfragen Wartungsintervalle und verdeutlichen den Zuschauern mit Animationen technische Zusammenhänge. Die aufgeworfenen Fragen sind verallgemeinerbar: Wie hoch darf man Anforderungen an die Sicherheitstechnik schrauben? Wie teuer darf die Sicherheit in einem Unternehmen werden, ohne es wirtschaftlich zu überfordern? Die Autoren interviewen Verantwortliche und sie lassen sowohl Opfer als auch Experten zu Wort kommen.

Ebenfalls nominiert war: Harald Stocker: „Die Wahrheit über Elektroautos“, ZDF. Der Technikpreis wird vom VDW Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. ge­stiftet.

8. Fernsehen Kurzbeitrag (Dotierung 5.000 Euro)

Udo Eling: „Einzelschraube“, WDR.

Der Autor vermittelt Hintergründe einer Ersatzteilbeschaffung in Form einer Glosse. Die Umsetzung ist fantasie- und humorvoll, mit einem Blick für Details und formal auf hohem Niveau. Der kurze Film mit seiner übertragbaren Thematik hat eine eigene Handschrift. Die Jury lobt die Verdichtung und Überhöhung des Ereignisses, die Bildsprache und die Pointensicherheit des Autors.

Nominiert waren darüber hinaus David Ohrndorf: „Mogelpackung Iglo“, WDR, und Markus Preiß: „Die Rückkehr der Spekulanten - Öltanker vor Rotterdam“, ARD-Studio Brüssel.

9. Fernsehen Große Wirtschaftssendung (Dotierung: 7.500 Euro)

Guy Smith, Jean-Christoph Caron: „Der große Crash – Die Pleite der Lehman-Bank“, ZDF/BBC.

Die Co-Produktion „Der große Crash” rekonstruiert mit Zeitzeugen das historische Wochenende vom 12. auf den 14. September 2008, an dessen Ende der Entschluss stand, die Lehman-Bank fallen zu lassen, und sie fragt nach Gründen: Wollten die US-Republikaner im Wahlkampf keine unpopulären Milliardenhilfen für eine Großbank? Spielten Rivalitäten zwischen Henry Paulson und Lehman-Chef Richard Fuld eine Rolle? Haben die Finanzchefs die Tragweite ihrer Entscheidung für die Weltwirtschaft unterschätzt? Aufwändig gestaltet gibt die Dokumentation exklusive Einblicke in einen außergewöhnlichen Verhandlungsmarathon.

Nominiert waren ferner Joachim Vollenschier: „HühnerWahnsinn - Das eiskalte Geschäft mit Geflügel“, WDR, und Stephanie Wätjen, Milena Hadatty: „Wenn der Arbeitgeber pleite geht“, rbb.

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Reinhard Fröhlich Unternehmenskommunikation Geschäftsführer
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