WANTED: IT-Fachkräfte & Fachwissen

Viele Unternehmen bieten gegenwärtig eine große Anzahl an freien IT-Stellen in Netzwerkmanagement, Anwendungsentwicklung oder E-Commerce an. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht durchaus Anlass zu Optimismus - blieben die Arbeitsplätze aufgrund des gravierenden Fachkräftemangeln nicht in vielen Fällen unbesetzt.

Wenn der Bedarf der deutschen Wirtschaft an IT-Fachkräften konkret beziffert werden soll, schwanken die Angaben erheblich. Während der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie in Frankfurt einen Bedarf für rund 75.000 IT-Fachkräfte sieht, geht der Fachverband Informationstechnik (FVIT) von aktuell 60.000 bis 75.000 unbesetzten Stellen aus. Der Bundesverband Informations- und Kommunikationssysteme (BVB) schätzt die Zahl der vakanten Stellen auf 100.000.

Es ist auch noch nicht klar, welcher Art die Qualifikationen sein müssen, die hierzulande fehlen. Dabei geht es einerseits um Berufsbilder, die erst vor wenigen Jahren geschaffen wurden oder erst im Entstehen sind. Andererseits gelten viele der innovativen Arbeitsgebiete im Umfeld von Web-Auftritten, E-Commerce-Lösungen, Lernprogrammen und Spiele-Software als besonders attraktiv für Quereinsteiger aus den verschiedensten Berufen. Die erforderlichen Spezialqualifikationen habe man bisher ohnehin nicht durch eine Berufs- oder Hochschulausbildung erwerben können, ist eine häufig gehörte Begründung.

Junge IT-Unternehmen geben sich bezüglich Ausbildung und Studium sehr unkonventionell: Ein Berufsabschluss sollte zwar generell nachgewiesen werden, auf wohlklingende Titel wird jedoch wenig Wert gelegt. Weitaus wichtiger sind sichere, im Idealfall bereits praxiserprobte Kenntnisse auf den Gebieten Programmierung, Netzwerk und Design sowie ein gehöriges Maß an Teamgeist, Motivation und Engagement. Sichere Englischkenntnisse werden unabhängig vom jeweiligen Funktionsbereich vorausgesetzt.

Auf den Eingang adäquater Bewerbungen als Resonanz auf Stellenanzeigen in der Tages- oder Fachpresse warten inzwischen viele Firmen vergeblich. Da auch Mehrfachschaltungen häufig nicht zum Erfolg führen, wird eine direktere und gezieltere Ansprache der umworbenen Zielgruppe immer wichtiger.

Zu einem wichtigen Hilfsmittel für eine zeitgemäße Personalsuche im IT-Bereich hat sich in relativ kurzer Zeit das Internet entwickelt. Online-Jobbörsen sind sowohl für Stellensuchende als auch für Stellenanbieter zu einer festen Größe geworden. In größeren Städten haben sich auch Personalberatungen, die den Erstkontakt zu potentiellen IT-Mitarbeitern herstellen und die Vorselektion der Bewerber übernehmen, eine wichtige Position erobert. Ferner liegen IT-Karrieretage und Kontaktmessen, auf denen IT-Profis entweder mit den Firmen selbst oder mit beauftragten Personalberatungen in Kontakt treten können, stark im Trend.

Trotz allem, Aussicht auf kurzfristige Besserung besteht kaum. Denn die gesamte IT-Ausbildung leidet von der Schule über die Lehre bis zum Hochschulabschluss unter Problemen. Die Wirtschaft selbst hat eine Erhöhung der Ausbildungsplätze in IT-Berufen von 25 000 auf 40 000 binnen eines Jahres zugesagt. Doch bis zum Sommer werden maximal 4.800 ihre Lehre beenden und eine Arbeit aufnehmen können. Das Gros der Auszubildenden wird dem Arbeitsmarkt frühestens in zwei oder drei Jahren zur Verfügung stehen. Dazu kommt, dass die Berufsausbildung an ihre Grenzen stößt, weil die Berufsschullehrer ausgegangen sind. Der DIHK klagt, dass in den nächsten Jahren zu wenig Berufsschullehrer bereitstehen werden, um die wachsende Schar von IT-Lehrlingen auszubilden.

Die Initative der Bundesregierung, ausländischen Fachkräften befristete Arbeitserlaubnis zu erteilen (Green-Card)ist in Politik und Wirtschaft umstritten. Bei vielen Unternehmern findet der Vorstoß von Bundeskanzler Schröder, Computerspezialisten aus nicht EU-Staaten eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis zu erteilen, ausdrücklich Zustimmung. Allerdings löst die Initiative das prinzipielle Problem nicht, dass es in Deutschland zu wenig gut ausgebildete Spezialisten gibt. Im Wettbewerb um die besten Fachleute hätten die deutschen Unternehmen im Bereich der Informationstechnologie dann bessere Karten als bisher. Wichtig ist jedoch, dass die ausländischen Fachkräfte über den fünfjährigen Aufenthalt hinaus auch Chancen für eine langfristige Perspektive in Deutschland bekommen. Ob die „Green Card“-Regelung wirklich helfen kann, die bekannten Defizite auszugleichen, wenn denn die gewünschten Fachkräfte überhaupt kommen, ist fraglich.

Festzustellen bleibt: Es muss für die Unternehmen kurzfristig und unbürokratisch möglich sein, ihren großen Bedarf an IT-Spezialisten zu decken. Je schneller und dynamischer der IT-Bereich wächst, desto flexibler müssen sie reagieren können. Von zentraler Bedeutung wird die Umgestaltung des Bildungssystems sein, das sich langfristig zu einem ganz entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickeln wird. Die technische und wirtschaftliche Dynamik in der Informations- und Telekommunikationsindustrie erfordert von allen Beschäftigten eine permanente Aktualisierung und Erweiterung ihrer einmal erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten. Berufliches Fachwissen veraltet in immer kürzeren Zyklen, die Bereitschaft zu „lebenslangem Lernen“ ist daher gerade in der IT-Branche unabdingbar.

 

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