Zukunftsmarkt Verkehrstechnik
Qualität der Mobilitätsangebote wird auch künftig einer der entscheidenden Faktoren für die Standortqualität bleiben

Große Teile unserer Wirtschaftskraft hängen von gut funktionierenden Transportsystemen ab. Zur Bedeutung des Verkehrs trägt auch bei, dass Produkte und Dienstleistungen rund um den Verkehr seit Beginn des Automobilbaus einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Deutschland sind. Mit neuen Möglichkeiten in der Verkehrstechnik wächst diese Bedeutung als Wirtschaftsgut im eigenen Land und auch für den Export noch erheblich.

Die Statistik belegt, dass das Verkehrsaufkommen stetig wächst. Das wird in den deutschen Ballungsräumen voraussichtlich auch in den nächsten 20 Jahren so sein. Besonders prägnant ist die Entwicklung im Straßengüterverkehr – nicht zuletzt auch als Folge der Öffnung Osteuropas zum Westen. Unsere Verkehrsinfrastruktur werden wir aber auch zukünftig nicht immer nachfragegerecht ausbauen können. Und wenn sich nichts Grundlegendes ändert, werden wir wohl auch zukünftig die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene nur in Ansätzen hinbekommen. Es muss an vielen Stellen wirksam gegengesteuert werden, um zu verhindern, dass die durch Störungen und Überlastungen bedingten Staus auf unseren Straßen erheblich zunehmen. Zudem ist nicht erst seit Klimaschutzabkommen und Feinstaubrichtlinie deutlich, dass die Bedeutung von Umweltbelangen im Verkehr noch erheblich weiter wachsen wird.

Die Notwendigkeit, Verkehrsnachfrage und Verkehrsangebot aufeinander abzustimmen, wird weiter zunehmen. Dabei werden pauschale Regelungen nicht immer ausreichen und in vielen Situationen sogar unnötige Nachteile bringen. Deshalb muss das Verkehrsmanagement die Möglichkeit bieten, sich flexibel an die aktuelle Situation anzupassen. Dies wird neben intelligenten Konzepten und guter Zusammenarbeit auch neue Technologien zur Datenerfassung und Verkehrssteuerung brauchen. Aus Nutzersicht wird immer mehr Komfort und Information gefragt sein. Neue Technik wird helfen, das am besten geeignete Verkehrsmittel auszuwählen und situationsabhängig den besten Weg zu finden. Um Kundenwünsche zu erfüllen, werden weitere technische Innovationen und ein hoher Grad an Integration erforderlich.

Weitere Neuerungen in der Verkehrstelematik werden erwartet
Die Vielfalt der in den nächsten Jahren zu erwartenden technologischen Veränderungen ist kaum absehbar. Herausragende Bedeutung unter den vielen Bereichen, in denen Innovationen zu erwarten sind, hat weiterhin die Verkehrstelematik. Diese Techniken und Systeme nutzen die rasch wachsenden Möglichkeiten der Telekommunikation und Informatik, um den Verkehr sicherer, umweltfreundlicher, leistungsfähiger und wirtschaftlicher zu machen. Viele Anwendungen der Verkehrstechnik haben sich bereits durchgesetzt, wie Lichtsignalanlagen im Straßenverkehr, Parkleitsysteme, Verkehrsleitsysteme auf Autobahnen, Leitsysteme für Busse und Bahnen, Navigationssysteme in Fahrzeugen oder elektronische Bezahlsysteme. Neben einer breiteren Anwendung wird es hier vor allem die Notwendigkeit geben, veraltete Geräte gegen zeitgemäß leistungsfähige Technologien auszutauschen.

Daneben gibt es zahlreiche neue Einsatzfelder, bei denen ein intelligenter Einsatz von Verkehrstechnik erheblichen Nutzen bringen kann. Neue Verkehrsdetektoren werden gebraucht, um die Verkehrslage effizient und zuverlässig zu erfassen, und um nicht nur auf Autobahnen, sondern auch im untergeordneten Straßennetz die Verkehrssteuerung und Verkehrsinformation zu verbessern. Die Kommunikation zwischen Verkehrsteilnehmern und der intelligenten Verkehrsinfrastruktur wird hier zukünftig einen wichtigen Beitrag leisten. Neue Fahrerassistenzsysteme können den Verkehrsablauf verbessern und Unfälle vermeiden. Mit neuer Umweltmesstechnik und Verkehrstechnik können Regelungen wie Lkw-Durchfahrverbote auf die Zeiten beschränkt werden, in denen sie umweltbedingt wirklich erforderlich sind.

Dies sind nur einige Beispiele, und selbstverständlich betrifft Verkehrstechnik nicht nur den Straßenverkehr, sondern auch alle anderen Verkehrsträger. Die Einsatzmöglichkeiten der Verkehrstechnik sind hier ebenso vielfältig und nutzbringend. Technische Innovationen und ein effizienter Technologieeinsatz brauchen allerdings gute Randbedingungen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Standardisierung, eine umfassende Systemarchitektur, systematisches Qualitätsmanagement und angemessene Risikobereitschaft für Erprobungen sind Beispiele hierfür.

Das Land Hessen hat durch die verkehrliche Situation und die hier ansässigen leistungsfähigen und innovativen Unternehmen und Forschungseinrichtungen ein besonderes Potenzial in diesem Wirtschaftssektor. Neue Produkte in der Verkehrstechnik werden nicht nur Verkehrsprobleme lösen, sondern auch die Wirtschaft stärken. Sie werden wichtige Grundlage für neue Dienstleistungen und zukunftssichere Arbeitsplätze sein. Verkehrstechnik ist ein Markt mit Zukunft.

     
Prof. Manfred Boltze
TU Darmstadt
Verkehrsplanung und Verkehrstechnik
Technologiebeauftragter „Mobilität und Verkehr“ des Landes Hessen


Kontakt Unternehmensnetzwerk

Als Technologiebeauftragter des Landes Hessen für den Bereich „Mobilität und Verkehr“ engagiert sich Prof. Manfred Boltze gemeinsam mit der HA Hessen Agentur für bessere Möglichkeiten zum Austausch unter den hessischen Unternehmen und den Aufbau eines Kompetenznetzwerks im Bereich Verkehrstechnik. Unternehmen, die in einem solchen hessischen Unternehmensnetzwerk mitwirken möchten, wenden sich per E-Mail an Prof. Manfred Boltze, unter boltze@verkehr.tu-darmstadt.de.

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März 2009
 

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